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Musikhochschule: Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt

Was tun, wenn der Musiklehrer zu nahe rückt? Die Musikhochschule München will so etwas nicht länger akzeptieren. Eine Studie hat Vorfälle ans Licht gebracht. Nun sollen Konsequenzen folgen.
Hochschule für Musik und Theater München
Die staatliche Hochschule für Musik und Theater München. © Peter Kneffel/dpa

Trotz Anstrengungen und Reformen nach einem Skandal um sexuelle Übergriffe gibt es an der Hochschule für Musik und Theater (HMTM) in München auch Jahre später immer noch Probleme. «Machtmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt sind an der Hochschule kein Thema der Vergangenheit», bedauerte Hochschulpräsidentin Lydia Grün am Donnerstag bei Vorstellung einer Studie in München. «Bei all jenen, die an unserer Hochschule persönliches Leid erfahren haben, möchte ich mich im Namen der Hochschule entschuldigen.»

Abhilfe soll ein Sieben-Punkte-Plan schaffen, der die Situation für Studierende, Lehrende und Beschäftigte der Verwaltung verbessern soll. Die Hochschule sei auf einem guten Weg, sagte Studienautorin Helga Dill, die auch darauf verwies, dass das Klima an der Hochschule mehrheitlich positiv beschrieben wurde. Rund 500 Studierende, Lehrende und Beschäftigte der Verwaltung hatten sich an der Untersuchung beteiligt, die nicht repräsentativ ist. Schwerpunkt war eine Online-Umfrage im Sommer 2023.

Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt

Als hervorstechendes Problem benennt die Studie Machtmissbrauch. 89 Prozent der Befragten hätten das selbst erlebt, gesehen oder davon gehört, knapp 70 Prozent hätten von eigenen Erfahrungen berichtet. Für Verwaltungs-Mitarbeitende war es ebenso ein Thema wie für Studierende, etwa an der Ballett-Akademie oder am Institut für künstlerische Gesangs- und Theaterausbildung.

Kritisiert wurden etwa fehlende Wertschätzung, Anschreien, psychische Gewalt oder Einschüchterung. Vor manchen Studiengängen sei regelrecht gewarnt worden, es sei von einem Traumastudium die Rede gewesen, wird eine Person anonym zitiert. Andere erlebten Dozierende, die nicht regelmäßig unterrichteten. Oder Lehrer, die damit drohen, Studierenden die spätere Karriere zu vermasseln.

Formen sexualisierter Gewalt hatte rund ein Drittel der Befragten selbst erlebt, vor allem in jüngster Zeit, wie es in der Studie heißt. Die Opfer: meist Frauen zwischen 18 und 29 Jahren. Die Täter: mehrheitlich Männer über 40. Am häufigsten gehe es um Grenzverletzungen durch Bemerkungen, unerwünschte intime Fragen, Gesten und Blicke, auch von unerwünschten Berührungen im Rahmen des Unterrichts sei berichtet worden.

Kein massiver sexueller Missbrauch

Massiver sexueller Missbrauch sei nicht genannt worden, sagte Dill. Sie könne aber nicht ausschließen, dass unter den genannten Situationen auch Fälle seien, die angezeigt werden könnten. Dill ist Geschäftsführerin des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), das schon mit Missbrauchs-Untersuchungen für die evangelische und katholische Kirche betraut war.

Auch von struktureller Diskriminierung sei immer wieder berichtet worden. Gut die Hälfte der Befragten habe diese erlebt, beobachtet oder davon erfahren. Dabei sei es vor allem um Sexismus, Rassismus oder künstlerische Einstellungen gegangen.

Zwischen Macht und Abhängigkeit

Die Hochschule ist sich der Kritikpunkte bewusst, vieles hat auch mit den Strukturen zu tun, mit Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen und Hierarchien, wie die Studie darlegt. Eine Rolle spielen dabei instrumentaler Einzelunterricht, Arbeit mit dem Körper oder auch Glorifizierung einzelner Musikerinnen und Musiker. Trete ein «Genie» als Lehrperson auf, sei das teilweise auch verbunden mit dem Anspruch auf Bewunderung, auf grenzüberschreitende Leistungen und womöglich auch der Hinnahme von Grenzüberschreitungen, heißt es in der Studie.

Mit dem Sieben-Punkte-Plan will Präsidentin Grün vieles verändern, vor allem an den Strukturen. Es soll verpflichtende Fortbildungen und anonyme Beschwerdewege geben. Unter anderem soll auch die Ballett-Akademie eine Doppelspitze aus künstlerischer und geschäftsführender Leitung erhalten, auch um den Kontakt zu den Eltern der vielen jungen Schülerinnen und Schüler zu verbessern.

Reformen mit Leben füllen

Die Studierendenvertretung der HMTM forderte konsequentes Handeln, auch an anderen Hochschulen, wo sich ein ähnliches Bild abzeichne. «Es muss ein Studienumfeld geschaffen werden, das nicht weiter alte Strukturen toleriert und reproduziert, sondern ausgehend von den Hochschulen die Musikwelt zu einem offenen und respektvollen Raum macht», verlangten die Studierenden in einer Mitteilung. Man müsse diese Pläne nun mit Leben füllen.

Vor einigen Jahren wurde die Münchner Musikhochschule von einem Skandal erschüttert, als Vorwürfe sexueller Übergriffe bekannt wurden. In der Folge wurde ein ehemaliger Präsident wegen sexueller Nötigung zu einer Haftstrafe verurteilt. Reformen wurden auf den Weg gebracht, um Ähnliches in Zukunft zu verhindern. Die Studie sollte nun die Wirkung dieser Maßnahmen überprüfen und zeigen, wo noch Verbesserungsbedarf besteht.

© dpa
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