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Bauern können nasse Felder und Wiesen nicht bearbeiten

Felder und Wiesen gleichen an vielen Orten in Norddeutschland einer Seenlandschaft. An das Befahren mit schwerem Landwirtschaftsgerät ist nicht zu denken. Dabei müsste langsam gedüngt werden.
Überflutete Felder erschweren die Arbeit der Bauern
Blick auf ein von Regenwasser durchnässtes Feld bei Albersdorf. © Georg Wendt/dpa

Viele Landwirte in Norddeutschland hadern in diesen Wochen nicht nur mit politischen Entscheidungen. Sie blicken mit zunehmender Sorge auf ihre zum Teil überschwemmten oder zumindest klatschnassen Felder und Wiesen. Seit dem 1. Februar dürfte Gülle ausgefahren werden. Das ist aber in großen Teilen Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins aktuell nicht möglich.

Ganz im Norden seien eigentlich alle Regionen betroffen, besonders die Böden in der Marsch und im östlichen Hügelland, sagte die Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Daniela Rixen, der dpa. «Dort ist die Befahrbarkeit nicht gegeben.» Nur vereinzelt hätten Bauern in der sandigen Geest und auf Grünlandflächen Dünger ausbringen können. Weil die Böden nach Monaten des Regens völlig aufgeweicht sind, würden Traktoren und schwere Anhänger tiefe Furchen hinterlassen oder ganz einsinken, so Rixen.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Wenn der Untergrund mit Wasser gesättigt ist, gelangt die Gülle nicht in die Böden, wo sie als wertvoller Dünger gebraucht wird, sondern wird mit dem nächsten Regen von der Oberfläche in Bäche und Flüsse gespült. Weil das erhebliche Umweltschäden zur Folge hätte, ist es verboten.

Auch in Niedersachsen stellt der Dauerregen die Landwirtschaft vor Riesenprobleme, und zwar landesweit, wie der Pflanzenbauexperte des Niedersächsischen Landvolks, Karl-Friedrich Meyer, sagte. Allerdings sei die Lage im Norden extremer als im Süden des Landes. «Wenn ich nach Norden fahre, nach Verden, Walsrode, Bremen, da steht alles unter Wasser - das ist unglaublich.»

«Die Bestände leiden teilweise unter der Staunässe», sagte Rixen. Das betreffe vor allem die Winterungen genannten Bestände wie Winterweizen und Raps, die bereits im Herbst eingesät worden waren. «Gerade da, wo Pfützen stehen, in Senken und wo es Verdichtungen gibt und die Pflanzen richtig im Wasser stehen, da drohen sie abzusterben.» Manche Landwirte stünden vor der Entscheidung, ihre Felder umzubrechen und neu einzusäen. Verschärft werde die Lage dadurch, dass Saatgut für Sommerungen teilweise knapp sei. Im vergangenen Herbst ist witterungsbedingt in Schleswig-Holstein weniger Winterweizen gesät worden. Daher liege jetzt die Hoffnung auf dem Frühjahr, wo Sommerungen, also Sommergetreidearten und auch Ackerbohnen, Erbsen und Mais in die Erde kommen. «Da muss man jetzt einfach abwarten, wie sich das Wetter weiter entwickelt, gern kann es jetzt aufhören zu regnen», sagte Rixen.

Wie lange es dauert, bis die Böden wieder befahrbar sein werden, ist aus Rixens Sicht nicht einheitlich zu sagen. Abgesehen von der Frage weiterer Niederschläge hänge das von der Art des Bodens und den örtlichen Verhältnissen ab. Bei den schweren Böden in der Marsch und in Ostholstein dauere es länger als auf der Geest mit sandigen Böden.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit keine Traktoren mit schwerem Gerät auf den Äckern zu sehen. «Durch die aufgeweichten Böden verzögert sich deshalb der Start der Frühjahrsarbeiten», sagte die Sprecherin des Bauernverbandes MV, Bettina Schipke, der dpa. Allerdings seien solche witterungsbedingten Arbeitspausen in der Landwirtschaft relativ normal. «Landwirte schlagen deshalb nicht Alarm, sondern hoffen auf regenfreie Tage, damit die Felder abtrocknen können.» Derzeit sei das Zeitfenster für Frühjahrsarbeiten wie Düngen und Aussaat noch groß genug.

Besonders groß ist der Zeitdruck aber bei extensiv bewirtschafteten Grünlandflächen. Hier wären jetzt normalerweise Pflegemaßnahmen nötig. Diese Arbeiten müssten bis zum 1. März abgeschlossen sein - so sei es in den entsprechenden Förderprogrammen zum Schutz von Bodenbrütern fixiert. «Derzeit steht das Wasser auf den vielen Grünlandflächen jedoch so hoch, dass Pflegemaßnahmen in den kommenden vier Wochen unwahrscheinlich sind», schätzte Schipke. Eine flächendeckende Fristverlängerung sei deshalb durch den Bauernverband im Ministerium angefragt.

Viele Regionen Niedersachsens waren bereits zum Jahreswechsel überflutet. Bei allen Feldern, die von den Flüssen überschwemmt waren oder durch den Dauerregen unter Wasser standen, seien die Jungpflanzen abgestorben, sagte der Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Wolfgang Ehrecke. Diese Flächen müssten eigentlich jetzt neu bestellt werden, was aber wegen der wassergesättigten Böden nicht gehe. Absehbar sei auch, dass es an Saatgut fehlen werde, um die Hochwasser-Ausfälle zu kompensieren.

«Wir sind noch weit davon entfernt, die Felder zu bestellen», sagte Landvolk-Experte Meyer. An der Weser stünden derzeit die Flächen, die Anfang Januar überflutet waren, schon wieder unter Wasser. «Wir brauchen dringend eine Trockenphase und Wind und Sonne, dass die Böden abtrocknen.»

In Niedersachsen würden langsam die Lagerkapazitäten für die Gülle bei den Tierhaltern knapp, sagte Meyer. Die Behältnisse seien so geplant, dass der sogenannte Wirtschaftsdünger bis Februar lagern könne. «Das macht den Betrieben sehr viel Druck.» Sie müssten derzeit nach weiteren Lagerkapazitäten für die Gülle suchen.

«Im Einzelfall können die zuständigen Unteren Wasserbehörden des Landkreises mit den Betrieben ausloten, was möglich ist», sagte Ehrecke. So müsse im Einzelfall geklärt werden, ob eine Notausbringung von Gülle möglich sei oder nicht. Vereinzelt habe es schon Voranfragen dazu gegeben. «Letztlich stehen alle vor demselben Problem.»

In Schleswig-Holstein haben die meisten Landwirte nach Rixens Angaben noch ausreichend Lagerkapazitäten für Gülle. Diese seien in den vergangenen Jahren erweitert worden. Allerdings sind auch hier die Güllebehälter wegen des vielen Regenwassers voll.

© dpa ⁄ Elmar Stephan, Helmut Reuter und Sönke Möhl, dpa
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