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Wie die DFL die ARD bei der «Sportschau» unter Druck setzt

Die TV-Ausschreibung ist genehmigt und verschickt. Sie enthält Möglichkeiten, die auch zu der Frage führen: Subventioniert ein Pay-TV-Sender wie Sky oder DAZN das Aus des Fußball-Klassikers im Ersten?
Bundesliga-TV-Rechte
Die TV-Ausschreibung der DFL geht in die entscheidende Phase. © Tom Weller/dpa

Der Verkauf der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga ist in der entscheidenden Phase. Die Deutsche Fußball Liga hat den Medien-Unternehmen vor wenigen Tagen die Unterlagen für die Ausschreibung geschickt. Und die enthalten ein paar komplizierte und teilweise raffinierte Details, die vor allem die ARD mit ihrer «Sportschau» unter Druck setzt und zugleich den Wert der Free-TV-Zusammenfassung am Samstagnachmittag mindert.

DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel sagte zu den bei jeder Ausschreibung aufkommenden Diskussionen über den Sport-Klassiker der ARD, dass es «für keinen Partner und für kein Format eine Bestandsgarantie geben kann». Das liege am «Wesen der Ausschreibung», wie er unter anderem bei einer Präsentation Ende Januar betonte. 

Entscheidendes Detail der Ausschreibung

Problematisch für die ARD ist das Paket I der Ausschreibung, das es für die vier Spielzeiten ab 2025/2026 in zwei Varianten gibt, die Kompakt und Klassik heißen. Bei einer davon wären die Höhepunkte im frei zugänglichen Fernsehen erst von 19.15 Uhr an zu sehen. Dieses Kompakt-Modell mit der späten Zusammenfassung im Free-TV käme den Bezahlsendern entgegen. Das entscheidende Detail der Ausschreibung: Pay-Anbieter können indirekt das Aus der «Sportschau» subventionieren.

Käufer der Pay-Pakete mit den Samstagsspielen dürfen das Free-TV-Paket I mit der Zusammenfassung ab 19.15 Uhr zwar nicht selber kaufen. Aber sie können einen Zuschuss zahlen. Theoretisches Beispiel: Ein Bezahlsender wie Sky oder DAZN schießt 30 Millionen zu, damit sich der Kaufpreis von 40 Millionen für einen Free-TV-Anbieter wie RTL oder ProSiebenSat.1 für die DFL auf eine Gesamteinnahme von 70 Millionen addiert.

Umweg für mehr Exklusivität und Wertsteigerung

Das Bundeskartellamt hat das in der Vorwoche so genehmigt. Die Behörde schrieb dazu in der ihr eigenen Sprache, dass die Variante I Kompakt den Pay-Anbietern ermögliche, «durch Aufschläge auf das eigene Angebot ihre wettbewerblichen Präferenzen hinsichtlich der Ausgestaltung der Highlight-Berichterstattung zum Ausdruck zu bringen». Anders formuliert: Durch die Zuzahlung lässt sich über einen Umweg die Exklusivität und der Wert der Live-Rechte für den Samstag erhöhen.

Die ARD ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nur an der Variante interessiert, die I Klassik heißt. Diese erlaubt Zusammenfassungen zwischen 18.00 und 20.15 Uhr. Sie würde die «Sportschau» in der bisherigen Form erhalten. Eine Kurzversion von 19.15 bis 20.15 Uhr kommt für das Erste nicht infrage, heißt es aus Senderkreisen.

Das Bundeskartellamt sieht im Paket I Kompakt «eine gewisse Qualitätsverschlechterung» für die Fußballfans. «Gleichzeitig verbesserte sich jedoch das Angebot für den Endkunden dadurch, dass die Sendung in diesem Szenario ... zusätzlich ab Sendungsende in einer Mediathek abrufbar gemacht werden kann.» Dies käme den Bedürfnissen einer wachsenden Zuschauergruppe entgegen.

So oder so hat das Paket I auch bei der Langfassung im Free-TV im Vergleich zur vorherigen Ausschreibung an Wert verloren. Das hat zwei Gründe. Zum einen steigt die Zahl der Entlastungsspiele für Europapokalteilnehmer am Sonntag um 19.30 Uhr von zehn auf fünfzehn pro Saison - wodurch es an den jeweiligen Samstagen um 15.30 Uhr nur vier statt fünf Partien gibt. 

Weniger Topspiele: Mehr Auswahl-Rechte

Zum anderen entsteht ein weiterer Wertverlust durch die deutlich erweiterten Picking-Rechte. Das bedeutet, Pay-TV-Anbieter dürfen sich noch mehr Spiele für bestimmte Tage und Uhrzeiten aussuchen. Diese Auswahlmöglichkeiten der Bezahlsender gelten vor allem für Begegnungen am Samstag um 18.30 Uhr sowie am Freitag und Sonntag. Dadurch spielen die bei den TV-Zuschauern und den Sendern besonders beliebten Vereine wie Bayern München und Borussia Dortmund noch seltener am Samstag um 15.30 Uhr – im Extremfall nur achtmal pro Saison. Was nebenbei auch den Wert des Pay-Paketes A mit der Konferenz mindert. 

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky, der sich aktuell nicht mehr äußern will, hatte im Dezember über Bayern und BVB gesagt: «Die spielen ja leider gar nicht so oft am Samstagnachmittag.» In der Vorsaison etwa konnte die «Sportschau» nur 14 Mal Ausschnitte von Bayern- und 18 Mal von Dortmund-Partien am späten Samstagnachmittag zeigen. Ab der Saison 2025/2026 dürften es noch weniger werden - egal ob bei Klassik- oder Kompakt-Version 

© dpa ⁄ Michael Rossmann, dpa
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