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Israel erhält Liste: Weitere Geiseln sollen freikommen

Die Verhandlungen um die im Gazastreifen noch verbliebenen Geiseln der Terrororganisation Hamas werden immer schwieriger. Eine Verlängerung der Feuerpause wäre fast in letzter Minute gescheitert.
Frei
Thailändische Arbeitsmigranten besteigen nach dem Verlassen des Krankenhauses im israelischen Ramla einen Bus. Sie sind nach über 50 Tagen Hamas-Gefangenschaft freigelassen worden. © Ilia Yefimovich/dpa

Im Gaza-Krieg haben sich Israel und die islamistische Hamas in letzter Minute auf eine Verlängerung der Feuerpause um zunächst einen Tag verständigt. Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte am Donnerstagmorgen mit, man habe kurz vor Fristende der Feuerpause eine Liste mit den Namen weiterer verschleppter Frauen und Kinder erhalten. Daher werde die Feuerpause fortgesetzt.

Israelischen Medienberichten zufolge soll es sich um acht Geiseln handeln. Zudem werde über die Aushändigung von drei Leichen verhandelt, hieß es. Das vermittelnde Katar und die Hamas bestätigten die Verlängerung der Pause vorerst für Donnerstag.

«Wenn die Hamas keine Mütter und Kinder mehr freilässt, werden wir den militärischen Druck wieder aufnehmen, um ALLE aus dem Land zu holen - wir werden unsere Väter, Brüder und Söhne nicht den Hamas-Monstern überlassen», schrieb der israelische Regierungssprecher Eylon Levy auf x (vormals Twitter).

Israel vermutet laut der «Times of Israel», dass sich noch rund 145 Geiseln - unter ihnen 15 Frauen und Kindern - im Gazastreifen befinden. Vermittler Katar kann laut Außenamtssprecher Madschid Al-Ansari vom Dienstag die genaue Zahl der verbliebenen Geiseln nicht bestätigen.

Bisher 97 verschleppte Geiseln frei

Die Feuerpause galt seit vergangenem Freitag 6.00 Uhr MEZ. Seither wurden 97 von der Hamas in den Gazastreifen verschleppte Geiseln gegen 210 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen ausgetauscht. Unter den freigelassenen Geiseln befinden sich 73 Israelis - darunter 14 auch mit deutscher Staatsangehörigkeit - sowie 23 Menschen aus Thailand und eine Person aus den Philippinen.

Die Terrororganisation Hamas hatte am Vortag weitere 16 Geiseln aus Gaza freigelassen, darunter drei Deutsche. Im Gegenzug setzte Israel weitere 30 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen auf freien Fuß. Darunter ist Ahed Tamimi, die im arabischen Raum als Symbolfigur des Widerstands gegen die israelische Besatzung gilt. Sie war erst vor rund drei Wochen nach Drohungen gegen israelische Siedler im besetzten Westjordanland von Israel festgenommen worden.

Die Kampfpause in Gaza war zuletzt um zwei Tage verlängert worden. Nach der ursprünglichen Übereinkunft soll sie auf maximal bis zu zehn Tage verlängert werden können. Der Sicherheitsberater der israelischen Regierung, Mark Regev, sagte CNN, wenn die Hamas zehn israelische Geiseln freilasse, werde die Feuerpause um jeweils einen Tag verlängert. Israel besteht darauf, dass es sich um lebende Geiseln handelt. Die Frage ist, ob die Hamas diese Forderung erfüllen wird.

Verhandlungen drohten zu scheitern

Die Verhandlungen über die neue Geiselliste sei «schwierig und nervenaufreibend» gewesen, zitierte die Nachrichtenseite Ynet am Donnerstagmorgen einen israelischen Beamten. «Wir waren einen Schritt davon entfernt, zu den Kämpfen zurückzukehren und das Abkommen zu stoppen».

Nach Informationen von Ynet hatte die Hamas zunächst sieben Frauen und Kinder sowie die Leichen von drei weiteren Geiseln angeboten, die nach Angaben der Terrororganisation durch israelische Bombenangriffe getötet worden sein sollen. 20 Minuten vor Ablauf der Frist für die Feuerpause sei Israel dann eine geänderte und ergänzte Liste von Geiseln vorgelegt worden, die Donnerstagabend freikommen sollen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen haben. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Blockade des Gazastreifens. Ende Oktober begannen seine Streitkräfte eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der Hamas fast 15.000 Menschen getötet und mehr als 36.000 verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

© dpa
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