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Hohe Baukosten: Wohnungsunternehmen sagen Neubauvorhaben ab

Gemeinwohl und hohe Mieten vertragen sich nicht. Das stellt Wohnungsgenossenschaften und kommunale Vermieter bei Investitionen angesichts hoher Baupreise vor Probleme.
Modellprojekt für klimaneutrales Wohnen
Ein für zukünftiges klimaneutrales Wohnen sanierter sechsstöckiger Wohnblock mit 144 Wohnungen in Stadtroda bei Jena. © Bodo Schackow/dpa

Angesichts gestiegener Baukosten und Energiepreise treten kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen bei Investitionen auf die Bremse. Mehrere Unternehmen hätten signalisiert, auf etwa die Hälfte ihrer für 2024 geplanten Neubauten zu verzichten, sagte Frank Emrich, Direktor des Verbands der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VTW), am Montag in Erfurt. Dies betreffe schätzungsweise 300 bis 400 Wohnungen. Hintergrund seien höhere Kosten für Energie und Baumaterialien sowie höhere Baukreditzinsen.

Bereits im vergangenen Jahr hätten Unternehmen auf geplante Neubauprojekte verzichtet, so Emrich. Gebaut werde nur noch da, wo die Unternehmen öffentliche Förderung für ihre Investitionen erhielten. Wo es keine Fördergelder gebe, müssten Investitionen allein über die Mieten refinanziert werden. Kostendeckende Nettokaltmieten von 16 bis 18 Euro je Quadratmeter seien bei den sozialer Ausgewogenheit verpflichteten kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen nicht umsetzbar.

Ende Dezember 2022 hatte sich in neu gebauten Verbandswohnungen die durchschnittliche Nettokaltmiete - also die Grundmiete ohne Betriebskosten - je Quadratmeter zwischen 8,66 Euro im ländlichen Raum und 9,23 Euro in den Städten Erfurt, Weimar und Jena bewegt. In Bestandswohnungen in kleinen und mittleren Orten wurden 5,10 Euro je Quadratmeter fällig, in den drei Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt waren es im Schnitt 5,87 Euro.

Das Infrastrukturministerium verwies darauf, dass im sozialen Wohnungsbau für dieses Jahr von Wohnungsunternehmen bislang 20 Projekte für eine Förderung angemeldet worden seien. Die Förderrichtlinie des Ministeriums für bezahlbaren Wohnraum sei im vergangenen Jahr überarbeitet worden und reagiere auf die Baupreis- und Zinssteigerungen.

Der VTW erneuerte seine Forderung nach neuen Förderprogrammen und jährlichen Fördermitteln von rund 150 Millionen Euro für die Investitionen der Verbandsunternehmen. Einer Ministeriumssprecherin zufolge sieht der diesjährige Landeshaushalt rund 115,6 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau vor. Hinzu kämen Bundesmittel.

Nebenkosten immer größerer Faktor

In der Perspektive würden die Wohnkosten immer stärker von den Nebenkosten dominiert, prognostizierte Emrich, der keine Trendwende bei den Heizkosten nach dem Anstieg als Folge des Ukrainekriegs sieht. «Die Preisbremse hat gebremst, jetzt bremst sie nicht mehr», sagte er. Mit Kostensteigerungen bei den Heizkosten sei daher auch 2024 zu rechnen. Zudem hätten auch Abfallentsorger Preissteigerungen um 30 bis 40 Prozent angekündigt.

Angesichts einer alternden Bevölkerung plädierte Emrich dafür, das 2020 ausgelaufene Landesprogramm für die barrierearme Modernisierung von Wohnungen wieder aufzulegen. In dem Programm ging es etwa um die Modernisierung von Fahrstühlen in Mehrgeschossern oder den Einbau ebenerdiger Duschen oder breiterer Türen.

Im VTW haben sich knapp 200 Wohnungsunternehmen, überwiegend kommunale Unternehmen und Genossenschaften mit 264.000 Wohnungen zusammengeschlossen. Nahezu jeder zweite Mieter in Thüringen wohnte laut Verband in einer Wohnung der Mitgliedsunternehmen.

© dpa
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