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Verdi-Streik an elf Flughäfen - 1100 Flugausfälle erwartet

In der deutschen Verkehrsinfrastruktur jagt ein Streik den nächsten. Am Donnerstag will Verdi elf größere Flughäfen lahmlegen. Es geht um die Gehälter einer vergleichsweise kleinen Berufsgruppe.
Warnstreiks von Sicherheitspersonal - Flughafen Hannover
Sicherheitspersonal vom Flughafen Hannover steht bei einem Warnstreik am Terminal A. © Julian Stratenschulte/dpa

Verdi macht am Donnerstag die Flughäfen erneut zum Schauplatz eines Warnstreiks. Die Gewerkschaft hat an elf größeren Flughäfen die Mitarbeiter der Luftsicherheitskontrollen ganztägig zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. In der Folge fallen nach Schätzung des Flughafenverbands ADV rund 1100 Flüge aus oder können nur verspätet starten. Betroffen seien rund 200.000 Passagiere.

Wo wird gestreikt?

Die Aktionen sollen laut Verdi in Frankfurt, Hamburg, Bremen, Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Köln, Hannover, Stuttgart, Erfurt und Dresden stattfinden. Hier wird nach Einschätzung der Lufthansa kein Zugang zu den Flugzeugen möglich sein. Die Flughäfen München und Nürnberg sind nicht von dem Verdi-Streik betroffen, so dass davon auszugehen sei, dass der dortige Betrieb im vollen Umfang stattfinden könne. Hier arbeiten die Luftsicherheitskräfte im öffentlichen Dienst, für den ein anderer Tarifvertrag gilt. Mehrere Flughäfen wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart haben sämtliche Starts abgesagt, während Düsseldorf und Köln einen Teil aufrechterhalten wollten.

Lufthansa fliegt Großteil des Programms

Das gilt auch für den größten deutschen Flughafen Frankfurt, wo zunächst 1050 Flugbewegungen geplant waren. Die Lufthansa will am Donnerstag ihr Programm weitgehend fliegen. Die Langstreckenflüge würden größtenteils stattfinden, teilte die Fluggesellschaft mit. Auch Zu- und Abbringerflüge für Umsteiger sollen angeboten werden. Allerdings könne es im Transitbereich zu längeren Wartezeiten kommen. Das Unternehmen bietet kostenlose Umbuchungen bis zum 8. Februar an. Passagiere für innerdeutsche Flüge könnten ihr Ticket kostenlos in eine Bahn-Fahrkarte umtauschen, unabhängig davon, ob ihr Flug stattfindet oder nicht.

Die Luftsicherheitskräfte sind etwa an den Kontrollen für Passagiere, Gepäck und Personal tätig. Ohne sie ist ein normaler Betrieb nicht möglich. Der Flugverkehr dürfte daher in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt werden. Verdi fordert für die bundesweit rund 25.000 Beschäftigten unter anderem höhere Gehälter.

Flughäfen und Airlines nicht beteiligt

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft scharf: «Die Flughäfen sind in dieser Auseinandersetzung keine Tarifpartei, werden aber erneut zum Austragungsort für den Interessenkonflikt. Der Flughafenverband ADV forderte die Gewerkschaft Verdi auf, eine Lösung am Verhandlungstisch zu suchen.» Die Fluggäste bräuchten Verlässlichkeit. «Fast täglich erleben wir in Deutschland mit Streikankündigungen zulasten der Mobilität und der Wirtschaft. Dem muss Einhalt geboten werden.»

Ausstände beginnen zu unterschiedlichen Zeitpunkten

Die Arbeitsniederlegungen sollten in Köln/Bonn bereits am Mittwochabend um 21.00 Uhr beginnen, weil dort es dort kein Nachtflugverbot gibt. Verdi-Vertreter Özay Tarim sagte der Deutschen Presse-Agentur, man wolle ein deutliches Zeichen setzen. Die Arbeitgeber hätten sich in den Verhandlungen bisher «inakzeptabel» verhalten. «Wir werden jetzt mit Beschäftigten Druck ausüben auf die Arbeitgeber, damit wir am Verhandlungstisch endlich weiterkommen.»

2,80 Euro pro Stunde mehr

In dem Tarifkonflikt fordert Verdi 2,80 Euro mehr Lohn pro Stunde, höhere Funktionszulagen und Mehrarbeitszuschläge ab der ersten Überstunde. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr haben. Derzeit verdienen die Luftsicherheitsassistenten in der untersten Entgeltgruppe 20,60 Euro in der Stunde, was sich bei 160 Monatsarbeitsstunden auf ein Bruttogehalt von knapp 3300 Euro addiert. Dazu kommen Zuschläge für Nachtarbeit, Sonn- und Feiertage sowie Mehrarbeit. Die Forderung berücksichtige den Kaufkraftverlust durch die Inflation und beinhaltet einen Lohnzuwachs, erklärte Verdi.

Die Arbeitgeber vom Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) haben nach eigenen Angaben für dieses Jahr 4 Prozent und für das kommende Jahr 3 Prozent mehr Geld angeboten. Zudem sollen Mehrarbeitszuschläge zu einem früheren Zeitpunkt gezahlt werden als bislang. Die Forderungen von Verdi summierten sich auf 250 Millionen Euro zusätzliche Kosten allein in diesem Jahr, sagte eine BDLS-Sprecherin. Anders als von der Gewerkschaft behauptet sei aber nicht jede Lohnerhöhung über die Luftsicherheitsgebühren refinanzierbar. Die Tarifverhandlungen sollen am 6. und 7. Februar in Berlin fortgesetzt werden. Eine weitere Runde noch im Februar ist ebenfalls bereits verabredet.

Immer wieder Streiks in der Infrastruktur

Die Menschen in Deutschland waren zuletzt immer wieder von Ausständen im Verkehrsbereich betroffen: In der vergangenen Woche hatten ein Bahnstreik und Ausstände bei der Lufthansa-Tochter Discover für Einschränkungen gesorgt. Für diesen Freitag ruft Verdi bundesweit zu Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr auf. In der Luftsicherheit war es zuletzt im Frühjahr 2023 zu Warnstreiks gekommen - mit erheblichen Auswirkungen auf den Betrieb. Damals ging es um die Arbeitsbedingungen.

Arbeitgeber wollen Schlichtungsvereinbarung

Der BDLS beklagte die Streikkultur der Gewerkschaft. Offensichtlich wolle man sich an die Bahn- und Nahverkehrsstreiks anhängen, um auf Kosten der Reisenden und Unternehmen utopische Forderungen durchzusetzen, erklärte Verhandlungsführer Frank Haindl laut Mitteilung. Die erneute Eskalation bestätige die Notwendigkeit einer Schlichtungsvereinbarung.

© dpa ⁄ Christian Ebner, dpa
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