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Besuch in Grünheide: Musk stärkt Tesla-Beschäftigten Rücken

Der Anschlag auf die Stromversorgung des Tesla-Werks hat viele Beschäftigte verunsichert. Konzernchef Musk kam nun selbst nach Grünheide. Mit seinem Bekenntnis zum Standort geht der Konflikt um eine Erweiterung in die nächste Runde.
Tesla-Chef Musk besucht Fabrik nach Anschlag
Tesla-Chef Elon Musk spricht in der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg zu den Mitarbeitern und hält dabei ein Kind auf dem Arm. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Tesla-Chef Elon Musk hält trotz des Anschlags auf die Stromversorgung und anhaltender Proteste an den Ausbauplänen für sein Werk in Grünheide fest. Bei einem überraschenden Besuch der Fabrik in Brandenburg, dem einzigen Tesla-Werk in Europa, stärkte der Chef des Autoherstellers seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Mittwoch den Rücken. «Sie können uns nicht stoppen!» (»They can't stop us!»), rief er ihnen unter Jubel und «Elon»-Rufen zu und bekannte sich unmissverständlich zum Standort. Begleitet wurde Musk auf der Reise von seinem Sohn, X Æ A-XII, den er während seines Auftritts vor den Beschäftigten auf den Schultern trug. 

«Ja, absolut», sagte Musk auf die Frage eines Journalisten, ob der Ausbau der Anlage weiter geplant sei. «Ich glaube, das ist ein toller Ort.» Die Beschäftigten dürften seine Worte dankbar aufgenommen haben. Verunsicherung und Sorge hatten sich zuletzt bei ihnen breit gemacht, nachdem ein Anschlag auf die Stromversorgung des Werks die Produktion tagelang zum Erliegen gebracht hatte. Erst am Mittwoch ging die Arbeit in dem Werk weiter. Mit der Frühschicht war laut einer Sprecherin wieder die volle Belegschaft an Bord. 

Bisher unbekannte Täter hatten am Dienstag vergangener Woche auf einem Feld in Ostbrandenburg Feuer an einem frei zugänglichen Strommast gelegt, der Teil der Stromversorgung der Autofabrik in Grünheide ist. Die Produktion kam über Tage zum Erliegen. Die linksextreme Vulkangruppe erklärte, sie sei für den Anschlag verantwortlich. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Der Autobauer erklärte nach dem Anschlag, er erwarte eine umfassende Aufklärung der Straftat und forderte einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur. «Wir verurteilen den Anschlag auf das Schärfste und vertrauen auf eine konsequente und angemessene Strafverfolgung.» Tesla wandte sich auch gegen Vorwürfe und sprach von Falschinformationen. Die Fabrik sei weder großer Wasserverbraucher noch gehe von ihr ein erhöhtes Umweltrisiko aus, erklärte Tesla.

Elon Musk habe ihnen mit seiner Rede Mut machen wollen, betonte Betriebsratschefin Michaela Schmitz im Anschluss. «Er war sehr froh, dass niemand verletzt wurde bei dem Anschlag und hat die Mitarbeiter natürlich auch ermutigt, nach vorn zu schauen und dass wir uns nicht unterkriegen lassen sollen», schilderte sie den Auftritt des Tesla-Chefs in einem Zelt auf dem Werksgelände. «Die Erleichterung spürt man bei den Mitarbeitern, dass alle froh sind, wieder zur Arbeit kommen zu können.»

Nach Musk sprach am Mittwoch Werksleiter André Thierig zu den Beschäftigten und dankte ihnen für ihren Umgang mit der Situation. «Wir nehmen es nicht auf die leichte Schulter was hier passiert», sagte er. Zudem kündigte Thierig jährliche Lohnerhöhungen an. «Da könnt ihr euch drauf verlassen», rief er. Ein Tarifvertrag sei nicht nötig. Thierig versprach ein Bonussystem und betonte: «Ihr leistet Großes.»

Musk traf sich bei seinem Deutschland-Besuch auch mit den Regierungschefs aus Brandenburg und Berlin, Dietmar Woidke (SPD) und Kai Wegner (CDU). «Berlin und Brandenburg stehen gemeinsam zu Tesla», unterstrichen beide Politiker anschließend in einer Erklärung. «Die Ansiedlung ist ein riesengroßer Gewinn für die Hauptstadtregion und den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland.»

Bei dem Gespräch ging es auch um den Anschlag auf den Strommast, wie Woidke auf der Plattform Instagram schrieb. «Wir sind uns einig, dass es sich hierbei um einen terroristischen Akt gegen uns alle gehandelt hat. Denn dieser richtete sich eindeutig gegen den Wirtschaftsboom in Brandenburg und damit auch gegen die neuen Arbeitsplätze, die durch das Werk entstanden sind.»

Für die Landesregierung und die Beschäftigten war es ein beruhigender Auftritt. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte zuletzt Sorgen geäußert, dass der Anschlag viel Vertrauen verspielt habe. Tesla will die Produktion von geplanten 500 000 Autos im Jahr auf eine Million erhöhen, zuletzt waren es hochgerechnet 300 000 Autos im Jahr. In Grünheide arbeiten laut Unternehmen rund 12 500 Beschäftigte. Die Mehrheit der Bewohner von Grünheide stimmte im Februar gegen eine geplante Erweiterung auf neuer Fläche mit Güterbahnhof, für die Wald gerodet werden müsste.

Umweltschützer haben seit Jahren große Bedenken gegen die Tesla-Fabrik. Ganz in der Nähe protestieren Umweltaktivisten seit Ende Februar auf Baumhäusern gegen die mögliche Erweiterung des Tesla-Werks. Die Initiative «Tesla stoppen» will mit der Besetzung eine Rodung des Waldstücks im Zuge einer Werkserweiterung verhindern. 

Die Polizei duldet das Camp vorläufig bis Freitag (15. März). Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Umweltaktivisten ihren Protest verlängern wollen: Der zuständigen Versammlungsbehörde sei mitgeteilt worden, dass die Aktion bis zum 20. Mai weitergehen solle, sagte eine Sprecherin der Initiative auf Anfrage. Zuvor hatte der RBB berichtet. Die Initiative betont, sie habe mit dem Anschlag auf den Strommasten nichts zu tun.

© dpa ⁄ Oliver von Riegen und Matthias Arnold, dpa
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