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Abschreckung an Ostflanke: Deutsches Vorkommando in Litauen

Die Bundeswehr hat die ersten Soldaten der künftigen Brigade Litauen in das östliche Nato-Land verlegt. Bis Ende 2027 sollen bis zu 5000 deutsche Soldaten dauerhaft gefechtsbereit in dem Land sein.
Boris Pistorius
Boris Pistorius verabschiedet das Vorkommando der Brigade Litauen auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Brandenburg. © Kay Nietfeld/dpa

Die Bundeswehr hat mit der Verlegung erster Soldaten für die Brigade Litauen eine dauerhafte Stationierung an der Ostflanke der Nato begonnen.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach bei der Verabschiedung des 21 Männer und Frauen zählenden Vorkommandos von einem bedeutenden Schritt für die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses und einem wichtigen Tag für die Bundeswehr. Erstmals werde ein solcher Kampfverband außerhalb Deutschlands stationiert. Das Vorkommando wurde in Vilnius vom Ende März neu ernannten litauischen Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas begrüßt.

Kasciunas sagte, die Stationierung sei «sehr wichtig» für Litauen. «Das ist Beweis der deutschen Zuverlässigkeit», sagte er und versicherte, die litauische Regierung wolle alles unternehmen, um nötige Infrastruktur in den Zeitvorgaben zu errichten. 85 Prozent der litauischen Gesellschaft unterstützten das Vorhaben. Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte koordiniere eine interinstitutionelle Gruppe zur Umsetzung des Projekts. Niemand dürfe auf den Gedanken kommen, er könne die Beistandsverpflichtungen in der Nato testen.

Brigade soll laut Fahrplan bis 2027 einsatzfähig sein

Als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa und aggressives Auftreten Russlands hatte die Bundesregierung zugesagt, einen gefechtsbereiten und eigenständig handlungsfähigen Kampfverband nach Litauen zu verlegen. Die Brigade soll laut Fahrplan bis 2027 einsatzfähig sein. Vorgesehen ist eine dauerhafte Präsenz von etwa 4800 Soldaten sowie rund 200 zivilen Bundeswehrangehörigen, die ihre Familien mitbringen können. Dies habe Vorbildfunktion für die Region, sagte Kasciunas.

Das Vorkommando besteht aus Spezialisten aus verschiedenen Bereichen wie etwa Logistik, IT oder Infrastruktur. Darunter sind auch drei zivile Mitarbeiter vom Bundeswehrsozialdienst und der Bundeswehrverwaltung. Geführt wird die Truppe von Oberst André Hastenrath. «Wir sind klasse empfangen worden», sagte er. «Wir freuen uns auf die Aufgabe.»

Soldaten erst einmal im Hotel untergebracht

Untergebracht sind die Soldaten zunächst im Hotel. Probleme bei der Suche einer Unterkunft erwartet Hastenrath nicht: «Derzeit wird es für uns keine Herausforderung sein, uns auf dem litauischen Wohnungsmarkt oder Häusermarkt entsprechend was zu suchen.»

Das Vorkommando soll zum vierten Quartal 2024 auf einen Aufstellungsstab von rund 150 Männern und Frauen anwachsen. Die Brigade des Heeres wird in Litauen mit dem Namen Panzerbrigade 45 neu aufgestellt. Nach offizieller Indienststellung 2025 sollen die weiteren Kräfte in dem Jahr mit der Verlegung beginnen, sofern die benötigte Infrastruktur in Litauen vorhanden ist.

In Deutschland forderte die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), unterdessen, die Ausstattung der Bundeswehr insgesamt nicht zu vernachlässigen. «Natürlich reißt das erst mal ganz gewaltige Löcher, denn die Ausrüstung unserer Soldatinnen und Soldaten, aber auch das große Gerät ist noch nicht vorhanden», sagte Högl im ARD-«Morgenmagazin». Die Brigade müsse mit allem ausgestattet werden, was sie benötige, damit es attraktiv sei.

Pistorius hatte im Dezember in Vilnius ein Grundsatzdokument für die Stationierung unterzeichnet und von einem «historischen Moment» gesprochen. Haupteinsatzort der Brigade soll der Truppenübungsplatz Rudninkai unweit der Grenze zu Belarus sein. Dort sollen nach litauischen Angaben rund 80 Prozent der Soldaten ihren Dienstort haben. Die übrigen sollen in Rukla im Zentrum von Litauen stationiert werden, das erst kürzlich den 20. Jahrestag seines Nato-Beitritts gefeiert hat.

Wie wird Litauen mit der Infrastruktur vorankommen?

Mit Interesse wird verfolgt, ob und wie die Litauer mit der Schaffung der zugesagten Infrastruktur vorankommen. Dabei geht es um Militärgelände und Kasernen wie auch Wohnungen und Häuser. Leben sollen die Soldaten und ihre Familien in Vilnius und Kaunas, wo jeweils eine Schule und ein Kindergarten aufgebaut werden soll. Wie viele Familienangehörige nach Litauen mitgehen könnten, ist gegenwärtig aber noch unklar.

Die litauische Regierung hatte auf die Stationierung gedrungen. Zu deren Vorbereitung war bereits eine spezielle Kommission eingesetzt worden. Seit Ende März ist zudem ein Vizeminister im Verteidigungsministerium für die Aufnahme der Brigade zuständig.

Litauen grenzt an das mit Russland verbündete Belarus sowie an Russlands Ostsee-Enklave Kaliningrad. Zwischen beiden Ländern verläuft von Litauen ein schmaler Landkorridor westlich nach Polen - die sogenannte Suwalki-Lücke der Nato, um die es im Falle eines Angriffs zu Kämpfen kommen könnte. Deutschlands Truppenstationierung ist für die Litauer eine gewünschte Rückversicherung der Nato-Beistandsverpflichtung. Die Schaffung der Voraussetzungen für die Bundeswehr-Brigade wird Litauen in den nächsten Jahren rund 800 Millionen Euro kosten. Diese Summe nannte Kasciunas am Montag im litauischen Rundfunk. 

In einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden den deutschen und litauischen Offizieren die Frage gestellt, ob die deutschen Soldaten an einem Tag X - also für den Fall eines Angriffs - vom ersten Moment an der Seite der Litauer ausrücken würden und auch bereit seien, ihr Leben für die Verteidigung einzusetzen. Der deutsche Inspekteur des Heeres, General Alfons Mais, sagte, die Frage, ob die Brigade ihren Auftrag erfüllen werde, stelle sich für ihn nicht. Mais sagte: «Soldaten des Heeres erfüllen ihren Auftrag. Ausrufezeichen.»  

© dpa ⁄ Carsten Hoffmann und Alexander Welscher, dpa
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