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Pilot-Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex öffnet 2025

In Sachsen hatte die NSU-Terrorzelle viele Unterstützer und konnte hier unbehelligt leben. Nun nimmt das geplante Dokumentationszentrum des Landes Gestalt an. 2025 soll es als Pilotvorhaben öffnen.
Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Khaldun Al Saadi aus der Projektleitung, spricht auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Pilotvorhabens für ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Sachsen. © Hendrik Schmidt/dpa

Das sächsische Dokumentationszentrum zur rechtsextremen Terrorzelle NSU soll 2025 als Pilotprojekt in Chemnitz öffnen. Im Kulturhauptstadtjahr soll dann die Wanderausstellung «Offener Prozess» gezeigt werden. Geplant sind auch Bildungs- und Vermittlungsangebote, ein Archiv sowie ein Versammlungsort zum Gedenken an die Opfer des NSU-Terrors, wie die Initiatoren am Dienstag informierten. Dazu stehen im ehemaligen Gebäude eines Energieversorgers im Stadtzentrum rund 1300 Quadratmeter zur Verfügung. Zur Finanzierung sind zunächst rund 4 Millionen Euro geplant, die je zur Hälfte von Bund und Land getragen werden sollen, sagte Sachsens Justizministerin Katja Meier (Bündnis 90/Grüne).

Chemnitz und Zwickau waren einst Rückzugsorte des «Nationalsozialistischen Untergrunds». (NSU). Hier lebte das Kerntrio viele Jahre unbemerkt, hatte zahlreiche Unterstützer und organisierte seine Mordserie an mindestens zehn Menschen - acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Es sei wichtig, hier an die Opfer zu erinnern und einen Raum für politische Bildung zu errichten, erklärte Gamze Kubaşık, Tochter des 2006 in Dortmund ermordeten Mehmet Kubaşık.

«Der NSU hat mehr als grauenvoll gezeigt, wie brandgefährlich Rechtsextremismus war und bis heute sein kann», sagte die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Juliane Seifert. Deswegen bleibe es Ziel der Bundesregierung, den NSU-Komplex umfassend aufzuarbeiten. Mit dem Projekt in Chemnitz sollen auch Erfahrungen für das Dokumentationszentrum des Bundes gesammelt werden. Vorgesehen ist dafür ein zentraler Standort und ein Verbund von Erinnerungsstätten an Orten mit NSU-Bezug. Das sächsische Pilotvorhaben soll den Plänen zufolge künftig in diesen bundesweiten Verbund integriert werden. Überlebende und Hinterbliebene hatten sich gegen Sachsen als zentralen Standort ausgesprochen, weil sich Menschen mit ausländischen Wurzeln dort nicht sicher fühlen könnten.

Das Pilotvorhaben in Chemnitz sei ein wichtiger Meilenstein für die weitere Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex, betonte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger. «Es liefert wichtige Impulse für das Bundesvorhaben.» Geplant ist in Chemnitz auch eine sogenannte Assembly, wo sich Betroffene des NSU-Komplexes, aber auch anderer rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt vernetzen und organisieren können. Auch soll ein Archiv mit Daten, Dokumenten und Objekten entstehen, damit die Geschichten der Betroffenen nicht in Vergessenheit geraten. Chemnitz ist 2025 Kulturhauptstadt Europas - zusammen mit dem slowenischen Nova Gorica.

© dpa
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