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Fall von NS-Raubgut: Erben in den USA erhalten Dokumente

Die Klassik Stiftung Weimar untersucht systematisch ihre Bestände auf Objekte, die unrechtmäßig dorthin gelangt sind. Nun haben Erben eines im KZ gestorbenen Sammlers Dokumente erhalten.
Das Geothe- und Schiller-Archiv.
Das Geothe- und Schiller-Archiv. © Martin Schutt/ZB/dpa

Im bislang umfangreichsten Fall von NS-Raubgut beim Goethe- und Schiller Archiv sind Handschriften des von den Nationalsozialisten getöteten Sammlers Beno Kaufmann an dessen rechtmäßige Erben übergeben worden. Der in den USA lebenden Familie sei auf deren Wunsch ein Brief und eine Einlegemappe aus der Sammlung Kaufmanns zugeschickt worden, teilte die Klassik Stiftung Weimar am Dienstag mit.

39 Briefe, ein Gedichtmanuskript und eine Einlegemappe mit handschriftlichen Anmerkungen des Sammlers identifizierten die Fachleute der Klassik Stiftung im Bestand des Goethe- und Schiller-Archivs. Auch andere Häuser fanden in ihrem Besitz Handschriften aus Kaufmanns Sammlung: die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), das Freie Deutsche Hochstift in Frankfurt a. M. und das Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar.

Die SLUB teilte mit, dass die systematische Forschung dort 23 Autographen, also Handschriften, der Sammlung identifiziert habe, darunter etwa einen Brief des Staatsmanns und Dichters Eduard von Schenk an den Schriftsteller Ludwig Tieck (1773-1853).

Insgesamt seien 66 Objekte aus der Sammlung Kaufmanns entdeckt worden, so die Klassik Stiftung. Die jeweiligen Institutionen haben die Dokumente, die nicht an die Familie in die USA geschickt wurden, angekauft. Diese befinden sich damit rechtmäßig in deren Sammlungen, wie es hieß. Die SLUB plant, die dortigen Objekte zu kennzeichnen und mit einer Veröffentlichung auf das Schicksal Kaufmanns hinzuweisen.

Beno Kaufmann wurde 1862 in Krakau geboren und lebte später in Berlin und Dresden. Er sammelte Münzen, Bücher, Grafiken und Handschriften. Die Nazis verfolgten ihn seiner jüdischen Herkunft wegen. Letztlich verschleppten sie ihn in das Konzentrationslager Theresienstadt, in dem er 1942 starb.

Kaufmann selbst hatte laut Stiftung keine Kinder. Durch langwierige Recherchen haben die Experten der Klassik Stiftung schließlich in den USA lebende Nachkommen zweier seiner Brüder ausfindig machen können. In Dresden soll zukünftig ein Stolperstein an Beno Kaufmann erinnern, hieß es zusätzlich in einem Online-Beitrag der Stiftung.

Die Klassik Stiftung überprüft seit 2010 systematisch ihre Bestände auf die Herkunft der Kulturgüter. Ziel dabei ist es, unter anderem solche Objekte zu erkennen, die durch die Verfolgung der rechtmäßigen Eigentümer durch die Nationalsozialisten in den Besitz der Stiftung gelangten. Die Kulturgüter sollen dann einem internationalen Abkommen entsprechend wieder an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben gehen.

© dpa
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