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Letzter Weltmeister geht: Doll startet ohne Wehmut

Nach zwölf Jahren im Weltcup-Team ist Schluss: Biathlet Benedikt Doll geht in die Sportler-Rente. Jetzt haben andere Dinge oberste Priorität.
Benedikt Doll
Kurz vor der Sportler-Rente: Benedikt Doll bestreitet seinen letzten Weltcup. © Michael Kappeler/dpa

Kaffee und Kuchen am Nachmittag - in Canmore wird Benedikt Doll ein letztes Mal sein ganz eigenes Ritual zelebrieren. Nach seinem Debüt im Weltcup vor zwölf Jahren hatte das der 33-Jährige im deutschen Biathlon-Team eingeführt. Wer es nach seinem Rücktritt übernimmt, ist offen.

«Die Frage ist, ob jemand die Organisation in die Hand nimmt. Philipp Horn, Justus Strelow und Roman Rees waren eigentlich immer dabei», sagte Doll, der am Freitag in Kanada ins letzte Sprintrennen (17.40 Uhr/ZDF und Eurosport) seines Sportlerlebens geht. Wehmut verspürt Doll so gar nicht: «Ich bin im Reinen mit meiner Entscheidung, ich trauere dem Sport nicht hinterher. Ich freue mich, dann heimzukommen und was Neues anzugehen.» 

Goldene Generation

Mit Doll geht der letzte Weltmeister im deutschen Team - die goldene Generation um ihm, Simon Schempp, Erik Lesser und Arnd Peiffer, die im vergangenen Jahrzehnt für eine Vielzahl an Podestplätzen gesorgt hatte, ist Geschichte. Sie alle waren Weltmeister in einer Einzel-Disziplin und standen bei Olympischen Spielen auf dem Podest. 

Dolls Karriereende hinterlässt eine nur schwer zu schließende Lücke, zumal er als heimlicher Kapitän des Teams auch viel Verantwortung trug und für den Zusammenhalt eine wichtige Rolle spielte. Doll organisierte viel, kümmerte sich und konnte so auch viel mitentscheiden, wie er sagte. «Solche Athleten hat man nicht am Fließband», sagte Felix Bitterling, Sportdirektor Biathlon im Deutschen Skiverband. Doll war mit seinen «herausragenden sportlichen Fähigkeiten» in den vergangenen zwölf Jahren eine «verlässliche und große Stütze», sagte Bitterling, dazu «ein Ausnahmemensch».

Der Schwarzwälder stand bisher 55 Mal im Weltcup sowie bei Großereignissen in Einzelrennen und in Staffeln auf dem Podest. Das schaffte auch Schempp, bei Lesser waren es 45 Podien, bei Peiffer gar 86 Top-Drei-Platzierungen.

Aktuelles Team nicht in solchen Sphären

«Ich glaube schon, dass die Mannschaft das jetzt erst mal merken wird, dass Benni nicht mehr da ist», sagte Schempp (35) in der ARD-Dokumentation «Benedikt Doll - der letzte Weltmeister». Schempp holte wie Doll 2017 WM-Gold, er im Massenstart, Doll im Sprint. Laut Lesser hatte das Team im laufstarken Doll jemanden, «der aufs Podest laufen kann, immer und sofort». 

Im aktuellen Team kommen Johannes Kühn (18), Rees (16), Philipp Nawrath (10), Horn (7) und Strelow (5) nicht mal annähernd in solche Sphären. Für Lesser ist Dolls Demission von der Erwartungshaltung im Team «vielleicht ein Dämpfer, weil man den erst mal finden muss, der permanent ums Podest kämpfen kann». Peiffer (36) sieht es von zwei Seiten: «Es ist ein Einschnitt und großer Verlust und trotzdem glaube ich, dass die anderen Jungs auch was draufhaben. Und oft ist es ja auch so, dadurch wird auch wieder ein Platz frei».  

Sportlich konnte Doll vieles auf seiner Wunschliste abhaken. Weltmeister, zweimal Olympia-Bronze 2018 in Pyeongchang, Weltcupsieger. «Der WM-Titel ragt schon heraus, das war das perfekte Rennen», sagte Doll. Er gab am 16. März 2012 sein Weltcup-Debüt, nach Platz 32 zum Auftakt im Sprint folgten neben vielen Erfolge auch einige Rückschläge mit vergebenen Chancen. «Es bleiben viele Emotionen und sehr schöne Momente», sagte Doll.

Neues Studium: Nachhaltige Energiesysteme

Und was kommt jetzt? An allererster Stelle mit Sicherheit seine Frau Miriam und der gemeinsame anderthalbjährige Sohn. Doch Doll ist umtriebig, muss immer wieder was Neues machen. Ab Herbst wird er in Offenburg sein zweites Studium beginnen, diesmal in Richtung nachhaltige Energiesysteme. Dass er wie viele Sportler vor ihm nach dem Karriereende in ein mentales Loch, sei «maximal unwahrscheinlich. Ich könnte schon wieder so viele Sachen machen, wo ich jetzt schon sagen muss, mach mal wieder langsam». 

© dpa ⁄ Sandra Degenhardt und Thomas Wolfer, dpa
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