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Staatssekretärin: Lausitz braucht «frisches Blut»

Mit dem Kohleausstieg 2038 wird es mehr Arbeitsplätze in der Lausitz geben als wegfallen. Das ist das Ergebnis einer Begleitstudie zum Strukturwandel. Ein Erfolg, aus dem auch ein Problem erwächst.
Begleitforschung zur Lausitzer Strukturentwicklung
Schilder mit den Schlagwörtern «Natur, Kultur, Energie, Zukunft, Chancen» stehen an einer Wand bei einer Konferenz zur Strukturentwicklung Lausitz. © Patrick Pleul/dpa

Der Mangel an Arbeits- und Fachkräften in der Lausitz könnte laut einer Studie zum Hemmschuh für ein Gelingen des Strukturwandels werden, wenn nicht gegengesteuert wird. Das Fehlen von ausreichend Arbeitskräften, insbesondere von Fachkräften, nehme in der Lausitz aufgrund der starken und schnellen demografischen Entwicklung und der Erfolge von Unternehmensansiedlungen «dramatische Formen an», heißt es in der wissenschaftlichen Begleitanalyse eines Forschungsteams der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) zum Lausitzer Arbeitsmarkt, die am Montag vorgestellt wurde. «Das ganz große Problem steht unmittelbar bevor (...), es wird zeitnah sehr wehtun», sagte Gunther Markwardt, der die Studie mit erstellt hat. Bis 2038 werde ein Bevölkerungsverlust von 20 Prozent für die Lausitz prognostiziert.

Kompensation der Arbeitsplätze in der Kohle geglückt

Seit 2021 läuft die Begleitforschung zur Strukturentwicklung durch die BTU und dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), die Brandenburg in Auftrag gegeben hat. «Bislang hat die Begleitforschung Arbeitsplatzankündigungen und Arbeitsplätze gezählt. Auch wenn Ankündigungen noch keine realen Arbeitsplätze sind, ist die Botschaft klar: Die Kompensation der Arbeitsplätze in der Braunkohleverstromung darf als geglückt angesehen werden. (...)», machte Forscher Markwardt deutlich. «Wir zählen nicht mehr die Arbeitsplätze, sondern müssen nun die Menschen zählen, die diese Arbeitsplätze besetzen können.» Im Arbeitsamtsbezirk Cottbus lag die Arbeitslosenquote mit Stand Ende Januar bei etwa 6,3 Prozent. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren betrug sie etwa 25 Prozent. Seit dem Kohlekompromiss im Jahr 2019 sind rund 6300 Arbeitsplätze entstanden oder im Entstehen. In der Analyse geben die Wissenschaftler Handlungsempfehlungen, wie mehr Arbeitskräfte für den Lausitzer Arbeitsmarkt gewonnen werden könnten.

Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung

So solle das Potenzial von Menschen, die aus der Lausitz in andere Regionen zur Arbeit pendeln, in den Blick genommen werden. Derzeit sind es laut Studie mehr als 23 000 Menschen. Gleiches solle für Pendler gelten, die in der Lausitz arbeiten, aber außerhalb der Region wohnen, wie es in der Begleitstudie heißt. Auch um Zuwanderung innerhalb von Deutschland solle geworben werden. Zudem sollen Absolventen der Hochschulen in der Region gehalten werden. Nur die Hälfte will laut der Studie in der Region bleiben. Auch die etwa 3000 Jugendlichen ohne Berufsausbildung sollen im Fokus bleiben.

Lausitz braucht positives Image

Als weiteren Punkt nennen die Wissenschaftler die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Die Potenziale in diesem Bereich seien «bei weitem» noch nicht ausgeschöpft, heißt es in der Analyse. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach hob noch einmal das «positive Image» hervor, dass die Region Lausitz für einen gelungenen Strukturwandel haben müsse. Er spreche das Thema ganz bewusst an, weil er bei dem Besuch einer Kundgebung der Mittelstandsinitiative in Cottbus mit Verschwörungstheorien konfrontiert worden sei, so Steinbach. Ihm sei nachgesagt worden, dass er «auf der Paywall von reichen Juden in Amerika» stehe und «von denen ferngesteuert» werde. Wenn solche Menschen das Sagen bekämen, könnten Kommunen und Land «alle Aktivitäten einpacken». Unternehmen, die Interesse an einer Ansiedlung hätten, stellten nach wie vor die Frage, wie sich die gesellschaftliche Stimmung in der Region gestalte.

Die Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund, Friederike Haase, hob die ersten Erfolge im Strukturwandel hervor, wie etwa das neue Cottbuser ICE-Instandhaltungswerk und die bevorstehende Etablierung einer Universitätsmedizin in der Stadt. Das zeige deutlich: «Die Lausitz braucht frisches Blut», sagte sie.

© dpa
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