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«Ein Gentleman in Moskau»: Ewan McGregor mit Schnurrbart

In der Romanverfilmung «Ein Gentleman in Moskau» spielt Ewan McGregor einen russischen Aristokraten, der in einem Hotel unter Hausarrest gestellt wird. Vor der Tür tobt die Revolution.
Ewan McGregor
In «Ein Gentleman in Moskau» spielt Ewan McGregor einen russischen Aristokraten. © Julian Stratenschulte/dpa

Der 2016 veröffentlichte Roman «Ein Gentleman in Moskau» des amerikanischen Schriftstellers Amor Towles war ein internationaler Bestseller. Er erzählt die Geschichte des Grafen Alexander Iljitsch Rostow, der in einem Moskauer Nobelhotel unter Hausarrest gestellt wird, während sich vor den Türen die Russische Revolution abspielt. Ab 17. Mai wird das Leben des Grafen Alexander als achtteilige Miniserie beim Streamingdienst Paramount+ gezeigt.

Der vielseitige und viel beschäftigte Ewan McGregor (52) spielt Graf Rostow und trägt in der Rolle einen mächtigen Schnurrbart und lockige Haarpracht. Seine Ehefrau im richtigen Leben, Mary Elizabeth Winstead (39), spielt als Schauspielerin Anna Urbanova mit. «Das Buch ist ein moderner Klassiker, wirklich», sagte Winstead der Deutschen Presse-Agentur in London. «Es ist so ein unglaublicher Roman, voller faszinierender Charaktere.»

McGregor empfahl Winstead die Rolle

Nachdem er die Rolle angeboten bekommen hatte, habe McGregor sie sofort für die Serie gewinnen wollen, erzählte Winstead. «Ewan hat das Buch gelesen und ist total darin versunken. Er hat es geliebt. Und er hat dabei so kleine Kommentare abgegeben und zu mir gesagt: 'Oh, es gibt hier eine wirklich fabelhafte weibliche Figur, die dich interessieren könnte.'» Als sie das Buch las, habe sie nicht überlegen müssen.

Graf Rostow stammt aus aristokratischem Geschlecht und hat in der Revolution fast alles verloren. «Die meisten meiner Freunde sind tot, und mein Haus wurde beschlagnahmt und niedergebrannt», stellt er fest. Weil er Russland liebt, kehrt er trotz der Gefahr für sein Leben zurück nach Moskau. Dort wird er als «sozialer Parasit» sofort vor ein Tribunal gestellt. Viele Bolschewiki würden den Grafen lieber tot sehen, doch weil er vor einigen Jahren ein kommunistisches Gedicht geschrieben haben soll, das die Revolution inspirierte, wird er vom Todesurteil verschont.

Gefangen im Luxushotel

Allerdings darf Rostow das luxuriöse Hotel Metropol, in dem er Gast ist, für den Rest seines Lebens nicht mehr verlassen. Sonst würde er sofort erschossen werden. Fortan muss er in einem spärlich kleinen Bedienstetenzimmer unter dem Dach leben. «Man kann Ihnen Ihr Haus nehmen, man kann Ihnen alles nehmen, aber niemals, wer Sie sind», sagt er trotzig. Immerhin genießt der Graf weiterhin die Vorzüge des Hotels, gutes Essen und guten Wein.

Rostow versucht, das Beste aus seiner Lage zu machen, und baut sich im Hotel gegenüber dem Bolschoi-Theater seine eigene kleine Welt auf. Er pflegt enge Beziehungen zu den Hotelangestellten und Gästen. Er schmiedet Freundschaft mit der jungen Nina (Alexa Goodall), die die Geheimgänge des Hotels kennt, und beginnt eine Romanze mit dem glamourösen Filmstarlett Anna Urbanova (Mary Elizabeth Winstead). Zudem taucht sein Studienfreund Mishka (Fehinti Balogun) im Hotel auf. Ein tragisches Ereignis aus der Vergangenheit vor der Revolution und unterschiedliche politische Ansichten belasten das Verhältnis der beiden Männer.

Im Hotel wird Rostow permanent von den Bolschewiki überwacht. Insbesondere der verbitterte Osip Glebnikov (Johnny Harris) lässt ihn auf Schritt und Tritt beobachten. Der Graf allerdings lässt sich nicht unterkriegen und gibt sich, ein echter Gentleman eben, stets höflich. So leistet er auf seine eigene Art stillen, friedlichen Widerstand, während er an die Zeit vor der Revolution zurückdenkt.

Faszinierende Atmosphäre, schöne Kulissen

«Ein Gentleman In Moskau» fasziniert mit viel Atmosphäre, prunkvollen Kulissen und nostalgischen Kostümen. Das Hotel Metropol fungiert als spannende Fantasiewelt, die sich als eine Mischung aus «Phantastische Tierwesen» und Wes Andersons «Grand Budapest Hotel» beschreiben lässt. Für die zahlreichen russischen Charaktere in der Stalin-Ära verpflichteten die Macher eine multikulturelle Besetzung.

Die achtteilige Serie beginnt langsam und es braucht mehr als eine Folge, um hineinzukommen, zumindest wenn man Amor Towles' Roman nicht gelesen hat. Doch dank Ewan McGregors warmherziger Darbietung geht einem das Schicksal von Graf Rostow nahe. «Ein Gentleman In Moskau» wird zu einer emotionalen und spannenden Entdeckungsreise in der räumlich begrenzten und doch so vielseitigen Umgebung mit vielen interessanten Charakteren - und der Frage, ob der Graf tatsächlich den Rest seines Lebens im Hotel Metropol bleiben wird.

© dpa ⁄ Philip Dethlefs, dpa
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