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Kernfusionsforschung: Von der Leyen will bessere Bedingungen

Stimmt der Rahmen? Laut Forschern macht die Fusionsforschung große Fortschritte. Die EU-Kommissionspräsidentin fordert deshalb günstige rechtliche Voraussetzungen für den erhofften Durchbruch.
Von der Leyen besucht Forschungsanlage ASDEX
Ursula von der Leyen (CDU), Präsidentin der Europäischen Kommission, und Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, geben nach ihrer Besichtigung der Forschungsanlage ASDEX Upgrade am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching bei München eine Pressekonferenz. © Peter Kneffel/dpa

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert mehr Investitionen und einen besseren rechtlichen Rahmen für die Kernfusionsforschung in Europa. «So schwierig diese Technologie ist, so groß ist ihr Potenzial», sagte die Christdemokratin am Donnerstag bei dem Besuch eines Forschungszentrums für Kernfusion in Garching bei München.

Es sei wichtig, die regulatorischen Rahmenbedingungen zu hinterfragen. Die Fusionsforschung sei in einer Phase, in dem ein günstiger, gesetzlicher Rahmen die Kernfusion nach vorn bringen könne. Von der Leyen verwies auf das europäische Halbleitergesetz. «Auch das war ein regulatorischer Rahmen, der der Produktion für Halbleiter in Europa einen gewaltigen Schub nach vorne gebracht hat», sagte von der Leyen. «Kernfusion ist nicht Kernenergie», ergänzte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Manche Vorhaben könnten aber unter rechtliche Anforderungen der Kernenergie fallen. Der Unterschied müsse geklärt werden, forderte Söder.

Außerdem sprach sich die EU-Kommissionschefin für mehr Investitionen aus - besonders auch in öffentlich-private Forschungspartnerschaften. Von der Leyen hatte neben der Besichtigung einer Versuchsanlage am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik auch Gespräche mit Start-ups aus der Fusionsforschung geführt. Auch den Vorschlag einer europäischen Investitionsallianz von Ministerpräsident Söder nehme sie gerne mit.

An dem Standort in Garching soll innerhalb der nächsten zehn Jahre ein Demonstrationskraftwerk gebaut werden. Der Freistaat hatte bereits vergangenes Jahr Investitionen von 100 Millionen Euro bis 2028 für die Fusionsforschung angekündigt. Von der Leyen gehört wie Söder inzwischen zu den Befürwortern der Kernkraft und hatte sich in der Vergangenheit auch für die staatliche Förderung ausgesprochen.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger nannte es am Donnerstag erfreulich, dass die Kommissionspräsidentin das riesige Potenzial der Zukunftsenergie Fusion sehe und verwies auf die Forschungsförderung ihres Hauses. Auf dem Weg zu einem ersten Fusionskraftwerk in Deutschland investiere man bis 2028 mehr als eine Milliarde Euro. «Die Unterstützung aus Ländern wie Bayern und Hessen ist dabei sehr willkommen. Wenn nun auch die Kommission hinzukommt, kann das erste Fusionskraftwerk in Deutschland noch schneller Wirklichkeit werden», sagte die FDP-Politikerin in Berlin.

Bei der Kernfusion werden kleine Atomkerne, anders als in Reaktoren von herkömmlichen Atomkraftwerken, bei extremen Temperaturen verschmolzen statt gespalten - sprich fusioniert. Theoretisch ließen sich damit enorme Energiemengen erzeugen - und das praktisch klimaneutral. Kritiker sehen in der Technologie dagegen wie bei der konventionellen Atomkraft keine «saubere Energieerzeugung», da auch hier radioaktiver Abfall entsteht. Zudem monieren sie die hohen Forschungskosten.

Forschungen laufen weltweit. Unter anderem baut seit 2007 ein Verbund von internationalen Wissenschaftlern - darunter auch aus Russland und China - in Frankreich an dem gemeinsamen Fusions-Forschungsreaktor Iter. Er soll mehr Fusionsenergie freisetzen, als zur Zündung der Reaktion erforderlich ist, aber noch keinen Strom liefern.

© dpa
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