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Vier Menschen sterben bei Brand in Seniorenheim

In einem Seniorenheim am Niederrhein bricht mitten in der Nacht ein Feuer aus. Bei einem dramatischen Einsatz können viele Bewohner noch gerettet werden - doch für einige kommt die Hilfe zu spät.
Tote bei Brand in Seniorenheim
Kräfte von Feuerwehr und Polizei sind bei einem Brand in einem Seniorenheim im Einsatz. © Guido Schulmann/dpa

Feuer, Ruß und Retter, die in höchster Not Fenster einschlagen: Bei einem Brand im niederrheinischen Bedburg-Hau sind 4 Bewohner eines Seniorenheims gestorben. Mindestens 23 weitere Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Die Feuerwehr berichtete von «dramatischen Szenen der Rettung», die sich in dem Ort nah an der Grenze zu den Niederlanden abgespielt hätten. Etliche Bewohner des Heims konnten die Einsatzkräfte dabei noch in Sicherheit bringen.

Neben mindestens 21 verletzten Bewohnern trugen auch ein Feuerwehrmann und ein Polizist nach Angaben der Polizei so schwere Verletzungen davon, dass sie zunächst in ein Krankenhaus gebracht wurden. Wenig später konnten sie es wieder verlassen. Die Polizei schloss nicht aus, dass noch weitere Verletzte vermeldet werden müssten, wenn die Untersuchung der geretteten Bewohner abgeschlossen sei. Neben den Verletzten seien 46 weitere Menschen evakuiert worden. «Es war ein großer Schock für sie», sagte eine Polizei-Sprecherin.

Die Feuerwehr wurde nach Angaben eines Sprechers um 3.50 Uhr durch die automatische Brandmeldeanlage alarmiert. Ein Zimmer habe vollständig in Brand gestanden. Im Flur sei zudem so viel Rauch gewesen, dass man die Bewohner nicht auf diesem Weg habe retten können. Das machte die Sache komplizierter. «Fenster wurden eingeschlagen, die Leute wurden heraus gereicht», berichtete der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bedburg-Hau von den dramatischen Minuten. «Es ist auch nicht ein Standard-Pflegeheim. Hier sind auch Bewohnerinnen und Bewohner mit einer psychiatrischen Vorgeschichte, die gar nicht verstanden haben, was denn überhaupt passierte», sagte er.

Die Schilderungen deuteten zunächst darauf hin, dass das Feuer in einem relativ begrenzten Bereich ausgebrochen war, sich dann aber ausbreitete und viel Rauch entwickelte. Wer nach dem Brand von der Straße auf das Gebäude schaute, konnte die Brandspuren zunächst gar nicht sehen. Das änderte sich aber bei einem Blick in das Innere - dort sah man Ruß an Wänden und auf dem Boden. Daneben eilig zurückgelassene Rollstühle, Rollatoren und Pantoffeln. Am Vormittag lag noch Brandgeruch in der Luft. Das Feuer selbst hatten die Einsatzkräfte allerdings relativ schnell in den Griff bekommen.

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), der zum Brandort kam, berichtete von einem kleinen Brand, der weitreichende Folgen entwickelt habe. «Da ist so ein kleines Feuer in einem Raum. Und plötzlich sind Menschenleben vorbei», sagte er. Das mache traurig. «Das haut einen um.» NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schrieb auf der Onlineplattform X (vormals Twitter): «Diese Tragödie ist einfach schrecklich und fasst einen an.» Als die Leichensäcke weggebracht wurden, legten Mitarbeiterinnen vor dem Heim Blumen auf sie.

Nach Angaben der Feuerwehr war das Haus nicht mehr bewohnbar. Bewohner wurden mit Bussen in zwei Senioreneinrichtungen in Goch und in Kleve gebracht. Die Brandursache war zunächst unklar. Kriminalbeamte waren im Einsatz, um die Ermittlungen aufzunehmen. Eine Sprecherin des Altenheim-Betreibers Newcare wollte sich zu dem Feuer vorerst nicht äußern.

Brände in Pflegeheimen haben immer wieder schlimme Folgen. Als es im Januar 2023 zu einem Feuer in einem Pflegeheim für psychisch Erkrankte in Reutlingen (Baden-Württemberg) kam, starben drei Menschen. Eine psychisch kranke Frau hatte ihr Bettzeug angezündet. Ebenfalls zu einem Brand mit drei Toten war es im September 2022 in einem Altenheim in Wardenburg bei Oldenburg (Niedersachsen) gekommen.

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz nahm den tragischen Vorfall in Bedburg-Hau zum Anlass, um Verbesserungen beim Brandschutz anzumahnen. «Die Zahl der Brände in Pflegeheimen bleibt auf einem konstant hohen Niveau, allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres hat es 26 Mal gebrannt», erklärte der Stiftungsvorstand.

Er fordert eine gesetzliche Pflicht, nach der jedes Patienten- und Personalzimmer mit selbstständigen Löschanlagen ausgestattet werden müsste. Die meisten Bewohner könnten sich nun mal nicht selbst in Sicherheit bringen. «Sprinkleranlagen könnten hier Leben retten und Sachschäden deutlich minimieren», sagte Brysch. «Was in Möbelhäusern und Lagerhallen seit Langem Standard ist, muss auch in Pflegeheimen gelten.»

© dpa ⁄ Wolf von Dewitz, Christoph Reichwein und Jonas-Erik Schmidt, dpa
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