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Aufklärung und Gesetz: Organspende-Bereitschaft steigern

Organspenden werden dringend gesucht. Allein in NRW warten 1800 Menschen auf ein neues Organ. Doch die Spendenbereitschaft ist niedrig. NRW will gesellschaftlich und politisch gegensteuern.
Karl-Josef Laumann
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage der Organspende in Nordrhein-Westfalen. © Oliver Berg/dpa

Nordrhein-Westfalen will mit einer landesweiten Aufklärungskampagne und einer Gesetzesinitiative im Bundesrat die Bereitschaft zu Organspenden in der Bevölkerung erhöhen. Angesichts der seit Jahren niedrigen Organspende-Zahlen in Deutschland kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag einen eigenen Gesetzentwurf zur sogenannten Widerspruchslösung im Bundesrat an. Dabei gilt grundsätzlich jeder Mensch als Organspender nach dem Tod, es sei denn, er hat dem zu Lebzeiten widersprochen. Aktuell kommt als Organspender nur infrage, wer einer Spende aktiv zustimmt.

Zugleich startete die Initiative «#NRWEntscheidetSich», die erreichen will, dass sich mehr Menschen überhaupt mit dem Thema Organspende befassen und eine Wahl treffen. 1800 Menschen warteten allein in NRW auf ein Spenderorgan, teilten Laumann und das Westdeutsche Zentrum für Organtransplantation mit. Doch nur 166 Organe seien 2023 gespendet worden. Bundesweit stehen rund 8400 Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation. Nur 965 Menschen spendeten vergangenes Jahr nach ihrem Tod ein Organ oder mehrere Organe.

Kritik an Laumann

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warf Laumann vor, vorhandene Möglichkeiten nicht ausreichend zu unterstützen. Die Widerspruchslösung erhöhe vielleicht die Anzahl der potenziellen Organspender. Doch die Anzahl der tatsächlichen Spender hänge von ganz anderen Faktoren ab. «Statt in Grundrechte einzugreifen, muss Karl-Josef Laumann vor allem bei der Organisation des Organspendesystems endlich Gas geben», erklärte Vorstand Eugen Brysch. Denn die Umsetzung des vor vier Jahren beschlossenen Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende komme einfach nicht in Fahrt. «Laumann tut nichts, damit die Bürgerämter in Nordrhein-Westfalen ihre Informationspflicht erfüllen können», kritisierte Brysch.

NRW setzt Gesetzesinitiative in Gang

NRW werde spätestens am 14. Juni einen Gesetzesantrag in den Bundesrat einbringen, um damit das parlamentarische Verfahren für die Widerspruchslösung in Gang zu setzen, sagte Laumann. Die Bundesländer hatten im Dezember in einem Entschließungsantrag die Bundesregierung aufgefordert, mit einem Gesetzentwurf dafür zu sorgen, dass die Widerspruchslösung in das Transplantationsgesetz aufgenommen wird. Ein erster Anlauf im Bundestag war 2020 gescheitert. 

Laumann sieht im jetzt anders zusammengesetzten Bundestag Chancen für eine Annahme des Gesetzes. NRW werde den Entwurf auch allen anderen Gesundheitsministern in den Bundesländern schicken und sie darum bitten, zu Mitantragstellern in der Länderkammer zu werden. Spätestens im Herbst solle der Gesetzentwurf im Bundestag sein. In 26 europäischen Staaten gebe es die Widerspruchslösung, sagte der NRW-Minister. «Und diese Länder haben alle höhere Organentnahmezahlen als wir.» 

Zahlreiche Initiativen für die Erhöhung der Spendenbereitschaft hätten nichts an den niedrigen Zahlen geändert. Dabei stünden Umfragen zufolge etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung einer Organspende positiv gegenüber. «Aber ich finde einfach, vor der Entscheidung kann man sich nicht drücken.» Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte jüngst für einen neuen Anlauf für eine Widerspruchslösung geworben.

Kampagne in sozialen Netzwerken

Auch gesellschaftlich soll mithilfe der Kampagne «#NRWEntscheidetSich» die Entscheidung für eine Organspende vorangetrieben werden. Die Kampagne wird auf vielen digitalen Kanälen wie Facebook, Instagram und X (vormals Twitter) ausgerichtet. Unternehmen, Vereine und Initiativen aus ganz NRW können Partner werden. Die Initiative ist die Ausweitung des Pilotprojekts «#RuhrEntscheidetSich».

«Es geht nicht um Bekehrung und es geht auch nicht um Druck oder Zwang», sagte Professor Jochen A. Werner, Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen. «Es geht darum, die Menschen zu ermutigen und zu befähigen, sich fundiert mit dem Thema Organspende zu befassen und ihre wirklich persönliche Entscheidung zu treffen.» 

Für ihn sei es schwer erträglich, die gravierenden Folgen des Organmangels zu erleben, sagte Werner. In der Essener Universitätsmedizin gebe es Top-Medizinerinnen und Mediziner, eine hervorragende Infrastruktur und modernste Geräte für Transplantationen. «Und am Schluss können wir es nicht, weil es an Organen mangelt, und man sieht dann die Folgen.» 

Die aktuelle Situation führe zu einer «zermürbenden Verzweiflung bei den Menschen, die dringend auf Organe angewiesen sind, die auf Wartelisten stehen, oft jahrelang und oft auch leider vergebens», sagte Werner. Besonders erschütternd sei es, wenn Eltern hilflos zuschauen müssten, wie ihre Kinder ohne Aussicht auf Heilung blieben, weil die benötigten Organe nicht verfügbar seien. 

Essen hat nach Angaben Werners das größte Transplantationszentrum in NRW, das neben fünf anderen in Deutschland alle Organe transplantieren kann. In Essen erhielten im vergangenen Jahr 183 Patienten Spenderorgane, aber 54 schwer kranke Patienten verstarben, während sie auf eine Spende warteten. 

Aufklärung auch bei jungen Menschen 

Auch an weiterführenden Schulen im Rheinland starte in diesem Sommer ein Projekt zur Aufklärung über Organspenden, sagte Sabine Deutscher, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. Minister Laumann warb dafür, auch in Fahrschulen und dem obligatorischen Erste-Hilfe-Kurs über Organspenden aufzuklären.

Ebru Yildiz, Leiterin des Westdeutschen Zentrums für Organtransplantation, sagte, die Entscheidung zur Organspende sei eine persönliche, aber auch gesellschaftliche Verantwortung, die jeder zu Lebzeiten selbst treffen sollte. Durch die Dokumentation der Entscheidung werde auch Angehörigen die Last abgenommen, diese schwierige Entscheidung nach einem Todesfall treffen zu müssen. 

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende kann man seit kurzem auch digital festhalten. Mitte März ging ein neues Online-Register in Betrieb, in dem man ab dem Alter von 16 Jahren seine Entscheidung dazu eintragen kann – Kliniken sollen sie im Ernstfall auch dort abrufen können. Der Eintrag kann jederzeit geändert oder widerrufen werden. Nach Informationen Laumanns haben sich bislang mehr als 70 000 Menschen in das Register eingetragen. Davon hätten rund fünf Prozent eine Organspende abgelehnt. Auch von der Webseite der NRW-Aufklärungskampagne kann man auf das Online-Register gelangen.

© dpa ⁄ Dorothea Hülsmeier, dpa
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