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Umgang mit benachteiligten Kindern verbrecherisch

Das Kinderhilfswerk «Die Arche» widmet sich bundesweit Tausenden Kindern aus Familien mit wenig Geld und Bildung. Der Gründer prangert nun politische Versäumnisse an und spricht von «Verbrechen».
«Die Arche»-Gründer Bernd Siggelkow
Bernd Siggelkow, der Gründer des Hilfswerks «Die Arche». © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Wachsende soziale Ungleichheit und geringe Aufstiegschancen: Der Gründer des Hilfswerks «Die Arche» fordert mehr Engagement für benachteiligte Kinder in Deutschland. In einem neuen Buch beklagen der ausgebildete Theologe Bernd Siggelkow und sein Co-Autor Wolfgang Büscher, dass die Politik bei dem Thema «jämmerlich gescheitert» sei. «Das Verbrechen an unseren Kindern» erscheint am Mittwoch im Bonifatius Verlag. Es ist nicht nur eine Anklage gegen Politik und Gesellschaft, sondern explizit auch ein Hilferuf. «Wir müssen mehr in die Kinder investieren, sei es mit Geld, Sachleistungen oder Zeit», heißt es im Buch.

Bemühung um Chancengleichheit gefordert

Konkret fordert Siggelkow die Einführung einer Kindergrundsicherung und eines Grunderbes, um die soziale Ungleichheit im Land zu verringern. Finanziert werden könne dies aus der Vermögens- und Erbschaftssteuer. Nötig seien auch deutliche Verbesserungen der Bildung. Ein stärkeres Investment in die nachfolgenden Generationen wird sich nach Überzeugung Siggelkows auszahlen: Eines Tages zahlten die Kinder es zurück, indem sie zu arbeitenden Mitgliedern der Gesellschaft würden und etwa Steuern entrichteten.

Positivbeispiele gebe es durchaus

Die Autoren schildern auch Beispiele als Belege dafür, dass Benachteiligungen durchaus kompensiert werden können. Sie erzählen von Schicksalen von «Arche»-Kindern, die ihr Leben trotz der oft widrigen Umstände in ihren Elternhäusern mit etwa Finanzsorgen, Alkoholmissbrauch oder Krankheiten meisterten. Siggelkow und Büscher schreiben: Die Arche-Kinder seien nicht weniger begabt als andere Kinder auch. Die Talente und Begabungen müssten aber gefördert werden.

Wenn Kinder zum Täter werden

Auch zu von Kindern und Jugendlichen verübten Verbrechen haben die Autoren eine These: Sie sehen als Risikofaktoren zu enge Wohnverhältnisse, familiären Stress und auch Gewalterfahrungen in der Kindheit. Diese Faktoren hätten in den vergangenen Jahren massiv zugenommen: mit Corona-Pandemie, Inflation und Ukraine-Krieg. Bei aus dem Ausland stammenden Kindern und Jugendlichen kämen teils Gewalterfahrungen und Traumata der Flucht hinzu.

Siggelkow hatte selbst keine einfache Kindheit

Siggelkow, der Ende Februar 60 Jahre alt wird, gründete die «Die Arche» 1995 in Berlin-Hellersdorf auch als Folge eigener Erfahrungen. Seine ganze Kindheit habe aus emotionaler Leere, Einsamkeit, Armut und Hoffnungslosigkeit bestanden, schreibt er. Büscher ist der Pressesprecher des Kinderhilfswerks, das an über 30 Standorten bundesweit vertreten ist und Ableger im Ausland hat. Zu den kostenlosen Angeboten zählen etwa Spiele und Sport, Hausaufgabenhilfe und ein Mittagessen.

© dpa
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