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Weihnachtsmärkte: Protest wegen Streit um Musikgebühren

Seit Monaten streiten Weihnachtsmarktbetreiber mit der Verwertungsgesellschaft Gema wegen hoher Gebühren für Musik. Bei einem stillen Protest kommt der Streit nun auch Besucherinnen und Besucher der Weihnachtsmärkte in Goslar und Hannover zu Ohren.
Weihnachtsmarkt in Hildesheim
Besucher laufen über den Hildesheimer Weihnachtsmarkt. © Julian Stratenschulte/dpa

Gebrannte Mandeln knuspern und Karussell fahren ohne «Jingle Bells» oder «Last Christmas»: Wer am Montag über Weihnachtsmärkte bummelte, könnte eine ungewohnte Stille wahrgenommen haben. Denn aus Protest gegen hohe Gebühren für Musik sind Weihnachtsmärkte auch in Niedersachsen stiller geblieben als üblich. Live-Auftritte von Chören blieben aus und Lautsprecher wurden ausgestellt. Weihnachtsmarktbetreiber in ganz Deutschland hatten zu einem «Tag der Stille» aufgerufen. In Niedersachsen beteiligten sich etwa die Städte Hannover und Goslar.

Hintergrund ist ein Streit um Geld. Weihnachtsmarktbetreiber beschweren sich über aus ihrer Sicht zu hohe Musik-Rechnungen der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema). Die Gema weist die Vorwürfe zurück.

«Wir verzichten heute komplett auf Musik», sagte ein Sprecher des städtischen Veranstaltungsmanagements in Goslar. Dort blieben Lautsprecherboxen aus. Ebenso in der Landeshauptstadt Hannover. Dort sollte weder Livemusik noch Musik vom Band gespielt werden.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Hannover fiel Besuchern das Fehlen der Musik auf. «Also es ist schon ungewohnt ruhig so. Man ist es ja doch gewohnt, immer so mit Weihnachtsmusik ein bisschen beschallt zu werden und das macht es auch irgendwie gemütlich», sagte eine 44 Jahre alte Frau aus Kiel. Ohne die Lieder fehle etwas, fand auch eine andere Passantin aus Leipzig. «Ich hätte schon lieber Musik», sagte die 60-Jährige. Sie finde es jedoch gut, das mit dem stillen Protest auf das Thema aufmerksam gemacht werde.

Gebühren um das Fünffache gestiegen

Deutschlandweit wollten Weihnachtsmarktbetreiber mit dem stillen Protest ein Zeichen setzen. Sie klagen über einen Kostenanstieg für die Musiknutzungsrechte - so zum Beispiel auch Hannover. Während die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben für die Beschallung des Weihnachtsmarktes 2019 eine Gebühr von 9500 Euro zahlte, forderte die Gema zuletzt für den Weihnachtsmarkt 2022 rund 45.000 Euro.

«Die Gebühren werden nun nach der gesamten Veranstaltungsfläche berechnet, unabhängig von der wirklich beschallten Fläche beispielsweise vor der Bühne», teilte Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel mit. «Über Nacht sind so die Gebühren um das Fünffache gestiegen.» Bühnenprogramme mit Livemusik seien so kaum noch zu finanzieren, sagte sie.

Die Stadt Braunschweig kündigte wegen der höheren Gebühren bereits an, in diesem Jahr auf Auftritte von Chören zu verzichten. Dort verlangte die Gema laut der Stadt rund 18.000 Euro mehr.

Tarif nach Veranstaltungsfläche

Die Verwertungsgesellschaft Gema, die in Deutschland die Urheberrechte von über 90.000 Rechteinhabern wie Komponisten, Textdichtern und Musikverlagen vertritt und Einnahmen an sie ausschüttet, zeigt sich über die Aufregung verwundert. Denn die Kosten für die Gesamtbeschallung von Weihnachtsmärkten werden laut der Gesellschaft nach einem seit 2011 geltenden Tarif berechnet - nämlich anhand der Größe der Veranstaltungsfläche.

«Gemessen werden muss von Wand zu Wand, vom ersten bis zum letzten Stand», heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung der Gema. Heruntergebrochen bedeutet das: Je größer die beschallte Fläche, desto höher die Lizenzkosten.

Zu den höheren Gebühren kommt es laut der Gema nun aber nicht nur, weil Weihnachtsmärkte zuletzt teils größer geworden sind. Teilweise hätten die Betreiber auch zu kleine Flächen bei der Gema gemeldet. Bis 2022 hatte die Gema nach eigenen Angaben die Gesamtfläche von Märkten nicht kontrolliert, sondern sich auf die korrekte Anmeldung der Weihnachtsmarktbetreiber verlassen. Dann wurde nachgemessen.

Städtetag fordert Tarifanpassung

Für dieses Jahr sieht der Niedersächsische Städtetag nicht mehr, dass sich noch eine Lösung abzeichnet. «Wir haben natürlich ein Interesse, im kommenden Jahr wieder zu einer Regelung zu finden, der den Kostendruck aus den Marktveranstaltungen rausnimmt», sagte Hauptgeschäftsführer Jan Arning. Der Verband fordert, den Tarif der Gema genauer an die Gegebenheiten eines Weihnachtsmarktes anzupassen.

Denn ein Kinderchor oder ein Orchester beschalle nicht automatisch den kompletten Weihnachtsmarkt. «Das kann man in Hannover am besten sehen: Wenn da jemand an der Marktkirche singt, hört man davon am Leineufer nichts», sagte Arning. Daher könne auch nicht die gesamte Fläche für die Berechnung angeführt werden. «Da muss man gucken, dass man eine kluge Lösung findet, die beiden Seiten Rechnung trägt.»

Von dem Streit nicht betroffen sind etwa Märkte wie der in Bremen, wo es keine Gesamtbeschallung und auch keine Auftritte gibt. Auch die Musik an den einzelnen Buden hat nichts mit dem Streit zu tun, denn für die dort abgespielte Musik schließen die Schausteller eigene Verträge mit der Gema ab.

Bei den Schaustellern sorgt der Gebührenstreit dennoch für Unmut: «Einfach einen Betrag hochzusetzen oder eine Berechnung anders zu verfügen, das ist für uns eine Sache, die versteht man nicht», sagte der Pressesprecher des Landesverbands der Markt- und Schaustellerbetriebe, Gregory Laubinger. «Der Schaustellerberuf lebt und fällt mit der Musik.» Gerade in der Weihnachtszeit seien die Musik und die Auftritte von Chören wichtig für die Atmosphäre. «Man nimmt den Leuten ein Stück Lebensqualität.»

© dpa
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