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Krebsdiagnose im Umfeld: Wie finde ich die richtigen Worte?

Vielleicht hat es den Vater getroffen, die Arbeitskollegin, den Nachbarn: die Diagnose Krebs. Darf man die Person darauf ansprechen - und wenn: wie?
Zwei Personen gehen spazieren
Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Gerade in der Familie ist es aber wichtig, dass kein Schweigen entsteht. Ein Spaziergang kann ein guter Moment sein, um das Gespräch zu suchen. © Moritz Frankenberg/dpa

Es ist ein Gedanke, der Druck nehmen kann: Spricht man Menschen auf ihre Krebserkrankung an, muss nicht alles perfekt laufen. Es ist normal, dass solche Gespräche manchmal holprig sind, dass unangenehme Pausen entstehen. Unsicherheiten dürfen sein - und man darf sie auch aussprechen. Das sagt Prof. Anja Mehnert-Theuerkauf, Vorstandsmitglied der Deutschen Krebsgesellschaft. 

«Ein Weg kann auch immer Ehrlichkeit sein», findet die Psychologische Psychotherapeutin. «Also zum Beispiel, dass man sagt: 'Ich bin mir gar nicht sicher, ob du gerade über deine Krebserkrankung sprechen magst. Aber ich möchte dich trotzdem fragen, wie es dir geht.'» 

Die Signale deuten - und einhaken

Diese Herangehensweise kann sowohl bei Menschen funktionieren, die einem nahestehen, als auch bei solchen, mit denen man weniger eng ist wie dem Nachbarn oder der Arbeitskollegin. Doch vorher stellt sich die Frage: Sollte man diese Personen überhaupt auf die Erkrankung ansprechen, wenn man von ihrer Krebsdiagnose weiß? 

Mehnert-Theuerkauf rät dazu, die Signale zu deuten. «Sagt jemand so gar nichts über die Krankheit, kann das ein Zeichen sein, dass er oder sie wirklich nicht darüber reden mag. Wenn jemand aber fallen lässt: 'Ich war im Krankenhaus', dann kann man das im Gespräch aufgreifen und schauen, wie derjenige reagiert.»

In der Familie: Das Schweigen nicht gewinnen lassen 

Geht es um einen Krebsfall in der Familie, ist es aber wichtig, dass nicht das Schweigen über die Erkrankung einzieht. «Über das Thema zu sprechen, kann am Anfang schwer sein, entlastet mittelfristig aber sowohl die Betroffenen als auch die Angehörigen und Freunde.» 

Ganz abgesehen davon, dass es Angelegenheiten gibt, die Familien klären müssen - zum Beispiel, wenn es um das Aufsetzen einer Patientenverfügung geht. Und natürlich möchten enge Angehörige wissen, was die erkrankte Person beschäftigt, wie sie fühlt, was sie braucht. Auch wenn es für beide Seiten nicht leicht ist, Worte zu finden.  

Sinnvoll sind offene Fragen: Was brauchst du momentan? Oder: Wie geht es dir heute? Was Mehnert-Theuerkauf zufolge bei vielen Krebskranken allerdings nicht gut ankommt: Ratschläge oder Floskeln wie «Kopf hoch» oder «Das wird schon wieder». Beides kann dafür sorgen, dass das Gespräch schnell zum Erliegen kommt, weil sich die erkrankte Person nicht ernst genommen fühlt.  

Tipp: Beim Spazieren reden

Die Psychotherapeutin hat noch einen Tipp, wie solche Gespräche über Krebs besser laufen können. Und zwar wortwörtlich: beim Spazieren. «Man muss sich nicht die ganze Zeit anschauen, hält Pausen besser aus. Das ist für so ein Gespräch einfach angenehmer, als wenn man sich gegenübersitzt und sich am Tisch festhält.» Und man kann danach noch etwas Schönes unternehmen, auf einen Kaffee einkehren etwa.  

Und was, wenn so ein Gespräch über Krebs emotional wird, auf einmal die Tränen kullern? Davor haben viele Angehörige Angst. Helfen kann es, die Perspektive auf das Weinen zu verändern. «Weinen ist ein Teil der seelischen Verarbeitung, zum Beispiel von Wut», erklärt Anja Mehnert-Theuerkauf. Und: Fließen die Tränen, öffnet sich ein Mensch - und das kann eine Bindung in so einer Krise noch enger machen. 

© dpa
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