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Kriminalität wieder auf Vor-Corona-Niveau

Die Polizei hat 2023 mehr Straftaten und mehr Tatverdächtige registriert, auch ausländische. Innenminister Ebling ordnet das ein.
Gesprengter Geldautomat
Ein gesprengter Geldautomat ist hinter einem Flatterband mit der Aufschrift «Polizeiabsperrung» zu sehen. © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Die Zahl der registrierten Straftaten in Rheinland-Pfalz ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um fast sechs Prozent auf knapp 256.000 gestiegen. «Die Kriminalität bewegt sich wieder auf dem vorpandemischen Niveau», sagte Innenminister Michael Ebling am Montag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik. Die Aufklärungsquote lag mit 64,5 Prozent auf dem gleichen Niveau wie 2022. Rheinland-Pfalz sei nach wie vor ein sehr sicheres Bundesland. Ein Überblick:

Tatverdächtige 

Die Zahl aller Tatverdächtigen - zu rund drei Vierteln Männer - nahm innerhalb eines Jahres um 7,5 Prozent auf rund 116.600 zu. Ohne ausländerrechtliche Verstöße - in der Regel illegale Einreisen nach Deutschland - waren es knapp 104.600 Verdächtige. Die Zahl der Verdächtigen ohne deutschen Pass ist insgesamt um 18,9 Prozent auf etwa 43 600 gestiegen. Diese Zunahme sei vor allem auf mehr Zuwanderung und somit ausländerrechtliche Verstöße zurückzuführen.  Andere Hauptdelikte waren der Statistik zufolge Ladendiebstähle (plus 976 Tatverdächtige), Schwarzfahren (plus 754 Tatverdächtige), Körperverletzungen (plus 567) und Rauschgiftdelikte (402).  Bei den deutschen Tatverdächtigen gab es ein Plus um gut 1200 auf knapp 73.000. 

«In der politischen Debatte wird der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen häufig in unzulässiger Weise vereinfacht dargestellt und instrumentalisiert», mahnte Ebling - und ging in die Analyse der Zahlen. So seien unter den Zugewanderten besonders viele jüngere Männer. «Aus kriminologischer Sicht begehen auch deutsche männliche Jugendliche und junge Erwachsene im Verhältnis zu anderen Alters- und Geschlechtsgruppen mehr Straftaten.» Die Gründe für Straftaten ausländischer Täter seien vielfältig und man müsse sich ihnen gesamtgesellschaftlich stellen, Zugänge zum Arbeitsmarkt schaffen, Sprachbarrieren abbauen und Integration ermöglichen. Dessen ungeachtet müssten die Straftaten auch konsequent verfolgt werden. 

Kriminologen verweisen auf vielfältige Ursachen, die sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht von einem Jahr auf das andere abbildeten. Die Fachleute weisen auch darauf hin, dass angesichts von Inflation und gestiegenen Preisen - auch für Busse und Bahnen - in sozial meist schlechter gestellten Gruppen die Hürden für Ladendiebstähle oder Schwarzfahren niedriger seien. Bei Körperverletzung gehe es in den allermeisten Fällen nicht um einen unvermittelten Angriff von Fremden im öffentlichen Raum, sondern sie spielten sich vielmehr in der Regel im häuslichen Bereich ab. Manchmal würden auch Konflikte aus den Herkunftsländern ausgetragen.

Gesprengte Geldautomaten

Trotz «der gebrochenen Dynamik» bei der Sprengung von Geldautomaten bereiteten ihm diese die größten Sorgen, sagte Ebling. 50 dieser Taten waren es demnach 2023 nach 56 im Jahr 2022 und 4 in den ersten beiden Monaten dieses Jahres. Die Täter gingen mit äußerster Brutalität und Leichtsinn vor, so sei in einem Fall fast ein ganzes Haus mit explodiert. Die Sparkassen, die die allermeisten Geldautomaten offerierten, hätten die Geräte inzwischen aber so präpariert, dass die Täter häufig leer ausgingen. In 86 Prozent der Fälle hätten die Täter Festsprengstoff eingesetzt, der höhere Sachschäden verursache als Gas, sagte der Chef des Landeskriminalamts, Mario Germano. Dabei sei im vergangenen Jahr ein Schaden von rund 8,2 Millionen Euro verursacht worden. 19 Tatverdächtige seien ausgemacht worden, zwei weniger als im Jahr zuvor.  Da die Täter häufig aus dem europäischen Ausland kämen, müsse die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung dieser Straftaten weiter intensiviert werden.

Körperverletzung und andere Rohheitsdelikte 

Diese Fälle stiegen insgesamt um 3,7 Prozent auf rund 46.100. Bei den Körperverletzungen gab es ein Plus von 2,8 Prozent auf rund 29.400 Fälle. Dies seien aber noch immer weniger als vor der Pandemie. Fast ein Drittel der Körperverletzungs-Delikte stünden im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Bedrohungen hätten um 4,3 Prozent auf 10.100 Fälle zugenommen. Ein Grund dafür sei aber eine erweiterte Definition. Seit April 2021 gelten etwa auch Drohungen mit Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit oder Sachen als Bedrohung.  

Mord- und Totschlag

78 Straftaten gegen das Leben wurden 2023 registriert, 21 weniger als im Jahr zuvor. Darunter waren 15 vollendete oder versuchte Morde (Vorjahr 16). 

Diebstähle und Wohnungseinbrüche 

Diebstähle stiegen binnen Jahresfrist um 7,5 Prozent auf insgesamt rund 62.700 Fälle. Wohnungseinbrüche nahmen um 6,9 Prozent auf knapp 2700 zu.  Dies sei im langjährigen Vergleich immer noch eine sehr niedrige Zahl und hänge mit weniger Tatgelegenheiten aufgrund von Homeoffice zusammen. In fast der Hälfte der Fälle sei es auch beim Versuch geblieben. 

Kinderpornografie

Einen Zuwachs von 18,2 Prozent auf etwa 2400 Fälle verzeichnet die Statistik. Der Zuwachs resultiere vor allem aus Social Media und werde oft unbedacht von Schülerinnen und Schülern verbreitet. «Ich halte es für sehr sinnvoll, hier rechtlich nachzuschärfen und beispielsweise das unbedachte Vorgehen eines Teenagers oder konkret der Lehrerin aus dem Westerwald, die sich nun vor Gericht verantworten muss, von dem eines pädophilen Straftäters auch juristisch unterscheiden zu können.»

GdP will auch einen Sicherheitsbericht 

Der stellvertretende Landesvorsitzende der GdP, Sven Hummel, fordert einen «Periodischen Sicherheitsbericht» für Rheinland-Pfalz, «um eine verlässliche und evidenzbasierte Einschätzung der Kriminalitätslage und Kriminalitätsentwicklung darzustellen». Bei der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik würden Straftaten von Tätern im Ausland, bei unbekannten Tatorten oder bei Tatorten in der digitalen Welt, nicht ausreichend betrachtet. «Es kann daher sein, dass bei Aussagen zur Kriminalitätsentwicklung in Rheinland-Pfalz tausende Strafanzeigen unberücksichtigt bleiben.» Ohne diese Betrachtung blieben das kriminalistische Dunkelfeld, also die Straftaten, die den Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt werden, unberücksichtigt. 

© dpa
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