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Darjas Dilemma: Änderungen sorgen vor Paris für Unsicherheit

Sportgymnastin Darja Varfolomeev gilt als Gold-Hoffnung bei den Olympischen Spielen. Die Fünffach-Weltmeisterin hat aber ein Problem: Wenige Wochen vor Paris sorgen Veränderungen für Instabilität.
Darja Varfolomeev
Darja Varfolomeev zeigt ihre Kür mit dem Band. © Jürgen Kessler/dpa

Das Band in den französischen Nationalfarben blau, weiß und rot ist bereits auf Paris getrimmt. Darja Varfolomeev hingegen ist auf dem Weg zu den Olympischen Spielen etwas aus dem Rhythmus gekommen.

Wenige Wochen vor dem Saisonhöhepunkt hat die Fünffach-Weltmeisterin zahlreiche Änderungen an ihren Übungen vorgenommen und steckt aktuell in einem Dilemma: Ihre Vorträge sitzen nicht wie gewünscht. Bei den deutschen Meisterschaften in Frankfurt/Main verlor die 17-Jährige aus Schmiden ihren Titel ausgerechnet in dem Wettbewerb an die Potsdamerin Margarita Kolosov, der als einzige Entscheidung olympisch ist: dem Mehrkampf mit den vier Geräten Band, Reifen, Keulen und Ball.

«Durch die Veränderungen und auch davor war ich schon ein bisschen unsicher, weil wir ziemlich viele Veränderungen vorgenommen haben. Veränderung ist immer wieder richtig Arbeit, dass die Hände das fühlen, dass mein Körper sich daran gewöhnen kann», sagte die Dascha genannte große Gold-Hoffnung des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Teamchefin beschwichtigt

Auslöser für die ungeplanten Anpassungen in ihren Programmen waren Hinweise der Kampfrichter nach den Europameisterschaften in Budapest am letzten Mai-Wochenende. «Es ist ein immerwährender Prozess, dass wir jedes Mal versuchen zu gucken, also nach jedem Wettkampf, was wird gezählt, was funktioniert, was funktioniert nicht, was müssen wir noch deutlicher machen. Deswegen werden immer kleinere Anpassungen gemacht», sagte Teamchefin Isabell Sawade beschwichtigend. «Wir sind immer noch im grünen Bereich.»

In Budapest hatte Varfolomeev Bronze im Mehrkampf und Gold mit dem Band gewonnen. Doch gerade mit dem nur 35 Gramm schweren und sechs Meter langen Gerät hat die Sportlerin von Trainerin Yuliya Raskina noch ihre liebe Mühe. Im Mehrkampf geriet ein Wurf zu weit, Varfolomeev fing den Stab gerade noch innerhalb der Begrenzungslinie der Turnfläche. «Das liegt auch an einer Veränderung, die wir vor dem Wurf gemacht haben», erklärte die gebürtige Russin.

Komplexe Übungen mit Fehlern

«Wir haben nach der EM ein kleines bisschen die Bandübung umgestellt, um einfach im Hinblick auf Paris die Übung noch stabiler zu machen», berichtete Sawade. Die Stabilität sei «noch nicht in der Größenordnung, wie wir das gern hätten». Doch auch mit den anderen Geräten passierten Varfolomeev Fehler. Bei den Einzel-Finals rollte ihr bei der Schlusspose der Ball weg und die Keulen fielen ihr während des Vortrags zu Boden. «Sicher, es passieren Fehler, aber das ist auch wirklich ihrem Programm geschuldet. Sie ist auch kein Roboter», sagte die Teamchefin, «bei Darja ist einfach der Schwierigkeitsgrad so hoch, bei den Keulen sieht man das am meisten, das ist so komplex, dass dann wirklich alles passen muss.»

Am 8. August steht in Paris die Qualifikation für den olympischen Mehrkampf auf dem Programm. Bis dahin müssen die schwierigen Übungen wieder so sitzen wie im vorigen Jahr, als Varfolomeev erst bei den deutschen Meisterschaften alle fünf Titel gewann und anschließend dieses seltene Kunststück bei den Weltmeisterschaften im spanischen Valencia wiederholte. «Wir haben noch acht Wochen, wir sind weiterhin optimistisch und arbeiten an der Stabilität», sagte Sawade.

Noch drei Wettkämpfe bis zu den Olympischen Spielen

Bis zu den Olympischen Spielen stehen noch drei Wettkämpfe auf dem Programm, bei denen Darja Varfolomeev die umgestalteten Übungen präsentiert. Nach dem Weltcup in Mailand (21. bis 23. Juni) folgen die zweite nationale Olympia-Qualifikation am 29. Juni in Schmiden sowie als Generalprobe der World Challenge Cup im rumänischen Cluj-Napoca (12. bis 14. Juli). «Manche Übungen sind ein bisschen schwerer, manche ein bisschen leichter, denn wir müssen sehen, dass ich die ganzen Schwierigkeiten bis Olympia schaffe», sagte die Schülerin, «mal sehen, wenn ich dann sauber turne, was das wird.»

© dpa ⁄ Martin Kloth, dpa
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