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Judas Priest: Heavy-Metal-Ikonen in Topform

Seit 50 Jahren stehen Judas Priest für kräftigen Hardrock und Metal. Auf ihrem neuen Album zeigen Rob Halford und Co., dass sie in ihrem Genre immer noch das Maß aller Dinge sind.
Judas Priest
Judas Priest (l-r): Ian Hill, Scott Travis, Rob Halford, Richie Faulkner und Glenn Tipton. © James Hodges/Another Dimension/Sony Music/dpa

Judas Priest zählen neben Iron Maiden und Metallica zu den prägendsten und langlebigsten Heavy-Metal-Bands, die bis heute erfolgreich aktiv sind. Die Veröffentlichung ihres Debütalbums «Rocka Rolla» ist in diesem Sommer 50 Jahre her. «Wenn man 50 Jahre im Geschäft ist und 50 Jahre Songwriter ist, dann gibt es Höhen und Tiefen», sagt Rob Halford (72) im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Sonst ist man doch kein Mensch, oder?»

Seit ihrer Gründung 1969 in Birmingham haben Judas Priest 17 Studioalben veröffentlicht, 15 davon mit Halford. Nun erscheint der 18. Longplayer. Und was für einer! «Invincible Shield» ist vielleicht das beste Album, das die Heavy-Metal-Veteranen seit 20 oder sogar 30 Jahren aufgenommen haben. «Man weiß es nie», sagt Halford mit Blick auf die beliebtesten Klassiker seiner Band. «Können sie etwas Besseres als 'Painkiller' aufnehmen? Können sie etwas Besseres als 'British Steel' machen? Können sie bei 'Screaming For Vengeance' noch einen draufsetzen?»

Vergangenheit und Gegenwart

Die genannten Werke zu toppen, ist natürlich nahezu ausgeschlossen. Allerdings erinnert «Invincible Shield» in vielerlei Hinsicht an die glorreichen 80er Jahre von Priest. Schon der Eröffnungssong «Panic Attack» versprüht im Intro, das E-Gitarren mit Synthesizern mischt, einen Hauch von «Turbo», jenem kontroversen Album von 1986, das heute als Kultplatte gilt. Nach dem furiosen Intro wird es deutlich härter. Klanglich bewegen sich Halford und Co. auf dem neuen Album irgendwo zwischen «Screaming For Vengenance» und «Defenders Of The Faith».

«Das ist einfach bemerkenswert», sagt Halford über solche Vergleiche. «Ich persönlich empfinde das nicht so. Aber ich liebe das - deine Musik, deine Kreativität, wie sie die Menschen berührt. Und andere Dimensionen und Definitionen kommen zu dir zurück. Und diese Vergleiche sind großartig.» Der 72-Jährige betont, das nichts von alledem geplant gewesen sei. Das passiere unbewusst, organisch. «Die Vergangenheit schleicht sich in die Gegenwart.»

Auf «Invincible Shield» folgt ein Kracher dem anderen. «The Serpent And The Shield» und der Titelsong sind kraftvoller Heavy Metal mit dem unverkennbaren Halford-Gesang. «Crown Of Horns» ist etwas softer, aber ein echter Ohrwurm. Je öfter man «Invincible Shield» durchhört, desto mehr Ohrwürmer findet man. «Trial By Fire» und «Sons Of Thunder» sind weitere. «As God Is My Witness» ist ein epischer Metal-Kracher. Dieses Priest-Album macht einfach Spaß.

«Heute gibt es viel mehr Freiheiten»

Rob Halford, der optisch mit seinem langen weißen Bart wie der Methusalem wirkt, beeindruckt auf «Invincible Shield» einmal mehr mit seiner Stimmgewalt und zielsicher eingesetztem Geschrei. Dass der 72-Jährige leidenschaftlicher Metal-Sänger ist, hört man auf dem Album und im Interview. «Wenn man alles richtig hinbekommt und sich dann hinsetzt und anhört, was man geschaffen hat ... Mann, das ist das beste Gefühl der Welt», schwärmt er. «Diese Band präsentiert immer noch Metal auf diesem Niveau.»

Nach fünf Jahrzehnten sei die Heavy-Metal- und Hard-Rock-Szene heute sehr viel offener und vielseitiger, findet Halford, der sich 1998 in einem MTV-Interview öffentlich als schwul outete. Im vergangenen Jahr sang er ein Duett («Bygones») mit Country-Legende Dolly Parton, die erstmals ein Rockalbum veröffentlichte. So etwas wäre vor 30 oder 40 Jahren, als die Heavy-Metal-Szene noch sehr machomäßig war, undenkbar gewesen. «Heute gibt es viel mehr Freiheiten», meint Halford, «es gibt so viel mehr Akzeptanz, so dass alles möglich ist».

Judas Priest bleiben sich allerdings im besten Sinne treu. Auf «Invincible Shield» besinnt sich die Band alter Stärken und liefert Heavy Metal auf höchstem Niveau. Produziert wurde das Album von Andy Sneap, der aufgrund der Parkinson-Erkrankung von Gitarrist Glenn Tipton bei Konzerten dessen Platz einnimmt. Die britische Metal-Institution startet diesen Monat ihre Europa-Tournee, auf der acht Auftritte in Deutschland geplant sind.

«Wir müssen alle Ansprüche erfüllen», sagt Rob Halford. Hits wie «Living After Midnight», «Breaking The Law» oder «Metal Gods» dürfen bei keiner Show seiner Gruppe fehlen. «Das sind wichtige Teile der Bandgeschichte. Die Fans fordern diese Songs und sie haben ein Recht darauf.» Vom neuen Album werden Judas Priest zunächst wohl nur zwei Songs spielen. Wenn «Invincible Shield» gut ankommt, könnten es indes bald mehr werden.

© dpa ⁄ Philip Dethlefs, dpa

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