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UEFA-Chef Ceferin tritt 2027 nicht mehr an: «Ich bin müde»

Aleksander Ceferin könnte im Jahr 2027 noch einmal zur Wahl des UEFA-Präsidenten antreten. Das will er aber nicht. Seine überraschende Ankündigung nutzt er für eine harte Schelte.
Aleksander Ceferin
Möchte 2027 als UEFA-Boss aufhören: Aleksander Ceferin. © Christophe Ena/AP

Aleksander Ceferin las bei seinem folgenschweren Coup stur von einem Blatt Papier ab. «Ich bin müde von Covid, müde von zwei Kriegen, von Nonsens-Projekten wie der sogenannten Super League», sagte der UEFA-Präsident in Paris und erklärte völlig überraschend, 2027 nicht erneut zur Wahl anzutreten.

Für eine erneute Kandidatur hatte der Kongress der Europäischen Fußball-Union erst eine Stunde zuvor mit einer Statutenänderung den Weg frei gemacht - Ceferin nutzte den Moment aber für eine lange geplante Schelte seiner Kritiker und der Medien.

«Es war äußerst amüsant, diese Hysterie zu sehen», sagte Ceferin, der dünnhäutig drei Nachfragen zuließ, aber auch auf diese eigentlich keine Lust mehr hatte. Seine Entscheidung sei bereits vor sechs Monaten gefallen, sagte der 56-Jährige. Nach einer gewissen Zeit brauche jede Organisation «frisches Blut». Seine Familie habe es zuerst gewusst, er könne beruhigt in den Spiegel schauen. Den Presseraum im Maison de la Mutualité verließ er mit starrem Blick.

Ceferin kritisiert einstigen Intimus

In den vergangenen Wochen war wegen der geplanten Änderung der Statuten für die Aufweichung seiner Amtszeitbeschränkung teils wild über eine Rebellion in der UEFA spekuliert worden. Der frühere Profi Zvonimir Boban, seit Jahren enger Berater des im September 2016 erstmals gewählten Ceferin, trat aus Protest öffentlichkeitswirksam mit Kritik am UEFA-Präsidenten von seinem hochrangigen Posten in der UEFA zurück. 

Namentlich nannte Ceferin seinen einstigen Intimus nicht, ließ aber kaum Zweifel, wen er mit seiner Kritik meinte. «Ich bin auch müde von selbst ernannten moralischen Autoritäten, die behaupten, dass sie moralisch sind, bis es um ihre persönlichen Interessen geht», sagte Ceferin und nannte dessen öffentliche Kritik einen «erbärmlichen Schrei». «Er war einer der wenigen, die wussten, dass ich nicht mehr antreten würde.» 

Er habe «viele großartige Menschen» im Fußball getroffen, fügte Ceferin an. «Die Mehrheit sind keine Clowns.» Er habe ein «wunderschönes Leben» im Fußball, aber eben auch ein ebenso wunderschönes außerhalb des Sports.

War der DFB-Chef eingeweiht?

Inwieweit DFB-Präsident Bernd Neuendorf schon in die Pläne eingeweiht war, blieb offen. Der 62-Jährige betonte unmittelbar nach dem Kongress die große Wertschätzung für Ceferin. «Seit meinem Amtsantritt haben wir sehr engen Austausch», insbesondere auch wegen der EM im Sommer in Deutschland, sagte Neuendorf - kurz bevor Ceferin seinen Schritt bei der Pressekonferenz verkündete.

Beim Kongress stimmten nur drei von 55 Nationalverbänden gegen eine Abstimmung über verschiedene Statutenänderungen en bloc. Dadurch gab es keine tiefer gehende Debatte über die einzelnen Statuten. Die Änderungen selbst wurden mit großer Mehrheit angenommen. Durch die neue Formulierung zählt Ceferins erste Amtszeit, in der er die Restlaufzeit seines gesperrten Vorgängers Michel Platini zu Ende brachte, nicht zu den maximal möglichen zwölf Jahren im Amt mit.

Die UEFA beruft sich vor allem auf ein Rechtsgutachten, demzufolge die bisherige Formulierung der Statuten nicht mit Schweizer Recht vereinbar gewesen sei. Auch Neuendorf betonte, dass die Änderungen rechtlich nicht anzufechten seien. Der Dachverband hat seinen Sitz in Nyon.

Ceferin, der im vergangenen Jahr per Akklamation im Amt bestätigt worden war, wetterte: «Ich bin Anwalt und habe Artikel über mich gelesen, ohne dass ich gefragt worden bin.» Sein langes Schweigen begründete der UEFA-Präsident damit, dass er «das wahre Gesicht von einigen Menschen» habe sehen wollen. «Und ich habe es gesehen.»

© dpa ⁄ Jan Mies und Florian Lütticke, dpa
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