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Protest des Landesjagdverbands gegen neues Jagdgesetz in MV

Das Signal aus Dutzenden von Jagdhörner war symbolträchtig: Auf zur Jagd! Der Aufruf galt dem neuen Landesjagdgesetz, das bei der Jägerschaft auf breite Ablehnung stößt.
Jägerin
Anna-Madeleine Lindenberg-Küsel, Jägerin, steht vor einer Drückjagd auf einem Hochsitz. © Philipp Schulze/dpa

Der Streit zwischen Agrarminister Till Backhaus (SPD) und dem Landesjagdverband über das künftige Jagdgesetz für Mecklenburg-Vorpommern hat am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreicht. Vor dem Landtag in Schwerin protestierten nach Schätzung der Polizei etwa 1000 Jäger lautstark gegen die geplanten Änderungen. Die Aktion stand unter dem Motto: «Wir sind wild entschlossen». Der umstrittene Gesetzentwurf war am gleichen Tag Gegenstand einer Expertenanhörung im Agrarausschuss des Parlaments.

Im Zentrum der Kritik steht die Einführung von Mindestabschusszahlen und damit die Aufhebung der Abschussobergrenzen für Rot- und Damwild. Geringere Tierbestände sollen die Schäden an jungen Bäumen durch Wildbiss mindern, um so den angestrebten Umbau zu Mischwäldern zu fördern. Die Jäger sehen in den Vorgaben aber die Kompetenzen der Hegegemeinschaften zur Abschussplanung ausgehebelt. Kritik gab es auch daran, dass der Wolf, anders als in anderen Bundesländern oder in Schweden, nicht ins Jagdrecht aufgenommen werden soll.

Der Präsident des Landesjagdverbandes, Florian Asche, zog die Angaben zur Schadenshöhe durch Wildbiss in Zweifel. Diese seien weit niedriger. Der Wald werde mit dem neuen Gesetz vor das Wild gestellt. «Wir sollen von Jägern zu Schädlingsbekämpfern degradiert werden», sagte Asche und übte unter dem Beifall der Demonstranten massive Kritik am Agieren von Agrarminister Backhaus.

Die Vorschläge der Jägerschaft seien bei der Erarbeitung des neuen Gesetzes kaum berücksichtigt worden. Zwischen Jagd und Forst werde ein Keil getrieben, die Bedeutung der Hegegemeinschaften der Jäger ausgehöhlt, beklagte Asche. Bei der Neufassung des Gesetzes habe sich der Minister den Forderungen von Naturschutzverbänden gebeugt. «Das Gesetz wurde von verbohrten Ideologen geschrieben», sagte der Präsident des rund 10.000 Mitglieder zählenden Landesjagdverbandes.

Der Kritik am Gesetzentwurf schloss sich auch der Präsident des Deutschen Jagdverbandes, Helmut Dammann-Tamke, an. Die geplanten Änderungen zeigten - wie auch die jüngsten Sparbeschlüsse des Bundes zu Lasten der Bauern - dass eine urban geprägte Politik den ländlichen Raum zunehmend aus dem Blick verliere. Dammann-Tamke mahnte die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, dem Beispiel der Nachbarländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu folgen und den Wolf ins Jagdrecht des Landes aufzunehmen.

Dies werde geschehen, sobald es eine Verordnung des Bundes gebe, die ein einheitliches Vorgehen zur Regulierung der Wolfsbestände in Deutschland festlege, sagte Backhaus. Er wies zudem den Vorwurf zurück, die Meinungen der Jäger zu übergehen. In dem fast fünfjährigen Prozess der Gesetzeserarbeitung sei der Landesjagdverband stets einbezogen gewesen.

Es sei nicht hinnehmbar, dass Teile des Verbandspräsidiums versuchten, das Gesetz als «Wildvernichtungsgesetz» zu diskreditieren. Ein Mindestabschuss von Rot- und Damwild werde in Brandenburg bereits seit 2019 praktiziert. «Und ich stelle fest, Rot- und Damwild sind dort nicht ausgerottet worden. Und auch hier wird das nicht passieren», zeigte sich Backhaus sicher. Es bleibe Aufgabe und Ziel der Jägerschaft, «in Feld und Wald einen gesunden, artenreichen, aber an den Lebensraum angepassten Wildbestand zu erhalten».

Unterstützung erhält Backhaus von den im sogenannten Waldbündnis vereinten elf Vereinen und Verbänden des Landes. «Der Gesetzentwurf ist eine zeitgemäße Verbesserung der Handlungsmöglichkeiten der Jägerschaft. Es stärkt eine Jagd, die den Lebensraum und das Wild im Fokus hat», heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Den Gesetzesgegnern wird darin vorgeworfen, «mit teilweise absurden Szenarien wie dem der Wildausrottung und des Bedeutungsverlustes des Landesjagdverbandes» Stimmung zu machen.

Bei einigen Neuerungen stehe zurecht der Wald im Fokus. «Der Wald ist klimarelevanter Lebensraum und Quelle von Wertschöpfung für die menschliche Existenz», heißt es in der Erklärung weiter. Die Umwelt-, Waldschutz- und Waldbesitzerverbände und auch Jagdverbände wie der ÖJV würden daher den Gesetzentwurf der Landesregierung entschieden unterstützen.

© dpa
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