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Sachsens Landesbischof: Studie zeigt Versagen der Kirche

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der evangelischen Kirche laufe schleppend, sagen Kritiker. Nun liegt die erste große Studie dazu vor - auch in der sächsischen Landeskirche.
Tobias Bilz
Tobias Bilz, Landesbischof von Sachsen, bei einem Treffen in der Sächsischen Staatskanzlei. © Sebastian Kahnert/dpa

Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz hat das Ausmaß sexualisierter Gewalt «auch in unserer Kirche» als «erschütternd» bezeichnet. Die erste umfassende Studie zu sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und in der Diakonie zeige «aber auch das Versagen unserer Kirche im Umgang mit den Betroffenen und das Leid, welches damit für die Betroffenen bis heute verbunden ist», sagte er nach der Präsentation der Ergebnisse in Hannover laut Mitteilung in Dresden.

Die Kirche sei doppelt schuldig geworden an den Betroffenen. «Wir konnten sie vor der Gewalt nicht schützen und sind ihnen oftmals nicht gerecht geworden, als sie den Mut fanden, darüber zu sprechen.» Der Chef der Diakonie Sachsen, Dietrich Bauer, entschuldigte sich für sexuellen Missbrauch in Kirche und Diakonie. Es sei «zutiefst beschämend», dass Kinder und Jugendliche in Kirche und Diakonie sexualisierte Gewalt erfahren mussten. «Wir bitten betroffene Personen für das erlittene Unrecht um Verzeihung», sagte er und bat Betroffene, die sich bisher nicht gemeldet hätten, dies zu tun.

Sachsens Landeskirche meldete für die vor Jahren begonnene Analyse 41 nachweisbare Fälle minderjähriger Betroffener mit 28 Beschuldigten an den Forschungsverbund. Darunter sind nach Angaben des Landeskirchenamtes 13 Pfarrer, 3 Gemeindepädagogen, Diakone und Kirchenmusiker, 8 sonstige Mitarbeiter und 1 Ehrenamtlicher. Danach konnten 3 Beschuldigte nicht identifiziert werden.

«Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen und konsequent handeln», sagte Bischof Bilz. Es gelte, die in der Studie identifizierten strukturellen Probleme ernst zu nehmen und bei Aufarbeitung, Prävention und im Umgang mit Betroffenen zu berücksichtigen. Ebenso wichtig wie der Blick zurück sei, dafür zu sorgen, «dass Menschen überall in der Kirche vor Gewalt geschützt sind und es in jeder Kirchgemeinde Klarheit im Umgang mit Verdachtsfällen gibt».

Die EKD hatte die Forum-Studie 2020 initiiert mit dem Ziel, typisch evangelische Strukturen zu analysieren, die Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen. Sie wurde über Mittel der EKD und Landeskirchen in Höhe von 3,6 Millionen Euro finanziert.

Bis November 2023 erhielten 54 Betroffene sexualisierter Gewalt und von Missbrauch finanzielle Unterstützungs- und Anerkennungsleistungen von der Landeskirche, wie eine Sprecherin sagte. An 49 davon wurden über eine Unabhängige Anerkennungskommission zusammen rund 565.000 Euro gezahlt - in damit verbundenen Fällen geht es um 25 Beschuldigte.

So soll ein bereits verstorbener Diakon in Chemnitz seine Rolle als Jugendwart ausgenutzt haben, um Schutzbefohlene und ihm anvertraute Menschen zu missbrauchen - dies reicht bis in die 1960er und 1970er Jahre zurück. Hierzu haben sich bisher 36 Betroffene gemeldet. Bilz kündigte nun eine institutionelle Aufarbeitung des Falls an. In Pobershau im Erzgebirge hatte sich ein ehrenamtlicher Kirchenmusiker in den 1990er Jahren drei Mädchen sexuell genähert.

Mindestens 2225 Betroffene und 1259 mutmaßliche Täter hat die Studie zu sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Diakonie für die vergangenen Jahrzehnte dokumentiert. Das sei jedoch nur die «Spitze der Spitze des Eisbergs», sagte Studienleiter Martin Wazlawik von der Hochschule Hannover am Donnerstag bei der Vorstellung der Untersuchung. «Das bitte ich bei der Einordnung der Zahlen und Befunde zu beachten.» Betroffene mahnten an, die Aufarbeitung von Fällen und Strukturen stärker voranzutreiben - auch mithilfe des Staates.

© dpa
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