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Neues Album der Einstürzenden Neubauten

Die Einstürzenden Neubauten sind seit Jahrzehnten eine Inspiration auch für die internationale Musikszene. Mit ihrem jüngsten Album «Rampen» definieren sie gleich mal ein neues Genre.
Blixa Bargeld
Der Musiker Blixa Bargeld auf der Bühne. © Carsten Koall/dpa

Mit Rampen kennen sich die Einstürzenden Neubauten aus. Bei ihren Konzerten gibt es für diese musikalischen Reisen ins Ungewisse nur minimale Verabredungen. Etwa wer beginnt, vielleicht auch eine Tonfolge. «Mal sehen, wo es einen hinschießt», beschreibt es Sänger Blixa Bargeld. «Die Rampe als Bestandteil des Sets hat uns nie verlassen.» Nun ist ein musikalisch starkes und überaus hörbares Album aus 15 dieser Tonkreationen entstanden. «Rampen (apm: alien pop music)» erscheint an diesem Freitag (5. April).

Arbeiten wie Dinosaurier

Für ein Album brauchen Bargeld, Alexander Hacke, N.U. Unruh, Rudolf Moser und Jochen Arbeit sonst mehr Zeit. Auf selbst geschaffenen Instrumenten - der Bestand füllt nach 44 Bandjahren eine Lagerhalle - tasten sie sich sonst experimentierend zu neuen Stücken. «Da wir diese Rampen alle auf der Tour 2022 gespielt haben, haben sie auch alle dasselbe Instrumentarium», sagt Bargeld im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Wir mussten also nur dasselbe Instrumentarium wie auf der Tour im Studio aufbauen und konnten alle diese Rampen darauf spielen.» Auch im Studio ist alles live. «Wir arbeiten auf die Dinosaurier Methode: Wir sind alle im selben Raum, spielen alle gleichzeitig und hören uns.»

Für das Album haben die als Inspiration der internationalen Musikszene geltenden Neubauten einen Genrebegriff kreiert: APM. «Das ist Alien Pop Musik, Popmusik für Außenstehende, Popmusik für Außerirdische, Popmusik für Fremdartige, Seltsame. Also die, die sich von der Popmusik, die an den Populismus grenzt, nicht repräsentiert fühlen.»

Alles schon gesungen

Der Opener «Wie lange noch?» beginnt mit der Zeile «Alles schon gesungen». Die Arbeit am Album beschreibt Bargeld als psychische Überwindung. «Dann stehe ich morgens damit auf, dann verbringe ich den Tag damit, nachts kann ich nicht schlafen damit und ich gehe für meine Familie im Prinzip verloren, weil ich dann so aufgesogen bin in dieser Arbeit, dass ich nichts anderes mehr kann. Und da will ich erstmal nicht hin.» Wie auch das Lied «Before I go» will der 65-Jährige sowas nicht als Umgang mit dem Ende interpretieren. Seine Frau habe ihm verboten, sich in seinen Texten mit dem Tod zu befassen.

Einfluss vergleichbar mit Kraftwerk

Bargeld gründete 1980 die Einstürzenden Neubauten. Über die Jahrzehnte gewann die Band internationalen Einfluss, dessen Wirkung mit dem von Kraftwerk verglichen werden kann. Mit den selbst entwickelten Instrumenten verbindet die Band Industrial, maschinellen Noise, Gothic-Rock-Elemente - und aktuell sowas wie Pop. Prägend sind auch die Texte von Bargeld. Multilinguale Phrasen, Fragmente, Bruchstücke lässt der Sänger einfließen. «Ich arbeite nicht thematisch, also ist die Sprache eher zufällig», sagt er. «Vor den Konzerten habe ich mir aus meinem Vorrat an Notizen ein paar neue Fragmente rausgesucht. Es ist einfach egal, ob Englisch oder Deutsch oder eben Berlinerisch von mir aus.»

Wenn sich eine dieser Rampen entfalte, wisse er nicht, was jeder tun werde. «Dann klicke ich einmal so durch und gucke, ob jetzt irgendwas dabei ist, womit ich mich einbringen kann. Das sind alles im wahrsten Sinne des Wortes Fragmente, Zweizeiler oder noch weniger. Ich versuche dann, das mit Körper zu versehen.»

Feeling very Pestalozzi

Im Song «Pestalozzi» etwa findet sich der Satz «I'm sitting in my chair, feeling very Pestalozzi, feeling very A.S. Neill». Bargeld denkt an die beiden Reformpädagogen: «Bei der Zeile habe ich immer dieses Bild vor Augen, wie Neill in so einem großen Armsessel in einem bühnenartigen Raum sitzt und um ihn herum entfaltet sich das Chaos mit Kindern, die antiautoritär denken, die alle machen, was sie wollen, aber: nobody is touching him.»

Bargeld freut sich sichtlich an solchen Phrasen, mitunter bleiben sie Solitäre. «Ich hätte den Satz zehnmal wiederholen können, aber mir ist weiter nichts dazu eingefallen. Schöner Satz, schönes Fragment.» Stattdessen folgt eine Aufzählung von Gegenständen. «Aus meiner Amazon-History der letzten 20 Jahre», erläutert Bargeld. «Das sind alles Dinge, die ich irgendwann mal bestellt habe.» Nun sind sie ein Songtext der Neubauten.

Break-up-Song für Patricia Kaas

«Besser isses» hat Bargeld ursprünglich für Patricia Kaas geschrieben. Er sollte der französischen Sängerin ein Duett schreiben, es wurde ein Break-up-Song mit der minimalistischen Zeile «Ich ohne dich, du ohne mich. Besser isses». Aus Paris kam keine Reaktion mehr.

Bargelds Gedanken fußen auch auf seiner Arbeit. «Ich versuche ja immer, aus der Musik selbst einen Erkenntnisgewinn zu ziehen», so der Sänger. Die Bandbreite der Einflüsse ist umfassend: «Da gibt es Metaphernfelder, mit denen ich spiele, insbesondere Biologie, Astronomie, ein bisschen Geologie, und dann gibt es Sprache und Linguistik, und Identität, Sein, Existenz und obendrauf vor allem Mythologie als Transportmittel und Narrativ von vorher nicht existierender Sprache», so der Musiker. «Wenn man diese Dinge miteinander vermischt, dann kommt man einem Bargeld-Text sehr nahe.»

Mythologie als Transportmittel

Breiteren Raum nimmt die jüngste Auseinandersetzung von Bargeld mit Genderfragen ein. «Mein Kind ist ein Transjunge. Deswegen habe ich mich natürlich noch intensiver damit beschäftigt», sagt der Musiker. Das habe er vorher auch schon getan. «Es hat nur noch mal eine noch aktuellere und noch radikalere Wendung genommen.» In «Triboliten» heißt es: «Ich, du, ich, du, ich, du - Fossilien, die wir beide sind, noch ungetrennt».

Für Bargeld kein leichtes Thema: «Ich musste ewig dran arbeiten, bis ich zu dem Schluss kam, was ich damit mache. Ich mache da eine Tür auf, wo vorher keine war, eine Absage an jede Form von Biodeterminismus. Das hört sich alles sehr hochgestochen an, aber ich mache es ja singbar.» Im Song «Gesundbrunnen» heißt es dann: «Korrigieren wir das Bild», «Wir klinken uns aus der Evolution» und «Wir üben das Neue, ganz außerhalb der Biologie». Zugleich markiert der Text auch Grenzen menschlicher Begrifflichkeiten: «Meine Sprechwerkzeuge wollen mich nicht mehr.»

«In einem Paralleluniversum sind wir die Beatles»

Das «Rampen»-Album ist in Gelb gehalten, die Farbe war auch als Titel im Gespräch. Für den Sänger ist es eine Hommage an das legendäre weiße Album der Beatles. Bargeld sieht eine kosmische Verbindung zu dem Quartett aus Liverpool: «In einem Paralleluniversum sind wir die Beatles», sagt er. Augenzwinkernd weist er auf einen Unterschied bei der Besetzung hin: «Es gibt dort eine Dimension mehr, deswegen sind wir fünf.»

© dpa ⁄ Gerd Roth, dpa

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