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Frankfurter Flughafenbetreiber wird 100 Jahre alt

Bis zum Corona-Schock kannte der Frankfurter Flughafen nur Wachstum. Zum 100-jährigen Bestehen der Betreibergesellschaft Fraport haben sich die wirtschaftlichen Aussichten deutlich erholt.
Flughafen Frankfurt
Waren die Terminals vor der Corona-Pandemie nahezu aus ihren Nähten geplatzt, glichen die Abfertigungsgebäude nach Ausbruch einer Geisterstadt. © Frank Rumpenhorst/dpa

Wenn Frankfurts Flughafenchef Stefan Schulte am 19. März seine Bilanzzahlen 2023 vorlegt, wird der Prognose zufolge unter dem Strich wieder ein Gewinn von um die 400 Millionen Euro stehen. Die Aktionäre sollen allerdings das fünfte Mal in Folge ohne Dividende bleiben, denn immer noch steht die Sanierung nach Corona im Mittelpunkt des Unternehmens Fraport AG, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.  

Vor allem die Haupteigentümer, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, können die Dividendenflaute gut verkraften, solange das wichtigste Unternehmen der Region Kurs hält und seine Schulden aus der Pandemie-Zeit abbaut. Schulte hat sich zum Auftakt der Feierreihe «100 Jahre wie im Flug» an diesem Donnerstag unter anderem Ex-Ministerpräsident Roland Koch und die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU) zum Talk eingeladen.  

Die Fraport-Vorgängergesellschaft «Südwestdeutsche Luftverkehrs-AG» war am 2. Juli 1924 von der Stadt unter Beteiligung von Frankfurter Kaufleuten und Unternehmen gegründet worden. Noch vom stadtnahen Rebstockgelände starteten die eigenen Maschinen sowie die des Miteigentümers Junkers nach London, Berlin, Paris oder Wien. Unter der Nazi-Herrschaft wurde der Flughafen an den heutigen Standort verlegt und dort im Juli 1936 eröffnet. 

Der Frankfurter Flughafen in der Nachkriegszeit

Dass Frankfurt nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten deutschen Flughafen wurde, hat viel mit der führenden westlichen Besatzungsmacht USA zu tun. Die US-Soldaten richteten schon im Frühjahr 1945 die zerbombte Start-und-Lande-Bahn wieder her und ließen neben ihrer Rhein-Main Air Base bald wieder zivilen Luftverkehr zu. In der Nachkriegszeit bewährte sich Frankfurt als Hauptbasis der militärischen Luftbrücke in das von der Sowjetunion abgeriegelte West-Berlin. 

Bereits im Jahr 1949 kam die zweite Start-und-Lande-Bahn hinzu, die zwar mit dem US-Militär geteilt werden musste, aber Frankfurt auch mit einem Schlag zu einem der am besten ausgestatteten Flughäfen in ganz Europa machte. Mit Hilfe dieses Weltflughafens festigten Frankfurt und die Rhein-Main-Region schnell ihre Stellung als wichtiges Finanz- und Wirtschaftszentrum der noch jungen Bundesrepublik.  

Zunächst noch in Konkurrenz zu einer US-Firma übernahm die Fraport-Vorgängerin «Verkehrsaktiengesellschaft Rhein-Main» die Abfertigung einer schnell wachsenden Zahl von Flugzeugen. 1950 ging der Nordteil des Flughafens in ihre Verwaltung über, wo fünf Jahre später die neu gegründete Deutsche Lufthansa AG an den Start ging. Das schnell wachsende Netz des Hauptkunden machte über die Jahre den weiteren Ausbau mit zwei Passagier-Terminals und riesigen Wartungshallen für die Boeing-Jumbos und den noch größeren Airbus-Jet A380 notwendig. Der Abzug der US-Luftwaffe machte später Platz für weitere Frachtgebäude. 

Schlachten zwischen Besetzern und Polizei

Viel Widerstand ernteten das Land Hessen und die zwischenzeitlich in Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) umfirmierte Betreibergesellschaft für die «Startbahn 18 West», die seit 1980 Richtung Süden in den Wald geschlagen wurde. Rund um die Baustelle und ein zum Protest errichtetes Hüttendorf kam es zu bürgerkriegsähnlichen Schlachten zwischen Besetzern und Polizei. Bestürzender Tief- und Schlusspunkt waren im November 1987 die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten während einer Demonstration vier Jahre nach Inbetriebnahme der Bahn. Der Täter wurde gefasst und zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die Proteste ebbten ab.

Danach konnte der weitere Ausbau nur mit einer breiten Beteiligung der Bürger und der Anrainer-Kommunen gelingen. Nach einem breiten Mediationsverfahren kam es schließlich zu einer planfestgestellten Variante mit einem dritten Terminal und einer weiteren, nunmehr vierten Bahn, die aber nur für Landungen benutzt werden darf. Im Oktober 2011 landete dort die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu feierlichen Eröffnung, während das Terminal 3 mit einer weiteren Kapazität von bis zu 25 Millionen Passagieren corona-verzögert erst im Sommer 2026 ans Netz gehen soll. Die Proteste lärmgeplagter Anwohner gingen aber noch über Jahre weiter, weil den Menschen das mit dem Ausbau beschlossene Nachtflugverbot zwischen 23.00 und 5.00 Uhr nicht ausreichte.

Vor Corona mehr als 70 Millionen Passagiere im Jahr

Waren die Terminals im Jahr zuvor noch mit mehr als 70 Millionen Passagieren nahezu aus ihren Nähten geplatzt, glichen die Abfertigungsgebäude nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 einer Geisterstadt. Das Terminal 2 wurde in der tiefsten Krise der Flughafengeschichte zwischenzeitlich sogar ganz geschlossen. Die ums Überleben kämpfende Lufthansa parkte die junge Landebahn Nordwest mit ihren nicht benötigten Flugzeugen voll, während Fraport den milliardenschweren Ausbau des dritten Terminals aus technischen Gründen nicht stoppen konnte.  Am Ende des Jahres waren nur knapp 19 Millionen Passagiere gezählt worden, so wenige wie seit 36 Jahren nicht mehr.  

Der 2001 an der Börse platzierte Fraport-Konzern mit weltweiten Beteiligungen musste - anders als die Fluggesellschaft - nicht direkt vom Staat gerettet werden, sondern konnte sich mit Kurzarbeit, zusätzlichen Milliardenschulden und gestrichenen Dividenden über Wasser halten. Die während Corona boomende Luftfracht brachte eine kleine Sonderkonjunktur. Zudem strichen die Frankfurter auch öffentliche Hilfen ein, weil sie ihr Drehkreuz und ihre griechischen Flughäfen während der Lockdowns offen gehalten haben. Mehr als 4000 erfahrene Mitarbeiter wurden teils mit Abfindungen in den Ruhestand geschickt, was den Neustart in den Folgejahren erheblich belastete. Dennoch kehrte die Fraport bereits 2021 in die Gewinnzone zurück. 

© dpa ⁄ Christian Ebner, dpa
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