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Israels Verteidigungsminister: «Wir werden sie eliminieren»

Einen generellen Waffenstillstand lehnt Israel ab. Gewährt werden nur humanitäre Pausen. Laut Israels Verteidigungsminister werde der Krieg gegen Hamas notfalls über Jahre gehen. Der Überblick.
Verteidigungsminister Pistorius in Israel
John Kirby

Israel ist nach den Worten von Verteidigungsminister Joav Galant bereit, den Krieg gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen auch jahrelang zu führen. Die Armee werde alle an dem Massaker vom 7. Oktober in Israel Beteiligten finden, sagte er am Donnerstagabend. «Egal ob es eine Woche, einen Monat, ein Jahr und gegebenenfalls sogar Jahre dauert.» Er sprach sich auch gegen einen Kompromiss mit der Hamas und anderen extremistischen Gruppen im Gazastreifen aus, denn diese hätten den israelischen Bürgern Schaden zugefügt und sie ermordet. «Wir werden sie alle eliminieren.»

Die Armee habe auch damit begonnen, neue Methoden zu nutzen, um die Tunnel im Gazastreifen zu zerstören. Wie genau diese aussehen, ließ Galant offen.

USA: Israel gewährt humanitäre Pausen in Nord-Gaza

Mehr als einen Monat nach Beginn des Gaza-Kriegs hat Israel nach US-Angaben täglichen, vierstündigen humanitären Pausen im nördlichen Teil des abgeriegelten Küstenstreifens zugestimmt. Diese Pausen sollen drei Stunden im Voraus angekündigt werden, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, in Washington. Während der Pausen könnte nach seinen Worten humanitäre Hilfe geliefert und ein Zeitfenster geschaffen werden, damit Menschen aus der direkten Gefahrenzone entkommen können.

Einen generellen Waffenstillstand lehnen die US-Regierung und auch Israel dagegen weiter ab. Ohne die Freilassung der 239 von der islamistischen Hamas festgehaltenen Geiseln werde es keinen Waffenstillstand geben, hieß es dazu aus dem Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Netanjahus Büro verwies überdies auf einen schon bestehenden Fluchtkorridor für Zivilisten im Gazastreifen vom Norden in den Süden, auf dem Israel den Menschen zurzeit regelmäßig für einige Stunden eine sichere Passage zusagt. Am Mittwoch hätten 50.000 Menschen die Fluchtroute genutzt, hieß es.

Das israelische Militär hatte früher auf der Online-Plattform X darauf hingewiesen, dass es keinen Waffenstillstand gebe, aber «taktische, lokale Pausen für humanitäre Hilfe für Zivilisten in Gaza».

Die US-Regierung argumentiert, ein Waffenstillstand würde nur der im Gazastreifen herrschenden Hamas in die Hände spielen und der Gruppe Zeit geben, sich neu aufzustellen für weitere Attacken. Am 7. Oktober hatten Hamas-Terroristen Israel überfallen und mehr als 1400 Menschen getötet. Die Vereinten Nationen forderten, dass die Logistik der nun verkündeten Kampfstopps «insbesondere in Bezug auf Zeitpunkt und Ort» mit der Weltorganisation abgesprochen werden müsse.

9500 Raketen und Mörsergranaten Richtung Israel abgefeuert

Seit Beginn des Gaza-Kriegs wurden nach Angaben der israelischen Armee rund 9500 Raketen und Mörsergranaten sowie Dutzende Drohnen Richtung Israel abgefeuert. Seit den Bodeneinsätzen im Gazastreifen sei die Zahl der Abschüsse aber deutlich zurückgegangen, teilte die Armee mit. Ob auch Geschosse aus dem Libanon, aus dem Jemen und Syrien mitgezählt wurden, teilte das Militär nicht explizit mit. Demnach landeten zwölf Prozent aller Geschosse im Gazastreifen selbst. Rund 900 seien von zivilen Standorten, darunter Moscheen, Schulen und Krankenhäuser, aus abgefeuert worden.

Video zweier Geiseln veröffentlicht

Die im Gazastreifen und auch im Westjordankand aktive Terrororganisation Islamischer Dschihad veröffentlichte ein Video zweier israelischer Geiseln. Darin sind eine ältere Frau sowie ein Junge zu sehen. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht überprüft werden. Die Betroffenen werden aber auf einer offiziellen Seite von Angehörigenvertretern als Geiseln gelistet. Berichten zufolge handelt es sich um eine 77-Jährige sowie ein 13 Jahre altes Kind. Beide Geiseln äußerten in dem Video starke Kritik an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seiner Regierung. Ob die beiden dabei ihre ehrliche Meinung äußerten, war unklar.

Unter Vermittlung des Golfemirats Katar, das gute Beziehungen zur Hamas pflegt, und in Absprache mit den USA laufen derzeit Verhandlungen, um etwa ein Dutzend Gefangene freizubekommen. Das bestätigte eine Person mit Kenntnis dieser Gespräche der Deutschen Presse-Agentur. Im Gegenzug sollen die Kämpfe für 48 bis 72 Stunden eingestellt werden.

Tote bei Einsatz in Dschenin

Bei einem israelischen Militäreinsatz in Dschenin im Westjordanland wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 14 Menschen getötet. Mehr als 20 weitere seien verletzt worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit.

Laut israelischer Armee galt der Einsatz Terroristen im Flüchtlingsviertel in Dschenin. Das Militär meldete zehn getötete Palästinenser. Dschenin gilt als Hochburg militanter Palästinenser. Es kommt dort immer wieder zu Razzien der israelischen Armee. Die Lage im Westjordanland hat sich seit Beginn des Krieges deutlich verschärft.

Israels Armee rückt im Gazastreifen weiter vor

Israelische Bodentruppen nahmen nach Darstellung der Armee nach heftigen Kämpfen im nördlichen Gazastreifen einen Hamas-Stützpunkt ein. Dieser liege im Flüchtlingsviertel Dschabalia. An dem zehn Stunden langen Kampf seien neben Hamas auch der Islamische Dschihad beteiligt gewesen, hieß es. Viele Ortschaften im Norden des Gazastreifens sind in dem Krieg, der vor mehr als einem Monat begonnen hat, weitgehend zerstört worden. Von der Hamas veröffentlichte Videos zeigen Kämpfe zwischen den Ruinen. Immer wieder sind darin Hamas-Kämpfer zu sehen, die Panzerabwehrraketen auf israelische Panzer abfeuern.

Israel geht davon aus, dass sich die militärische und politische Führung der Hamas in dem unterirdischen Tunnelsystem im Gazastreifen versteckt hält. Auch zumindest ein Teil der 239 Geiseln, die die Hamas und andere extremistische Gruppen bei dem Massaker in Israel verschleppt haben, wird dort vermutet.

Hilfsorganisationen bei internationaler Konferenz in Paris

Humanitäre Organisationen pochten bei einer internationalen Hilfskonferenz in Paris auf die Öffnung weiterer Grenzübergänge für Lieferungen in den Gazastreifen. Die humanitäre Lage verschlechtere sich zusehends und eine Feuerpause sei notwendig, damit Hilfe die Menschen erreichen könne, sagten Vertreter internationaler Organisationen. An der eintägigen Konferenz nahmen Staaten, internationale Organisationen und im Gazastreifen tätige NGOs teil.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der das Treffen anberaumt hatte, sagte: «Wir brauchen eine sehr schnelle humanitäre Pause und müssen auf einen Waffenstillstand hinarbeiten. Es muss der Raum geschaffen werden, den die humanitären Akteure benötigen, um in Gaza tätig zu werden.»

Die Zahl der im Gazastreifen getöteten Palästinenser ist seit Kriegsbeginn vor einem Monat nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 10.818 gestiegen. Mehr als 27.000 Menschen seien verletzt worden, teilte die Behörde am mit. Unter den Toten seien 4412 Kinder und Jugendliche. Am Mittwoch hatte die Behörde noch von mehr als 10.500 getöteten Palästinensern berichtet. Die Zahlen und Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Außenministerin Annalena Baerbock bricht an diesem Freitagmorgen zu einer weiteren Reise in den Nahen Osten auf. Nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amts in Berlin will sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Saudi-Arabien und Israel Krisengespräche im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg führen.

© dpa
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