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Zwischen Frust und Lust: Handballer wollen EM-Bronze

Die Niederlage im EM-Halbfinale gegen Dänemark wirkt bei den deutschen Handballern nach. Viel Zeit zum Trauern bleibt nicht, es gibt noch zwei große Ziele.
Gislason und Knorr
Bundestrainer Alfred Gislason (l) und Juri Knorr sprechen während eines Spiels miteinander. © Tom Weller/dpa

Juri Knorr hatte das Ende des Gold-Traums der deutschen Handballer bei der Heim-EM nach einer «kurzen Nacht» noch immer nicht verwunden. Das Duell um Bronze mit Schweden am Sonntag (15.00 Uhr/ARD und Dyn) in Köln war für den Spielmacher ganz weit weg. «Es ist enttäuschend, wenn man am nächsten Morgen aufwacht und sich denkt, es war mehr drin. In meinem Kopf ist nur das Halbfinale, kein Spiel um Platz drei», räumte Knorr ein.

Seine Mitspieler gaben sich dagegen schon wieder kämpferisch. «Es wäre fantastisch, wenn wir uns mal wieder eine Medaille um den Hals hängen könnten. Unsere Tanks sind wahrscheinlich schon leer, aber wir haben ein tolles Team mit starken Charakteren. Wir werden jedes Bisschen Energie, das wir noch in unseren Körpern haben, herausholen», versprach Torwart Andreas Wolff.

Endspiel um die Olympia-Qualifikation

Genau darauf setzt auch Bundestrainer Alfred Gislason, geht es für die deutsche Mannschaft doch nicht nur um das erste Edelmetall bei einem großen Turnier seit Olympia-Bronze 2016 in Rio de Janeiro. «Das ist auch ein Endspiel um die Olympia-Qualifikation, da müssen wir alles reinhauen. Die Jungs können viel Positives mitnehmen, auch wenn sie sehr enttäuscht sind», sagte Gislason.

Auch DHB-Sportvorstand Axel Kromer richtete den Fokus schon kurz nach dem Abpfiff auf das kleine Finale. «Wir spielen gegen Schweden um EM-Bronze und das Olympia-Ticket für Paris. Das ist grandios und ein riesiges Ziel», sagte Kromer. 

Kölner Hexenkessel als Trumpf

Es ist die erste Medaillenchance für die deutsche Mannschaft bei einem großen Turnier seit der WM vor fünf Jahren, als das Spiel um Platz drei gegen Frankreich verloren ging. «Es gibt nach dem Halbfinale nur eine Mannschaft, die mit leeren Händen nach Hause geht. Das wollen nicht wir sein», bekräftigte Kromer und ergänzte mit Blick auf die Stimmung im Kölner Handball-Tempel: «Wir haben das 2019 erlebt, da haben wir das Medaillen-Spiel aber nicht vor heimischer Kulisse bestreiten können. Das ist vielleicht ein Trumpf, auf den wir dieses Mal bauen können.»

Das Duell mit dem Rekord-Champion, der vor zwei Jahren seinen fünften EM-Titel gewonnen hatte, wird für beide Teams zur Kopfsache. Denn auch die Schweden waren nach dem dramatischen Aus gegen Olympiasieger Frankreich am Boden zerstört. 

Knorr erwartet mehr von sich 

«Es wird darum gehen, wer es am Ende eines langen Turniers mehr will. Wir werden alles dafür tun, dass wir das sind», sagte DHB-Kapitän Johannes Golla. Rückraumspieler Julian Köster hat ebenfalls keine Zweifel, dass sich die Mannschaft noch einmal zu einer Willensleistung aufrafft. «Die Medaille ist schon Ansporn genug. Wenn wir damit auch noch Olympia klarmachen können, ist jeder bis in die Haarspitzen motiviert», sagte der 23-Jährige.

Doch gilt das auch für Knorr? Der wirkte am Samstag immer noch niedergeschlagen. «Ich hatte mehr von mir erwartet, dass ich mehr Verantwortung übernehme, mein Herz auf der Platte lasse und alles reinhaue», haderte Knorr erneut mit seiner Leistung.

Gislason wirft Knorr «nicht viel» vor

Schon nach dem Abpfiff der Partie am Freitagabend, bei der knapp zehn Millionen Menschen vor den TV-Geräten mitfieberten, war Deutschlands bester EM-Schütze hart mit sich ins Gericht gegangen. «Ich will nicht so ein Sportler sein, der zufrieden ist, wenn er das Halbfinale erreicht. Ich will, dass das Größte herauskommt. Ich war hier, um zu gewinnen und hätte gern mehr gehabt», sagte Knorr und ergänzte: «Es tut einfach weh, nicht alles gegeben zu haben.» 

Der Bundestrainer konnte die harte Selbstkritik nicht nachvollziehen. «Klar hätte er es besser machen können. Aber ich habe ihm nicht viel vorzuwerfen», sagte Gislason. Der 64 Jahre alte Isländer ist jedoch zuversichtlich, Knorr rechtzeitig aus dem mentalen Tief herausholen zu können. «Wir haken das jetzt ab. Die Spieler sollen das Positive mitnehmen. Wir müssen uns jetzt auf Schweden fokussieren», forderte er.

Das taten einige seiner Schützlinge schon kurz nach dem 26:29 gegen Dänemark. «Einmal schlafen, Videos gucken und dann wird über ein neues Ziel gesprochen. Das heißt jetzt Bronze», sagte U21-Weltmeister Renars Uscins. Und Linksaußen Rune Dahmke versprach: «Es ist für uns wie ein Finale. Wir werden einen vollen Kampf hinlegen.»

© dpa ⁄ Eric Dobias und Jordan Raza, dpa
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