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Studie: Betroffene sexualisierter Gewalt auch bei EKM

Eine umfassende Studie beleuchtet erstmals sexualisierte Gewalt in evangelischen Kirchen. Auch in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland werden viele Fälle erfasst - doch die Dunkelziffer ist wohl sehr hoch.
Vorstellung Studie zu Missbrauch
Kirsten Fehrs, amtierende Vorsitzende des Rates der EKD, steht bei einer Pressekonferenz mit einer Studie zum Missbrauch in der evangelischen Kirche. © Julian Stratenschulte/dpa

Es sind Zahlen, hinter denen viele Leidensgeschichten stehen: Mindestens 125 Betroffene von sexualisierter Gewalt und Missbrauch hat eine Studie in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) in den vergangenen Jahrzehnten dokumentiert. Auch seien 49 Beschuldigte in der am Donnerstag in Hannover vorgestellten Studie zu sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie erfasst worden.

Dafür seien mehr als 9000 Personalakten von Pfarrpersonen aus den Jahren 1946 bis 2020 ausgewertet worden, teilte die EKM mit. «Dies ist aber nur das Hellfeld sexualisierter Gewalt», sagte der Landesbischof der EKM, Friedrich Kramer. «Wir müssen mit einem sehr viel größeren Dunkelfeld rechnen.» Die EKM werde die Studie genauestens auswerten.

Die EKM sieht die Studie als wichtigen Beitrag, um strukturelle Probleme zu erkennen und die Präventionsarbeit und Schutzkonzepte darauf auszurichten, wie es hieß. Der innerkirchliche Aufarbeitungsprozess soll damit geschärft und effektiver gestaltet werden, so der Landesbischof. «Wir wollen hinsehen, wahrnehmen und dann einstehen dafür, was geschehen ist. Wir wollen Verantwortung übernehmen. Dafür müssen wir uns konfrontieren lassen von dem, was Betroffene durchlitten haben und welch furchtbare Folgen das für ihr gesamtes Leben hat», so Kramer.

Der EKM, die Gemeinden vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber auch einige in Sachsen und Brandenburg umfasst, gehörten im vergangenen Jahr 615 855 Menschen an.

In ihrer Mitteilung zur Studie stellte die EKM auch dar, welche Aktivitäten sie bereits zur Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt unternommen habe. So sei 2013 ein «Unabhängiges Entscheidungsgremium für ergänzende Hilfeleistungen für Opfer sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirche» einberufen worden. Die Betroffenen können einen Antrag auf individuelle freiwillige Leistungen stellen. Diese orientieren sich laut EKD an Schmerzensgeldzahlungen und liegen in der Regel zwischen 5000 und 50.000 Euro. Bis Ende 2022 hatten die Landeskirchen der EKD 858 Anträge auf derartige Anerkennungsleistungen gemeldet.

Auch bestehe seit 2013 ein Präventionskonzept, so die EKM. Zudem verabschiedete die Landessynode 2021 ein Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Eine Ansprechstelle bestehe seit zwei Jahren. Seit Anfang 2024 haben zwei Mitarbeiterinnen die Aufgabe übernommen, Schutzkonzepte in den Kirchenkreisen und den Werken und Einrichtungen einzuführen.

Die am Donnerstag vorgestellte Studie betrachtete nicht nur die EKM, sondern alle Landeskirchen der EKD. Insgesamt sind demnach mindestens 2225 Betroffene und 1259 mutmaßliche Täter dokumentiert worden. Das sei jedoch nur die «Spitze der Spitze des Eisbergs», sagte Studienleiter Martin Wazlawik von der Hochschule Hannover. Betroffene mahnten an, die Aufarbeitung von Fällen und Strukturen voranzutreiben und externe Fachleute und Beschwerdestellen einzubeziehen.

Die ermittelten Fallzahlen basieren auf Akten der Landeskirchen und der Diakonie, außerdem flossen den Landeskirchen und diakonischen Werken bekannte Fälle ein. Die Wissenschaftler konnten aber nicht alle Personalakten aller Pfarrer und Diakone auswerten, sondern in erster Linie Disziplinarakten. Die präsentierten Zahlen würden das Ausmaß aber «deutlich unterschätzen», sagte Wazlawik.

Die EKD hatte die Studie 2020 initiiert. Ziel war, evangelische Strukturen zu analysieren, die Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen. Finanziert wurde die Untersuchung mit 3,6 Millionen Euro. Als Dachorganisation von 20 Landeskirchen vertritt die EKD bundesweit 19,2 Millionen evangelische Christinnen und Christen.

© dpa
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