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Krieg und Frieden Thema bei Weihnachtsgottesdiensten

Nicht nur der Papst mahnt an Weihnachten zum Frieden - Geistliche der evangelischen und der katholischer Kirche haben sich auch in Bayern in ihren Predigten zum Fest mit den Konfliktherden der Welt befasst.
Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx. © picture alliance / dpa

Appelle zum Frieden und Aufrufe zur Überwindung der Gewalt haben in diesem Jahr zu Weihnachten die Predigten der bayerischen Bischöfe bestimmt. «Gewalt und Krieg können keinen nachhaltigen Frieden schaffen», sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx.

Bei allem notwendigen Recht auf Selbstverteidigung müsse auch klar sein, dass nur in der Überwindung der Gewalt der Frieden gefunden werden könne, betonte der Erzbischof von München und Freising. Dafür wiederum brauche es die Bereitschaft zu einem gerechten Ausgleich, zu einem gerechten Frieden, zu einem neuen, vielleicht sogar versöhnten Miteinander. Das gelte überall - «mehr Waffen führen uns nicht näher zum Frieden», sagte Marx.

Viele zweifelten daran, ob die Verantwortlichen in der Politik in der Lage seien, die großen Herausforderungen in der Welt - Krieg und Frieden, Klimawandel, Migrationsbewegungen, Polarisierung in den Gesellschaften - zu lösen, sagte Marx weiter. Er warnte jedoch, allzu einfachen Antworten zu folgen oder Schuldzuweisungen zu verbreiten - auch wenn die Versuchung in einer solchen Situation groß sei.

Der evangelische Landesbischof Christian Kopp nahm am ersten Weihnachtsfeiertag die Lage in Israel und Gaza in den Blick. «Friede ist nicht selbstverständlich. Das hat die ganze Welt in den letzten beiden Jahren schmerzlich erfahren müssen. Wir wussten es, aber jetzt kam es uns wieder so nahe», sagte Kopp, der am ersten Feiertag in der Kirche in St. Matthäus in München predigte.

«Das Leid der Menschen in Israel schreit zum Himmel. Das Leid der Menschen in Gaza - wir klagen zu Gott», sagte Kopp weiter. Die Welt im Jesusland sei in diesem Jahr aus den Fugen geraten. Die Welt im Heiligen Land sei schon lange aus den Fugen. «Es braucht vernünftige Regelungen der Koexistenz. Es werden wohl beide Seiten lernen müssen, in zwei Staaten miteinander zu leben.»

Auch der Würzburger Bischof Franz Jung mahnte angesichts der Kriege im Gazastreifen und der Ukraine die Menschen zum Frieden. Zu oft lebten Menschen in Kategorien der Konkurrenz und der Feindschaft und seien von Neid und Eifersucht beherrscht.

Georg Maria Hanke, der katholische Bischof von Eichstätt, sieht auch in dem Bedeutungsverlust von Glaube und Kirche im Alltag einen Grund für humanitäre Probleme: «Die gute Nachricht vom Mensch gewordenen Gott zu vergessen oder den Glauben an ihn aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und diesem Glauben nur Raum im Privaten zuzugestehen, fördert die Taubheit der Herzen und hat Auswirkungen auf das Verständnis von Menschenwürde und Humanität», sagte er. «Entwicklungen in unserer säkularen Kultur und ihrer Gesetzgebung, die vordergründig als Ermöglichung einer größeren Freiheit erscheinen, sind in ihrem Wesen ein Rückbau der Humanität.»

Im Augsburger Dom verwies Bischof Bertram Meier auf den Heiligen Franziskus. Der Heilige, so Meier laut Mitteilung, setzte da an, wo Jesus begonnen hat: Bei den Armen, Kranken und Schwachen. «Franziskus geht den Spuren nach, die Jesus gelegt hat. Damit spurt er den Weg für uns», sagte Meier in seiner Predigt.

Der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bat in seiner Predigt an Heiligabend «um die Kraft zur Erneuerung der Kirche unserer Tage in Glaube, Hoffnung und Liebe», wie es in einer Mitteilung seines Bistums hieß.

Aus Sicht von Passaus Bischof Stefan Oster braucht die Welt gerade jetzt dringend die Kirche und ihre Botschaft: «Die Welt ist in der Krise», sagte er im Gottesdienst am ersten Weihnachtstag: Kriege gleich an mehreren Orten, Klimakrise, Pandemien - und auch die Kirche selbst befinde sich «in der vielleicht größten Krise seit der Reformation».

Der künftige Bamberger Erzbischof Herwig Gössl erinnerte neben den Opfern von Gewalt, Kriegen und Terror auch an die Betroffenen sexualisierter Gewalt. Diese Menschen «schweigen, weil sie das Geschehene verdrängen, aus Scham und Verzweiflung», sagte Gössl. Mit seinem Schweigen stehe Gott jenen zur Seite, die zum Schweigen gebracht würden.

© dpa
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