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Ein neuer Erzbischof für Bamberg: Gössl steigt auf

Papst Franziskus hat entschieden: Herwig Gössl steigt im Erzbistum Bamberg vom Weihbischof zum Erzbischof auf. Die Herausforderungen sind groß.
Herwig Gössl
Diözesanadministrator Herwig Gössl hält nach dem Rücktritt von Erzbischof Schick den Pontifikalgottesdienst des Erzbistums Bamberg. © Daniel Löb/dpa/Archivbild

Minutenlanges Glockengeläut in allen Kirchen von Hof bis Ansbach, die Orgel braust bei «Großer Gott, wir loben Dich» im Dom: Als bekannt wird, dass der bisherige Weihbischof Herwig Gössl im Erzbistum Bamberg zum Erzbischof aufsteigt, zeigt die katholische Kirche, wie beeindruckend ihr Zeremoniell sein kann.

Dreieinhalb Stunden später jedoch wird deutlich, welche Probleme die Kirche hat. «Das ist eine Aufgabe, die man nicht herbeisehnt. Es ist eine schwierige Aufgabe, heute Bischof zu sein», sagte Gössl bei einer Pressekonferenz. In der Gesellschaft und in der Kirche gebe es Kräfte, die auseinander- statt zusammenführen würden. Aufgabe eines Bischofs sei es aber, zusammenzuführen. Dennoch habe er große Zuversicht, er spüre viel Vertrauen.

Mehr als ein Jahr war der Bischofsstuhl von Bamberg offiziell unbesetzt, Gössl führte als Diözesanadministrator aber bereits die Amtsgeschäfte. Es ist deshalb keine spektakuläre Personalie, für die sich Papst Franziskus entschieden hat - waren doch schließlich auch schillernde Namen wie der des früheren Papst-Sekretärs Georg Gänswein im Gespräch. Die Ernennung stehe für Kontinuität, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing.

Die Probleme der katholischen Kirche in Deutschland sind immens: Die Austrittszahlen sind hoch, die Kirchensteuereinnahmen sinken. Weniger Mitglieder und weniger Geld bedeuten weniger Relevanz im gesellschaftlichen Diskurs. Dazu ist die Kirche mit sich selbst beschäftigt, ringt heftig um Reformen und um die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale.

Auch im Erzbistum Bamberg, wo in ländlichen Regionen kirchliche Traditionen noch eine wichtige Rolle spielen, lassen sich diese Entwicklungen nicht ausblenden.

Kirchliche Lehre nicht «in die Tonne treten»

Der Synodale Weg in den vergangenen Jahren war als Konsequenz aus den Missbrauchsskandalen gestartet worden, um Reformen anzustoßen. Gössl selbst will sich nicht festlegen lassen, zu welchem Lager er gehört - konservativ oder offen für Reformen.

Menschen dürfe man nicht in Schubladen stecken. «Man muss versuchen, beide Pole zu verbinden», sagte er zur Lage der Kirche in Deutschland. 2021 gehörte er zu den Unterzeichnern eines kritischen Briefs zum Synodalen Weg, gemeinsam mit dem Passauer Bischof Stefan Oster. Im Frühjahr sagte er: «Wir wollen die kirchliche Lehre nicht in die Tonne treten, sondern weiterentwickeln.»

Der Bischofsstuhl von Bamberg war seit November 2022 vakant. Ludwig Schick hatte damals den Papst gebeten, in den Ruhestand zu dürfen, um einem Jüngeren Platz zu machen. Gössl arbeitete seitdem als Diözesanadministrator an der Spitze des Erzbistums. Der 56-Jährige wurde in München geboren, wuchs in Nürnberg auf und ist seit 1993 Priester des Erzbistums Bamberg.

2014 wurde er zum Weihbischof ernannt - das sei ein «Schock» für ihn gewesen, bekundete er damals. Zu seiner neuen Aufgabe sagte er nun: «Mit Gottes Hilfe wird es gut gelingen.» Sein Anliegen: Die Glaubensverkündung müsse wieder an Bedeutung gewinnen. Die Menschen sollten wieder Kraft im Glauben finden können.

Die rund 606 000 Katholikinnen und Katholiken stimmte er auf Veränderungen ein. «Es werden Zeiten auf uns zukommen, die nicht einfach und bequem sind.» Sein Vertrauen sei jedoch groß, dass es weiterhin ein Miteinander im Erzbistum gebe.

Evangelische Bischöfin freut sich

Gössl habe bereits Führungsqualitäten in seinen bisherigen Positionen gezeigt, schrieb DBK-Chef Bätzing. Und wurde persönlich: «Vor allem aber werden es Deine menschenfreundliche Art und tiefgründige Spiritualität sein, die auch Deinen künftigen Dienst kennzeichnen.»

Freude über die Ernennung herrschte auch in der evangelischen Kirche. «Das ist eine gute Entscheidung! Herwig Gössl hat die Leitungsaufgaben bereits während der Sedisvakanz in großer Ruhe ausgefüllt», teilte die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner mit. «Er leitet, ohne zu dominieren oder sich in den Vordergrund zu setzen - nun steht er an der Spitze der Erzdiözese und wird sein Amt integrativ wahrnehmen. Er kann zuhören und gemeinsam Lösungen finden. Das wird auch für die Ökumene fruchtbar sein.»

Gemäß dem bayerischen Konkordat, also dem Staatskirchenvertrag zwischen Vatikan und Freistaat, ist der Papst frei in seiner Entscheidung, wen er in Bayern zum Bischof kürt. Nötig ist aber ein Eid auf die Verfassung, den jeder neue Bischof schwören muss. Ein Termin für die Amtseinführung steht noch nicht fest.

© dpa ⁄ Kathrin Zeilmann, dpa
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