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Minischweine als Haustiere - Experten warnen vor Trend

Immer mehr Menschen schaffen sich ungewöhnliche Haustiere an - auch Minischweine. Doch von denen haben viele Besitzer schnell die Nase voll. Eine Einrichtung in der Lüneburger Heide bietet Hilfe an.
Minischwein
Minischweine werden bei Sabine Bracker auf dem Gnadenhof bei Ebstorf im Landkreis Uelzen häufig abgeben. © Philipp Schulze/dpa

Minischweine werden bei Sabine Bracker auf dem Gnadenhof bei Ebstorf in der Lüneburger Heide häufig abgegeben. «Es ist unglaublich, wie viele Schweine in Einzelhaltung als Hundeersatz leben», berichtet die «Schweineschützerin». Schweine seien zwar mal zum Kuscheln da, aber sie seien keine Kuscheltiere. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass die kleinen, süßen Ferkel auf Dauer viel Arbeit machen.

Auf Klauenpflege und Ernährung sei besonders zu achten. «Um die Schweinchen kleinzuhalten, verfüttern einige nur Haferflocken und Quark, andere geben den Tieren einfach Essensreste», berichtet Bracker. Die Folge: Viele Schweine kommen verfettet zu ihr, die Mangelernährung ginge auf Gelenke und Organe. «Minischweine gehören nicht in private Hände», sagt sie.

Auch mal aggressiv

Spätestens mit der Geschlechtsreife, wenn die kleinwüchsigen Hausschweine auch aggressiv sein können, geben viele Besitzer sie wieder ab: «Im Schnitt halten sie drei Jahre durch.» Ein Minischwein muss unter 100 Kilogramm wiegen, die durchschnittliche Schulterhöhe liegt bei 50 Zentimetern, die Körperlänge beträgt knapp einen Meter. Mit ihrem gemeinnützigen Verein kann Bracker nicht alle aufnehmen. Zudem ist sie auf Spenden angewiesen, um den Betrieb in Niedersachsen am Laufen zu halten.

Das Veterinäramt des Landkreises Lüneburg spricht sogar von einem neuen Trend zum Minischwein. Die Tiere müssten aber so gehalten werden, dass es ihrer Art entspricht und der Seuchenschutz gewährleistet ist. Sie unterliegen besonderen Tierschutz- und Tierseuchen-Vorschriften und müssen angemeldet werden. Auslauf- und Freilandhaltungen sind wegen möglicher Tierseuchen anzuzeigen.

Nicht Gassi führen

«Schweine, auch wenn sie klein sind, sind keine Kuscheltiere. Ihre Haltung lässt sich nicht mit der von Hunden oder Katzen vergleichen. Sie haben ganz andere Bedürfnisse», sagt Jochen Gronholz, Leiter des Veterinärwesens. Man tue den Tieren keinen Gefallen, wenn man sie in der Wohnung hält und Gassi führt.

Nicht nur aus Tierschutzsicht steht der Experte dem Trend kritisch gegenüber. Auswirkungen kann die Haltung auch auf die Verbreitung von Seuchen wie der Afrikanischen Schweinepest, der Aujeszkyschen Krankheit oder der Maul- und Klauenseuche haben.

Speisereste tabu

«Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Haltung von uns genehmigt werden muss», sagt Gronholz. Auch die kleinen Schweine könnten Tierkrankheiten übertragen. Für sie gelten besondere Vorschriften für die medikamentöse Versorgung. Im schlimmsten Fall verbreiten sie ein Virus auf große Bestände. So müssen zum Beispiel ihre Ausläufe doppelt umzäunt werden, selbst im heimischen Garten. Eine weitere wichtige Regel: Halterinnen und Halter sollten keine Speisereste verfüttern. Viele Schweinepest-Ausbrüche ließen sich darauf zurückführen.

Minischweine sind laut Experten sehr gelehrige Tiere. In Studien haben sie bemerkenswerte Leistungen erzielt. So berichteten ungarische Forscher zum Beispiel, dass in Familien aufgewachsene Minischweine Aufgaben eigenständiger lösen können als Hunde. Sie sollten aber am besten draußen und immer mindestens im Doppelpack gehalten werden, da es Rottentiere sind. Vor allem eine Mietwohnung ist kein geeignetes Umfeld. Tierschutzverbände sehen die Haltung grundsätzlich kritisch.

© dpa
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