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Land will Schülern Prämien für Ferienpraktika zahlen

Handwerk und Industrie in MV klagen über zunehmende Nachwuchssorgen. Bezahlte Ferienpraktika sollen Schülern im Land Lust auf die duale Ausbildung machen - zunächst vor allem im Handwerk.
«Zukunftsbündnis MV» berät
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, bei einer früheren Konferenz des "Zukunftsbündnis MV". © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns verstärkt ihre Bemühungen, Schüler über Betriebspraktika für eine gewerbliche Berufsausbildung zu gewinnen und erhält dabei staatliche Unterstützung. Im Rahmen eines Modellprojekts stellt das Land in diesem und im kommenden Jahr jeweils 220.000 Euro für Praktikumsprämien bereit. Der am Freitag bei einem Treffen des «Zukunftsbündnisses MV» getroffenen Vereinbarung zufolge sollen Teilnehmer an freiwilligen Ferienpraktika aus Mitteln des Landes bis zu 120 Euro pro Woche erhalten und das für maximal drei Wochen.

«Wir haben eine Anregung des Handwerks aufgegriffen. Mit der Prämie wollen wir einen Anreiz schaffen, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig orientieren, schauen, ob Handwerksberufe etwas für sie sind, sie ein Interesse und Talent dafür haben, und sie sollen auch die ganze Vielfalt kennenlernen», sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach den gut fünfstündigen Beratungen in der Staatskanzlei in Schwerin. Die Details sollen in Kürze zwischen der Landesregierung und den beiden Handwerkskammern vereinbart, die Effekte der Praktikumsprämie nach zwei Jahren genauer untersucht werden.

Fachkräftesicherung und Berufsorientierung an Schulen gehörten laut Schwesig zu den bestimmenden Themen des Treffens von Landespolitikern, Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaftern. Nach Angaben von Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) soll die Entwicklung der Berufswahlkompetenz vom kommenden Schuljahr an bereits mit der frühkindlichen Bildung ab Klasse eins beginnen und altersgerecht alle Unterrichtsfächer einbeziehen. Begegnungen mit der Berufspraxis sollen mehr Eingang in den Schulalltag finden. Zusätzlich zu dem insgesamt 25 Tage umfassenden Schülerbetriebspraktikum würden daher in den Jahrgangsstufen 8 bis 11 weitere fünf Tage eingeführt, die nur für Projekte mit externen Partnern zur Verfügung stehen.

Ab Klasse 9 sei ein Halbjahr mit einem vierstündigen Praxislerntag vorgesehen, bei dem drei Berufsfelder kennengelernt werden können. Hinzu kämen Betriebsbesichtigungen, Unternehmenspatenschaften und Projekte im Rahmen der Ganztagsschule. «Und wir haben uns entschieden, wieder mehr auf regionale Berufsmessen zu gehen, dass wir also vor Ort auf die offenen Ausbildungsstellen hinweisen und auch die Eltern mitnehmen können auf dem Weg des Kindes in den zukünftigen Beruf», sagte die Ministerin.

Vertreter der Kammern und Wirtschaftsverbände, nach deren Angaben immer mehr Unternehmen im Land Lücken in der Belegschaft befürchten, weil altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt werden können, begrüßten die angekündigten Veränderungen. «Die Praktikumsprämie war für uns eine Herzenssache, die uns junge Leute ins Handwerk bringt, die vielleicht noch kein Gefühl dafür hatten», sagte der Präsident der Schweriner Handwerkskammer, Uwe Lange. Mit der auch zeitlich erweiterten Berufsorientierung an den Schulen werde die duale Ausbildung besser ins Licht gerückt.

Diskutiert wurde den Angaben zufolge auch über die Umsetzung des vereinbarten industriepolitischen Konzepts, das auf eine Stärkung der in MV schwach ausgebildeten Industrie zielt. Neue Impulse sollen durch eine bedarfsgerechte Erschließung und den Ausbau bestehender Industrie- und Gewerbegebiete gesetzt werden. «Wir brauchen mehr Akzeptanz für Industrie in Mecklenburg-Vorpommern und auch die dazu notwendigen Industrieflächen», sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) und spielte damit auf anhaltende Widerstände gegen neue Gewerbestandorte wie bei Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) an.

Das Fehlen einer leistungsfähigen Industrie gilt als Hauptgrund für die im Ländervergleich geringe Wirtschaftskraft Mecklenburg-Vorpommerns. Während Bundesländer in der Nachbarschaft milliardenschwere Neuansiedlungen wie Intel, Northvolt oder Tesla für sich verbuchen konnten, ging der Nordosten im Werben um Großinvestoren bislang leer aus.

Schwesig verwies auf den belgischen Windparkzulieferer Smulders, der in Rostock auf einem früheren Werftgelände Plattformen für Offshore-Windparks bauen will. Damit werde der maritimen Wirtschaft in MV die Chance eröffnet, von der Hinwendung zu den erneuerbaren Energien zu profitieren. Zudem werde die Industrie nicht nur durch Neuansiedlungen gestärkt, sondern auch durch Investitionen in den Ausbau bereits bestehender Unternehmen, betonte die Regierungschefin.

Den am Freitag getroffenen Vereinbarungen zufolge will MV die Rahmenbedingungen für eine weiter ausgedehnte Produktion von Ökostrom und dessen Speicherung als Wasserstoff verbessern. Zudem sicherte die Landesregierung erneut den Abbau von Bürokratie zu. Das wurde vom Präsidenten des Arbeitgeberdachverbandes VU, Lars Schwarz, ausdrücklich begrüßt. Er erinnerte an die Maßgabe, für jedes neue Gesetz eines zu streichen. «Noch besser wäre, eins rein, zwei raus», sagt er.

Dem im März 2019 geschmiedeten «Zukunftsbündnis Mecklenburg-Vorpommern» gehören neben der Landesregierung, den Gewerkschaften, den Unternehmensverbände und den Kammern auch die Kommunalverbände und die Bundesagentur für Arbeit an.

© dpa
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