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Schläge und Tritte: Gruppe verfolgt Wohnungslosen in Rostock

Mehrere Menschen verletzen in Rostock einen obdachlosen Mann. Zuvor gab es im Internet Anschuldigungen gegen ihn. Die Polizei richtet sich mit einem Appell an die Menschen.
Blaulicht auf einem Polizeiauto
Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht auf der Straße. © Carsten Rehder/dpa/Symbolbild

Mehrere Personen aus einer größeren Gruppe haben einen wohnungslosen Mann in Rostock-Lichtenhagen mit Schlägen und Tritten vor sich hergetrieben und verletzt. Die Polizei geht davon aus, dass eine Vielzahl von Meldungen über den 26-Jährigen in Sozialen Medien einen erheblichen Einfluss auf die Tat am Donnerstagabend hatten. Die Täter hätten die Anschuldigungen mutmaßlich zum Anlass genommen, im Namen der Selbstjustiz zu handeln, teilte die Polizei am Freitag mit.

Den Ermittlungen zufolge haben etwa acht Personen aus einer 20- bis 30-köpfigen Gruppe den 26 Jahre alten Mann mit Schlägen und Tritten vor sich hergetrieben. Dabei erlitt er leichte Verletzungen. Eine Zeugin habe versucht, dem Opfer zu helfen und sei unter anderem mit ihrem Auto an die Gruppe herangefahren, um den Mann abzuschirmen. Dabei habe sie nicht rechtzeitig bremsen können und einen 15-Jährigen aus der Gruppe leicht am Arm verletzt. Als die Polizei eintraf, interpretierte die Frau zudem mutmaßlich die Situation falsch und versuchte, einen Polizisten von dem Mann wegzureißen.

Die Beamten haben zwei der mutmaßlichen Angreifer - beide 15 Jahre alt - identifiziert und festgenommen. Sie seien später wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, hieß es. Der Verletzte habe sich in ärztliche Behandlung gegeben. Die Kriminalpolizei sucht nach Zeuginnen und Zeugen, die Hinweise zu der Tat geben können.

In Sozialen Medien seien jüngst Informationen verbreitet worden, dass der Mann möglicherweise Kinder angesprochen habe, hieß es. Es wurden Bilder, Videos sowie ein angeblicher Name des Mannes veröffentlicht. Unter anderem sei die unspezifische Warnung kursiert, man solle auf seine Kinder aufpassen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Auch in diesem Zusammenhang wurden Ermittlungen eingeleitet.

Die Polizei vermutet, dass das äußere Erscheinungsbild des Wohnungslosen «vermutlich sowohl Kinder als auch teilweise Erwachsene verunsichert bzw. verängstigt hat», hieß es in einer Mitteilung. Der 26-Jährige sei der Polizei auch aus anderen Städten in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Die Ostsee Zeitung (OZ) hat im Zusammenhang mit den online verbreiteten Behauptungen über den Mann einen Fakten-Check durchgeführt, der zum Teil Unwahrheiten entlarvte.

In ihrer Mitteilung appellierte die Polizei dazu, in diesem Fall online keine anspielenden Bilder und Videos zu verbreiten, die weitere Vermutungen zuließen. Dies und auch Selbstjustiz könnten schnell dazu führen, dass man sich selbst strafbar macht. «Zeugenaussagen und Ermittlungen gehören in die Hände von Polizei und Justiz», hieß es.

© dpa
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