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Bewährungsstrafen im Prozess um Bonner Silvesterkrawalle

In der Silvesternacht 2022/23 attackierten junge Menschen in Bonn Einsatzkräfte. Eine wichtige Rolle spielte dabei wohl eine Filmvorlage. Nun wurden die Urteile gesprochen.
Prozess gegen sieben Angeklagte wegen Landfriedensbruch
Die sieben Angeklagten und ihre Rechtsanwälte warten im Gerichtssaal auf den Beginn des Prozesses wegen Landfriedensbruch. © Thomas Banneyer/dpa

Im Prozess um einen Angriff auf Polizisten und Feuerwehrleute in der Silvesternacht 2022/23 in Bonn hat die Jugendkammer des Landgerichts am Mittwoch fünf von sieben Angeklagten zu Bewährungsstrafen verurteilt. Vier Angeklagte im Alter zwischen 18 und 21 Jahren erhielten Jugendstrafen zwischen sechs und acht Monaten mit Bewährung, zwei wurden ausschließlich verwarnt. Der einzige erwachsene Angeklagte - ein 34-Jähriger - wurde zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Fußballjugendtrainer war wohl der zentrale Initiator der Silvesterattacke.

Nach Überzeugung der Bonner Richter hatten sich alle Angeklagten des schweren Landfriedensbruchs, der versuchten gefährlichen Körperverletzung sowie des Widerstands gegen Polizei- und Feuerwehrkräfte schuldig gemacht. In der Urteilsbegründung bezeichnete der Kammervorsitzende die Silvesterkrawalle als «fundamentalen Angriff auf die Werte unserer Gesellschaft und damit einen Angriff auf uns».

Bereits vier Tage vor der Silvesternacht hatten die Angeklagten, die sich aus der Nachbarschaft und dem örtlichen Fußballverein kannten, in einer Chatgruppe zusammengefunden und den Polizeiangriff geplant, hieß es in der Urteilsbegründung. Vorbild für die Attacke sei der Spielfilm «Athena» (2022) gewesen, der in einem sozialen Brennpunkt in Frankreich spielt. Wie auf der Leinwand sollten auch in Bonn Einsatzkräfte gezielt in einen Hinterhalt gelockt werden. Dann sollten «Bullenwagen brennen», eventuell auch ein Polizist entführt werden.

Keine zehn Minuten nach Mitternacht war es in der Silvesternacht dann so weit gewesen: Die wegen eines Heckenbrandes gerufene Feuerwehr wurde mit Raketen beschossen und nicht an die Brandstelle gelassen, sechs Streifenwagenbeamte wurden mit brennenden Müllcontainern empfangen und beschossen. Feuerwehr und Polizei zogen sich schließlich zurück, eine Einsatzhundertschaft wurde gerufen. In der Zwischenzeit - aus den ursprünglich etwa 20 Jugendlichen war mittlerweile eine Gruppe von rund 40 vermummten Angreifern geworden - hatten sie unter anderem ein mehrere Meter breites Feuer auf der Straße gelegt hatten und waren mit Batterien von Feuerwerkskörpern, Steinen, Getränkekisten oder auch einem Abflammgerät auf die Hundertschaft losgegangen. Da die Einsatzkräfte Schutzkleidung und Helme trugen, wurde keiner verletzt, obwohl die Angreifer dies laut Urteil billigend in Kauf genommen hätten. «Die Gefährlichkeit war allen bewusst.»

Der Zugriff der Hundertschaft war schnell erfolgreich, die Vermummten flüchteten. Zuvor hatten sie sich noch euphorisch für die Tat gefeiert und sich gegenseitig vor dem Flammenmeer fotografiert - und damit viel Beweismaterial für das Verfahren geliefert. Noch am Neujahrsmorgen war einer der Angeklagten festgenommen und sein Mobiltelefon gesichert worden, auf dem sich erste Hinweise auf den Silvester-Chat befanden.

Alle Angeklagten haben im Prozess gestanden und sich auch bei den Einsatzkräften entschuldigt. Allen wurden als Bewährungsauflage soziale Trainingskurse, Sozialstunden oder Wiedergutmachungen auferlegt - auch Zahlungen an die Stadt Bonn. Allein der Sachschaden belief sich auf 15.000 Euro. Vier Urteile sind bereits rechtskräftig.

© dpa
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