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Seehäfen bekommen schwachen Außenhandel zu spüren

90 Prozent des weltweiten Warenhandels wird über See abgewickelt. Der Umschlag in den Seehäfen ist damit ein Pulsmesser der Konjunktur. In Deutschland lief es zuletzt eher mau - mit einer Ausnahme.
Containerstapel
Dutzende Frachtcontainer stehen aufgestapelt im Hamburger Hafen. © Jonas Walzberg/dpa/Symbolbild

Die Folgen der weltweiten Krisen und die schwache Konjunktur haben im vergangenen Jahr ihre Spuren in den deutschen Seehäfen hinterlassen. Deren Güterumschlag ging 2023 um 4,1 Prozent auf 267,8 Millionen Tonnen zurück, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Das ist eine Folge des rückläufigen deutschen Außenhandels, der im vorigen Jahr bei Warenexporten ein Minus von 2,0 Prozent und bei Warenimporten sogar von 10,1 Prozent verzeichnete. Das Minus traf in unterschiedlichem Ausmaß alle wichtigen Seehäfen. Eine Ausnahme bildet der größte Ostseehafen Rostock, der den Statistikern zufolge besonders von einem stark gestiegenen Umschlag mit Erdöl profitierte.

Für den Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) ist die Entwicklung auch ein Beleg dafür, dass die Infrastruktur der Häfen dringend ausgebaut werden muss. Hafenwirtschaft und Küstenländer fordern dafür seit langem mindestens eine Verzehnfachung der Bundeszuschüsse an die Länder, die bislang knapp 40 Millionen Euro aus Berlin bekommen.

«Damit in den nächsten Jahren wieder Wachstumszahlen im Güterumschlag der deutschen Seehäfen verzeichnet werden können, braucht es massive Investitionen in die Seehäfen und deren Anbindungen an die Wirtschaftsräume in ganz Deutschland und die europäischen Nachbarstaaten», sagte ZDS-Präsidentin Angela Titzrath laut einer Mitteilung. Die Nachbarstaaten stellten ihre Häfen entsprechend auf, aber in Deutschland fehle es «bisher anscheinend am politischen Willen, die notwendigen Maßnahmen anzugehen und mit ausreichend finanziellen Mitteln und guter Ordnungspolitik zu hinterlegen», kritisierte Titzrath. «Wir hoffen, dass die Nationale Hafenstrategie, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll, den Weg weisen wird.»

Die beiden wichtigsten Partnerländer im Seehandel insgesamt waren 2023 die USA mit einem Güterumschlag von 27,9 Millionen Tonnen und Norwegen (25,1 Millionen Tonnen). «Schweden löste 2022 die Russische Föderation als bis dahin wichtigstes Partnerland ab und lag 2023 mit 23,0 Millionen Tonnen Güterumschlag auf Rang 3, gefolgt von China mit 20,1 Millionen Tonnen auf Rang 4», hieß es. «Zu den Verschiebungen in der Rangfolge der wichtigsten Partnerländer haben die verstärkten Lieferungen fossiler Energieträger durch die USA infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine beigetragen.» In den deutschen Seehäfen gingen im Jahr 2023 insgesamt 38,0 Millionen Tonnen Kohle, Erdöl und Erdgas aus dem Ausland ein, 5,3 Prozent mehr als 2022, wobei der Empfang von Kohle deutlich zurückging.

Der Containerumschlag der deutschen Seehäfen lag den Angaben zufolge 2023 mit 12,7 Millionen 20-Fuß-Standardcontainern (TEU) um 8,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. «Dies war der zweite Rückgang des Containerumschlags in Folge. Das Vorkrisenniveau des Jahres 2019 von 15,0 Millionen TEU wurde damit noch nicht wieder erreicht.»

© dpa
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