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Schriftsteller und KZ-Überlebender Ivan Ivanji gestorben

Am Mittwoch nahm der serbische KZ-Überlebende Ivan Ivanji als Zeitzeuge an der Eröffnung des Museums Zwangsarbeit in Weimar teil. Wenige Stunden später starb der 95-jährige Schriftsteller in Weimar.
Ivan Ivanji
Ivan Ivanji, Schriftsteller, Diplomat und Journalist aus Serbien, spricht bei einem Interview. © Georg Hochmuth/APA/dpa/Archiv

Der Überlebende der NS-Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald und serbische Schriftsteller Ivan Ivanji ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Er starb am Donnerstag in Weimar, wie die Stadtverwaltung am Freitag mitteilte. Wenige Stunden zuvor hatte er noch an der Eröffnung des neuen Museums Zwangsarbeit in Weimar teilgenommen. Der 1929 geborene Ivanji war 1944 als Jude aus Novi Sad verhaftet und über Lager in Subotica und Baja am 27. Mai 1944 nach Auschwitz, später ins KZ Buchenwald bei Weimar und mehrere seiner Außenlager deportiert worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Ivanji als Dolmetscher für die jugoslawische Regierung und den langjährigen jugoslawischen Staatschef Josip Broz Tito tätig. Zwischen 1974 und 1978 war er Botschaftsrat für Kultur und Presse an der jugoslawischen Botschaft in Bonn. Er arbeitete als Journalist, veröffentlichte Gedichte und Romane und übersetzte Werke deutscher Schriftsteller wie Günter Grass, Bertolt Brecht, Max Frisch und Heinrich Böll ins Serbische. Zu seinem Werk zählen unter anderem mehr als ein Dutzend Romane, zuletzt erschienen «Der alte Jude und das Meer» (2023) und «Corona in Buchenwald» (2021). Seit 1992 lebte Ivanji, der als einer der bedeutendsten serbischen Schriftsteller gilt, in Wien und Belgrad. 2020 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Weimar.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) zeigte sich betroffen. «Der Tod von Ivan Ivanji bestürzt mich sehr und erfüllt mich mit großer Trauer, äußerte sie im Kurznachrichtendienst X. «Noch am vergangenen Mittwoch durfte ich Ivan Ivanji in Weimar persönlich kennenlernen - eine Begegnung, für die ich unendlich dankbar bin.» Roth war unter den Gästen des Festaktes zur Museumseröffnung. Ivanjis Hoffnung sei gewesen, «dass die junge Generation aus der Geschichte lernt und einsteht für Menschlichkeit, Solidarität und Respekt». Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schrieb auf X: «Mit tiefer Trauer nehme ich Abschied von Ivan Ivanji, der nur wenige Stunden, nachdem er das Museum «Zwangsarbeit im Nationalsozialismus» in Weimar in einem symbolträchtigen Akt eröffnet hat, von uns gegangen ist.»

Große Trauer in Gedenkstättenstiftung

In der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und in der Stadt Weimar ist die Trauer groß. Ivanji hatte sich oft in Weimar und der Gedenkstätte Buchenwald aufgehalten, wo er sich als Zeitzeuge für die Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden und die Leiden der KZ-Häftlinge einsetzte.

Ivanji habe Weimar als seine zweite Heimat betrachtet, äußerten Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner und sein Vorgänger Volkhard Knigge am Freitag. «Hier fühlte er sich Goethe und dem Humanismus der deutschen Klassik, hier fühlte er sich seinen Mithäftlingen, hier fühlte er sich den Ambivalenzen und Brüchen in der deutschen Geschichte, in der Geschichte des 20. Jahrhunderts besonders nah. Hier - und nicht nur hier - sah er es als seine Pflicht an, mit aller Kraft dazu beizutragen, aus diesen Brüchen und Erfahrungen politisch gewollter, gesellschaftlich mitgetragener Gegenmenschlichkeit zu lernen.» Ivanji habe gezeigt, «was es heißt, dem politisch gewollten Hass, dem Ausgrenzen und Morden nicht das letzte Wort zu lassen.»

«Mit ihm verliert Weimar eine außerordentliche Persönlichkeit, die mit unserer Stadt und dem Vermächtnis von Buchenwald tief verbunden war», betonte Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos). Im Weimarer Rathaus liegt ein Kondolenzbuch für Ivanji aus.

Redaktionshinweis: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora sowie Kulturstaatsministerin ergänzt

© dpa
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