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Bundesweite Empörung über rassistisches Gegröle vor Lokal

Immer wieder wird der Party-Hit «L'amour Toujours» von Gigi D'Agostino für rassistisches Gegröle missbraucht. Jetzt trifft es das Sylter Nobellokal Pony. Die Empörung ist bundesweit groß.
Bundeskabinett
Bundesinnenministerin Nancy Faeser. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Ein auf Video aufgenommener rassistischer Vorfall auf Sylt hat bundesweit Empörung ausgelöst. In der kurzen Sequenz, die in sozialen Medien verbreitet wurde, sind junge Menschen zum Party-Hit «L'amour Toujours» von Gigi D'Agostino vor einem Lokal zu hören und zu sehen. Es handelt sich um das Nobel-Lokal Pony in Kampen. Die Beteiligten grölen «Ausländer raus» und «Deutschland den Deutschen». Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art mit dem Lied in Deutschland. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Die Betreiber des Pony distanzierten sich in der Nacht zu Freitag von den Gästen und kündigten Konsequenzen an. Sie erklärten auf Instagram, sie seien «tief schockiert». «Wir distanzieren uns von jeder Art von Rassismus und Diskriminierung. Hätten wir von dem Vorfall gewusst, hätten wir die betreffenden Gäste selbstverständlich des Hauses verwiesen. Es gibt keinen Platz für Rassismus!!!», schrieben die Betreiber auf Instagram.

Der Vorfall am späten Nachmittag des Pfingstsamstags auf der Terrasse des Lokals sei von Überwachungskameras mit Ton aufgezeichnet worden, sagte Inhaber Tim Becker der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Man habe die Namen aller fünf Beteiligten an die Polizei gegeben. Auch die Überwachungsaufnahme sei der Polizei übermittelt worden. Ähnliche Vorfälle habe es im Pony bisher nicht gegeben, sagte Becker. Eine Konsequenz sei, dass «L’amour Toujours» künftig nicht mehr gespielt werde. Die fünf Beteiligten bekommen nach Beckers Überzeugung nicht nur im Pony lebenslanges Hausverbot. «Auf Sylt brauchen die sich gar nicht mehr blicken lassen. Wir haben ganz viele befreundete Gastronomen.» Man prüfe zivilrechtliche Ansprüche gegen die Beteiligten.

Das Fachkommissariat für Staatsschutz der Polizei nahm Ermittlungen wegen Volksverhetzung und des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen auf. Neben den Parolen gebe es auch den Verdacht, dass ein Beteiligter den Hitlergruß gezeigt habe, teilte die Polizei mit. Die Staatsanwaltschaft Flensburg bestätigte Ermittlungen gegen die Verdächtigen.

Der Vorfall auf Sylt wirft aus Sicht von Bundesinnenministerin Nancy Faeser ein schlechtes Licht auf das ganze Land. «Wer Nazi-Parolen wie «Deutschland den Deutschen - Ausländer raus» grölt, ist eine Schande für Deutschland», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es stelle sich die Frage, «ob wir es hier mit Menschen zu tun haben, die in einer wohlstandsverwahrlosten Parallelgesellschaft leben, die die Werte unseres Grundgesetzes mit Füßen tritt.»

Die Antirassismusbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, äußerte sich schockiert über das Video. Dies sei ein Fall für die Polizei und die Strafgerichte, sagte sie am Freitag der dpa. Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman sagte der dpa, «diese unverhohlene «Ausländer-raus-Stimmung» erleben wir auch in unserer Beratung, Menschen werden diskriminiert und herabgewürdigt». «Das ist blanker Rassismus, der sich immer weiter in alle Milieus und Altersgruppen hineinfräst und offen ausgelebt wird», erklärte Ataman.

Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Sylter Gemeinden stellten sich mit klaren Worten gegen die rassistischen Gesänge. «Wir haben für diese Gesänge null Toleranz. Dieses Verhalten ist für uns abstoßend und vollkommen inakzeptabel. Wir dulden das nicht», sagten sie laut Mitteilung.

Es ist nicht das erste Mal, dass es im Zusammenhang mit dem Song «L’amour Toujours» zu rassistischen Ausfällen gekommen ist. In der Oberpfalz ermittelte die Polizei nach einem möglichen Vorfall bei einem Faschingszug im Januar. Bei der Veranstaltung in Stulln (Landkreis Schwandorf) habe eine Gruppe von Zuschauern «Ausländer raus» skandiert, als von einem Wagen das Lied von Gigi D'Agostino gespielt wurde, sagte ein Zeuge örtlichen Pressevertretern. Zuvor hatten ähnliche Vorfälle unter anderem in Landsberg am Lech in Oberbayern Ermittler auf den Plan gerufen. Dort sollen mehrere Menschen auf einem Zugwagen zu dem Lied ebenfalls «Ausländer raus» skandiert haben. Die Polizei ermittelte wegen des Verdachts der Volksverhetzung und suchte nach Zeugen.

Auch in Schleswig-Holstein nahm die Staatsanwaltschaft in einem ähnlichen Fall Ermittlungen auf. Laut Polizei war dort am 17. Januar eine Anzeige eingegangen, nachdem in einer Diskothek zu dem Lied Besucher «Ausländer raus» gesungen hätten. Der Vorfall soll sich am 7. Januar ereignet haben.

Redaktionshinweis: Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Vorfall bei einem Faschingszug im Februar fälschlicherweise in Niederbayern veortet. Richtig ist jedoch die Oberpfalz. (24.05.24 15:41 Uhr)

© dpa
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