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Wenn nur noch Wunder helfen - «Gloria Mundi» auf Arte

Eine Familie in Marseille kämpft gegen den sozialen Abstieg. «Gloria Mundi» ist ein feinfühliger französischer Spielfilm ohne Voyeurismus - mit einer starken, preisgekrönten Protagonistin.
Gloria Mundi
Daniel (Gérard Meylan) ist aus dem Gefängnis zurück und passt auf seine Enkelin Gloria auf. © Ex Nihilo/Agat Films & Cie/France 3 Cinéma/Bibi Film Italie 2019/ARTE F/dpa

Ein Kind wird geboren - und die Welt hält für einen Moment den Atem an. Aber der Zauber dieses Wunders verfliegt sehr schnell in dem französischen Sozialdrama «Gloria Mundi», das am Mittwoch (29.05.) um 20.15 Uhr bei Arte läuft. Die jungen Eltern der Neugeborenen können das Geschenk namens Gloria einfach nicht genießen, weil sie bis zum Hals im täglichen Überlebenskampf feststecken.

Der 1953 in Marseille geborene französische Regisseur Robert Guédiguian erzählt in seinen Filmen seit vielen Jahren immer wieder von den Außenseitern der Gesellschaft. Sein eindringliches Drama «Gloria Mundi», das 2019 bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere feierte, überzeugt als stark gespielte Sozialstudie mit stillen Momenten über die Arbeiterklasse in Marseille.

Die Lage der Familie im Film ist prekär: Mutter Mathilda (Anaïs Demoustier) jobbt als Verkäuferin in einem billigen Modeladen, Vater Nicolas (Robinson Stévenin) kutschiert als Taxifahrer Touristen durch Marseille, die beiden kommen gerade so über die Runden. Für eine Tagesmutter reicht das Geld aber bald schon nicht mehr. Als Nicolas dann überfallen und schwer verletzt wird, verliert er auch noch seinen Job.

Zum Glück kümmern sich Mathildas Mutter Sylvie (Ariane Ascaride) und ihr rühriger Stiefvater Richard (Jean-Pierre Darroussin) um ihre Enkeltochter, und da wäre dann noch Mathildas leiblicher Vater Daniel (Gérard Meylan), der gerade eine lange Haftstrafe abgesessen hat und sich erstmal neu einrichten muss: Da kann ein Baby durchaus ein guter Anfang sein.

Guédiguians Ehefrau Ariane Ascaride, die in Venedig für ihre Leistung mit der Coppa Volpi als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, verkörpert die noch relativ junge Großmutter Sylvie. Sie schuftet in Nachtschichten als Putzfrau im Hafen und darf sich nach dem Wiedersehen mit ihrem ersten Mann Daniel an bessere Zeiten erinnern. Mit ihrem prekären Job kann Sylvie es sich nicht leisten, einen Streikaufruf der Gewerkschaften zu unterstützen. Der Film zeigt auf eindrückliche Weise, wie schutzlos viele Arbeitnehmer heute geworden sind - häufig geht es nur noch ums Überleben.

Die größte innere Freiheit besitzt paradoxerweise der langjährige Strafgefangene Daniel, der seine neue Unabhängigkeit genießen kann. Er schreibt kurze japanische Gedichte, sogenannte Haikus, und fängt damit die flüchtige Magie eines Augenblicks ein. Mit einem Wunder beginnt dieser Film, und nach einer katastrophalen Verkettung von Umständen steht auch am Ende wieder eine fast schon himmlische Wendung. So hart der Alltag dieser Menschen auch sein mag, die Hoffnung auf ein besseres Leben haben sie nicht aufgegeben.

© dpa ⁄ Johannes von der Gathen, dpa
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