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Kinos mit Sorgen - gestiegene Kosten und weniger Besucher

Die Kinos in MV machen seit Jahren eine schwere Zeit durch. Dass die Kosten nach oben gehen, ist dabei längst nicht das einzige Problem. Ein größeres Kinosterben im Nordosten bleibt aber bislang aus.
Kino
Rote Sessel stehen in einem Kino. In Mecklenburg-Vorpommern stecken die Kinos derzeit in einer Krise und sind auf jede Hilfe angewiesen. © Oliver Berg/dpa

Die Situation der Kinos in Mecklenburg-Vorpommern ist angespannt. Die Besucherzahlen seien zwar im Vergleich zu 2022 gestiegen, aber noch weit von dem Vor-Corona-Niveau entfernt, sagte Fabian Liebenow, der bei der Filmland MV GmbH für die strategische Kinoplanung im Nordosten zuständig ist. Laut ihm berichteten mehrere Kinobetreiber in MV, dass sie 2023 nur 60 bis 70 Prozent der Besucherzahlen von 2019 erreicht hätten. «Die Inflation und allgemeinen Preissteigerungen treffen die Kinos und die steigenden Lebenshaltungskosten und die dadurch entstehende Unsicherheit sorgen für Zurückhaltung beim Publikum.»

Schon bei kleinen Kinos lösen allein die gestiegenen Energiekosten Mehrbelastungen in Höhe von mehreren Tausend Euro im Jahr aus, wie Liebenow sagte. Kinos seien energieintensiv, betonte er. Erschwerend hinzu kommt seinen Angaben zufolge, dass die staatlichen Energiepreisbremsen sowie der Kulturfonds Energie vom Bund zum vergangenen Jahresende «überraschend vorzeitig ausgelaufen» sind. «Damit gibt es keine staatliche Unterstützung gegen die hohen Energiekosten mehr.» Auch im Wareneinkauf und bei Dienstleistungen machten sich die gestiegenen Preise bemerkbar. «Dazu kommen auch Lohnerhöhungen in den Kinos, beispielsweise durch den gestiegenen Mindestlohn.»

Diese Mehrkosten an die Gäste weiterzugeben, sei kaum möglich, äußerte Liebenow. «Das Publikum ist aktuell verunsichert und viele Menschen sparen bei Freizeitaktivitäten wie einem Kinobesuch. Die Betreiber befürchten daher, dass Preiserhöhungen zu sinkenden Besucherzahlen führen, da sich ein Teil des Publikums den Kinobesuch nicht mehr leisten kann.» Dennoch seien Preissteigerungen für einige Betreiber unvermeidlich gewesen. Um die Kosten zu reduzieren, gebe es in manchen Kinos auch Ruhetage.

Die gestiegenen Kosten sind jedoch längst nicht das einzige Problem. Der Autoren- und Schauspielerstreik in den USA im vergangenen Jahr werde sich auf das Kinoprogramm 2024 auswirken, sagte Liebenow. «Durch den monatelangen Streik wurden viele Filme verschoben. Die so entstandenen Lücken können besuchertechnisch nicht durch deutsche oder europäische Produktionen ausgeglichen werden.» Hinzu komme im Sommer die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Solch ein Event sorge erfahrungsgemäß für leere Kinosäle.

Kein so großes Problem sind für die Filmtheater die konkurrierenden Streamingdienste - zumindest, wenn es um die Blockbuster geht. «Für große Blockbuster ist Streaming weniger eine Konkurrenz, problematisch ist es bei kleineren Filmen, die teils wenige Monate nach dem Kinostart bei Streaminganbietern im Flatrateangebot sind. Hier ist das exklusive Kinofenster das wichtigste Instrument, um einem Film sein Kinopublikum zu sichern», erklärte Liebenow.

Die Aufmerksamkeit für Kinos zu erhöhen und die Attraktivität eines Besuchs zu steigern, ist aus Sicht von Liebenow auch Aufgabe der Betreiber. Ein Weg seien Sonderveranstaltungen und alternative Inhalte wie Konzertübertragungen oder Live-Events, um Publikum zurückzugewinnen. «So können neue Zielgruppen gewonnen und alte reaktiviert werden.» Um gezielt junge Menschen anzusprechen, sei etwa das Schulkino eine Option.

Trotz Corona-Pandemie seien die Kinos in der Lage gewesen, mit Hilfe von Förderprogrammen des Bundes und des Landes in die technische Ausstattung zu investieren, Projektionstechnik zu erneuern und beispielsweise durch Photovoltaikanlagen nachhaltiger zu werden. «In vielen Kinos sind aber weitere Investitionen notwendig, für die auch weiterhin staatliche Unterstützung und Förderung benötigt wird», äußerte Liebenow.

Der Kino-Experte forderte von der Bundespolitik, dass bei der Reform des Filmfördergesetzes kein Kino schlechter gestellt werde als bisher. «Insbesondere muss es auch weiterhin ein Investitionsprogramm des Bundes für Kinos in ländlichen Räumen geben.» Zudem laufe 2024 das vom Bund geförderte Zukunftsprogramm Kino aus. Eine Verlängerung des Programms würde den Kinos im Nordosten helfen. «Gerade die Kinos in Mecklenburg-Vorpommern konnten in den vergangenen Jahren durch dieses Programm dringend notwendige Investitionen in ihre Ausstattung durchführen.»

Von der rot-roten Landesregierung hingegen gab es aus Sicht von Liebenow ein klares Bekenntnis zu den Kinos im Land und eine sinnvolle Unterstützung. Es seien Mittel zur Verfügung gestellt worden, welche zur Kofinanzierung von Bundesförderungen wie dem Zukunftsprogramm Kino und zur eigenständigen Investitionsförderung für gewerbliche und nichtgewerbliche Kinos im Land genutzt werden könnten.

Trotz der Probleme ist das große Kinosterben in MV in den vergangenen Jahren ausgeblieben. 2021 musste das Kino in Malchin schließen. Das Gebäude sei verkauft worden und der anschließende Eigentümer habe den Mietvertrag mit dem bisherigen Kinobetreiber nicht fortführen wollen, informierte Liebenow. «Er wollte das Gebäude selbst nutzen und mit einem Kulturangebot inklusive regelmäßiger Filmvorführungen betreiben. Er musste diese Pläne aber mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.» Im April 2022 musste zudem das Kino in Demmin kurzzeitig schließen, inzwischen laufen dort die Blockbuster nach mehreren Betreiberwechseln aber wieder auf der Leinwand.

© dpa
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