Zu Ehren von WM-Held Diop: Senegal arbeitet an WM-Märchen

Afrikameister Senegal steht zum zweiten Mal nach 2002 wieder in einem WM-Achtelfinale - und das ohne Bayern-Star Sadio Mané. Das 2:1 gegen Ecuador ist auch ein emotionaler Sieg für die «Löwen».

Als der Traum vom zweiten Achtelfinale nach langen 20 Jahren wahr geworden war, wurden die senegalesischen «Löwen von Teranga» ganz emotional. Kapitän Kalidou Koulibaly zeigte auf der Ehrenrunde im Chalifa International Stadion immer wieder auf seine Armbinde mit der Nummer 19, und Torhüter Edouard Mendy schnappte sich das Plakat mit der Aufschrift «Wahre Löwen sterben nie».

Am zweiten Todestag des einstigen WM-Helden Papa Bouba Diop versetzte die senegalesische Auswahl auch ohne ihren verletzten Superstar Sadio Mané ihr Land durch ein 2:1 (1:0) gegen Ecuador ein zweites Mal in einen Freudentaumel. Daheim in Dakar strömten tausende Menschen auf die Straßen und feierten den Coup. Der fehlende Bayern-Profi Mané veröffentlichte ein Video mit Bildern des Siegs und versah es mit zwei Herzen. Im Achtelfinale trifft der Senegal am Sonntag nun auf England.

«Für Senegal ein besonderer Tag»

«Ich widme diesen Sieg Papa Bouba Diop und Bruno Metsu. Aber auch einem Mann, der viel für das Land gegeben hat, aber leider nicht hier ist: Sadio Mané», sagte Senegals Coach Aliou Cissé, der beim WM-Märchen von 2002 noch als Kapitän auf dem Platz stand. Damals hatte Diop - der Mann mit der Nummer 19 - mit seinem 1:0-Siegtor im Eröffnungsspiel gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich die Traumreise eingeleitet, die erst im Viertelfinale zu Ende ging. Vor zwei Jahren starb er im Alter von nur 42 Jahren an der Nervenkrankheit ALS, der damalige Erfolgscoach Metsu war bereits 2013 gestorben.

Nun schrieben Koulibaly und Co. ihr eigenes Erfolgskapitel. Der Kapitän ging dabei voran und erzielte den 2:1-Siegtreffer. Zuvor hatte England-Pofi Moises Caicedo (68.) die erstmalige senegalesische Führung durch Ismaila Sarr per Foulelfmeter (44.) ausgeglichen. «Das war für Senegal ein besonderer Tag», sagte Koulibaly und fügte mit Blick auf Diop hinzu: «Wir wollten ihn stolz machen und ehren. Er hat mich als Junge träumen lassen, er hat mich inspiriert. Wir wollten unser Land und Papas Familie stolz machen.»

Das haben sie wahrlich geschafft. Mit breitem Lächeln fügte Koulibaly an: «Nach dem ersten Spiel haben uns schon viele draußen gesehen, aber wir wollten hier etwas Großes leisten.» Und das ohne ihren Superstar Mané. Afrikas Fußballer des Jahres hatte sich in der Bundesliga am Wadenbeinköpfchen verletzt und musste operiert werden. Fast täglich schreibt der Bayern-Stürmer seinen Teamkollegen. Beim Gewinn der Afrikameisterschaft und dem letzten Spiel in der WM-Qualifikation hatte Mané noch jeweils den entscheidenden Elfmeter verwandelt.

Koulibaly: «Mane fehlt, aber wir sind ein Team»

«Er hat uns vor dem Spiel eine Nachricht geschickt. Wir sind eine große Familie», sagte Koulibaly. Er habe es nicht fassen können, als die Nachricht von der schlimmen Verletzung von Mané vor der WM die Runde gemacht hatte. «Er ist ein Star, ein Weltklasse-Spieler, ein Schlüsselspieler. Aber wir sind ein Team. Nun haben andere Spieler geglänzt.»

In Abwesenheit von Mané sprangen andere Spieler wie der pfeilschnelle Sarr vom FC Watford in die Bresche. Der Stürmer holte auch den Elfmeter nach einem Foul des Leverkuseners Piero Hincapie vor 44 569 Zuschauern heraus und lieferte auf der linken Außenbahn, die normalerweise Mané besetzt, eine starke Vorstellung ab.

Für die Auswahl Ecuadors, der schon ein Punkt zum Weiterkommen gereicht hätte, endete dagegen die WM wieder in der Vorrunde, zum dritten Mal bei drei Teilnahmen. «Das ist ein schwerer Rückschlag, eine große Frustration. Es ist ein großer Schmerz. Wir haben aber eine gute Leistung bei dieser WM gezeigt. Ich hoffe, das wird uns für die Zukunft helfen», sagte Trainer Gustavo Alfaro.

Für Senegal geht die Reise in Katar weiter. «Wir wollen so weit wie möglich kommen. Wir wollen unsere Geschichte schreiben, wir müssen daran glauben», betonte Koulibaly. Mané wird in München die Daumen drücken, und Diop im Himmel womöglich auch.

© dpa ⁄ Carsten Lappe und Stefan Tabeling, dpa
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