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Tesla wählt Betriebsrat: IG Metall sieht großes Interesse

Rund zwei Jahre nach der ersten Betriebsratswahl in der Gigafactory von Tesla bei Berlin findet eine erneute Wahl statt. Die Gewerkschaft IG Metall stellt Forderungen, auf die Tesla reagiert.
Tesla
Die Morgensonne scheint auf den Eingang zum Tesla-Werk. © Carsten Koall/dpa/Symbolbild

Im europaweit einzigen Autowerk von Tesla in Grünheide bei Berlin hat am Montag die zweite Betriebsratswahl begonnen. Zur Wahl treten neun Listen mit 234 Kandidatinnen und Kandidaten an. Die Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz kandidiert erneut. Die IG Metall fordert bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag. Tesla lehnt eine Tarifbindung ab, sieht aber viele Forderungen der Gewerkschaft bereits jetzt umgesetzt.

Die Arbeitssicherheit, die die IG Metall fordere, stehe bei Tesla an erster Stelle, teilte eine Sprecherin mit. «Dass die implementierten Prozesse greifen, hat insbesondere der jüngste Stromausfall gezeigt. Selbst bei dieser krassen Ausnahmesituation bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für Leib und Leben oder für die Umwelt.» Ein Anschlag auf die Stromversorgung des Werks führte zu einem Stromausfall und einem Produktionsstopp von fast einer Woche.

Beim Arbeitsschutz seien signifikante Verbesserungen wie Erschwerniszulagen umgesetzt worden, teilte Tesla mit. Die IG Metall wirft dem Autobauer vor, dass für «Tesla-Speed» zu oft beim Unfallschutz gespart werde. Sie fordert auch längere Taktzeiten, angemessene Bandpausen, mehr Personal und die Übernahme von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern.

Alle Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter erhielten vom ersten Tag an gleiche Bezahlung und Behandlung, entgegnete Tesla. Mehrere hundert Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter seien bisher übernommen worden. Für die Arbeitsbelastung sei auch nicht die Taktzeit entscheidend, es gehe um die Arbeitsinhalte pro Takt, die bei Tesla im selben Rahmen wie bei anderen Herstellern seien.

«Da sind Taktzeiten von 45 Sekunden in der Produktion, dann kommen immer wiederkehrende Tätigkeiten, und das schlaucht natürlich. Das macht die Menschen mürbe und macht sie auch kaputt und anfällig für Krankheiten», sagte der Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Dirk Schulze, am Montag im RBB-Inforadio. 

Die IG Metall sieht großes Interesse an der Betriebsratswahl. «Die Kolleginnen und Kollegen berichten uns von Schlangen vor den Wahllokalen im Betrieb», sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die bisherige Betriebsratschefin aus dem Führungskräftebereich stammt und wirft Tesla vor, der amtierende Betriebsrat stehe nicht so sehr auf der Seite der Belegschaft. Schmitz hatte Kritik zurückgewiesen. Sie hält einen Tarifvertrag nicht für nötig und verweist auf Gehaltserhöhungen von bis zu 18 Prozent ohne Tarifvertrag.

Werksleiter André Thierig hatte bei einem Besuch von Tesla-Chef Elon Musk in der vergangenen Woche jährliche Lohnänderungen angekündigt. Die erste Betriebsratswahl fand 2022 noch vor der Werkseröffnung statt. Seitdem arbeiten viel mehr Menschen in der Fabrik - derzeit laut Unternehmen rund 12.500.

Nahe dem Werk protestieren seit Ende Februar Umweltaktivisten im Wald gegen eine von Tesla geplante Erweiterung des Geländes um einen Güterbahnhof. Dafür müsste Wald gerodet werden. Die Polizei ordnete am Freitag Auflagen für das Camp an, darunter den Abbau von Baumhäusern. Dagegen reichten die Aktivisten einen Eilantrag am Verwaltungsgericht Potsdam ein. Das Gericht setzte die Auflagen zunächst außer Kraft und kündigte eine Entscheidung für frühestens Dienstag an.

«Die Beteiligten hätten noch Gelegenheit zu wechselseitigen Stellungnahmen», sagte ein Gerichtssprecher. Verstöße gegen die Auflagen können damit vorerst weiter nicht geahndet werden. Eine Mehrheit der Bürger von Grünheide hatte in einer Befragung gegen eine Erweiterung der Fabrik gestimmt. Die Gemeinde Grünheide will schlägt vor, dass nur noch etwa die Hälfte des Waldes gerodet wird.

© dpa
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