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Dem Wolf auf der Spur: Detektivarbeit für Wissenschaftler

Kot, Urin, Haare und Abstriche von Tierkadavern: Das ist das Material, das im Zentrum für Wildtiergenetik untersucht wird. Ist Erbgut vom Wolf dabei?
Wolf
Ein Wolf läuft durch einen Wald. © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Hat wieder einmal ein Wolf ein Schaf auf der Weide gerissen? Oder handelt es sich um einen Irrtum? Antworten auf derartige Fragen, die nach der Rückkehr des Wolfes nach Hessen immer häufiger gestellt werden, suchen die Experten der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung im Zentrum für Wildtiergenetik in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis). Mit geradezu detektivischer Arbeit versuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dem Wolf auf die Spur zu kommen. Oder zu zeigen, dass der Wolf nicht der Verursacher war.

Ob Kot, Urin, Haare oder Abstriche getöteter Tiere: In den Laboren der Einrichtungen werden die Proben mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden auf ihr Erbmaterial untersucht. Im Jahr werden im Schnitt 6000 Proben aus ganz Deutschland untersucht, fast 400 Proben stammen dabei aus Hessen. Carsten Nowak, Leiter der Forschungseinrichtung, unterstrich bei einem Pressegespräch am Mittwoch die strikte wissenschaftliche Neutralität seines Instituts. Eine Nähe zu den Befürwortern der Rückkehr der Wölfe gebe es nicht. «Wir distanzieren uns von jeder Parteilichkeit.»

Das Ergebnis der Untersuchung werde allein von den jeweiligen Analysen bestimmt, weder Naturschutz- noch Jagdverbände hätten da irgendein Mitspracherecht, erklärte er. Die Aufträge an das Zentrum kämen ausschließlich von den mit dem Wolfsmonitoring betrauten Behörden der einzelnen Bundesländer.

Wie in anderen Teilen Deutschlands hat sich der Wolf Nowak zufolge in den vergangenen Jahren auch in Hessen immer weiter ausgebreitet. «Wir haben mittlerweile sechs Wolfsterritorien mit zwei Rudeln, in denen auch Nachwuchs erzeugt wird», erklärte Nowak. Nach aktuellen Beobachtungen des Wolfszentrums Hessen haben diese Rudel im Raum Rüdesheim (zwei Welpen) und in Wildflecken in der Rhön (sieben Welpen) ihre Territorien. Darüber hinaus sind ein Wolfspaar im Raum Butzbach (Wetteraukreis) sowie Einzeltiere in Greifenstein (Lahn-Dill-Kreis), Ludwigsau (Hersfeld-Rotenburg) und Spangenberg (Schwalm-Eder) ansässig.

Üblicherweise seien Wölfe nicht darauf spezialisiert, Weidetiere zu reißen. Fast alle Wölfe in Deutschland jagten in erster Linie Wildtiere, also Rehe, Hirsche oder Wildschweine. «Das tröstet natürlich den Schäfer nicht, der auf seiner Weide zehn tote Schafe vorfindet, die durch einen Wolf gerissen sind», räumte Nowak ein. Es gebe aber auch einzelne Wölfe, die relativ häufig Nutztiere töteten und vielleicht sogar gelernt hätten, Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden. «Und da ist es dann im Einzelfall auch oft sinnvoll zu versuchen, dieses Tier zu entnehmen.»

Herdenschutzmaßnahmen umfassen unter anderem die Errichtung von Elektrozäunen und der Einsatz speziell ausgebildeter Hunde. «Das muss natürlich auch bezahlt werden aus öffentlichen Mitteln», sagte Nowak. Das könnten die Tierhalter angesichts der sich ausbreitenden Wolfspopulation nicht allein stemmen. Und dann müsse es auch Personen geben, die auffällig gewordenen Wölfe jagten. «Das ist überhaupt nicht leicht», sagte er. Ein Wolfsterritorium könne 200 bis 300 Quadratkilometer groß sein, also etwa die Fläche von Frankfurt umfassen. Ein Wolf, der ein Schaf gerissen habe, könne am nächsten Tag weit weg sein. Es sei sehr schwierig, genau diese Wölfe zu erwischen.

Das Regierungspräsidium Kassel hatte mit Verweis auf Nutztierschäden im Bereich der Gemeinde Ehrenberg im Oktober eine Abschussgenehmigung für zwei Wölfe in der Rhön erteilt - zum ersten Mal in Hessen. Kurze Zeit später wurde der Abschuss vom Verwaltungsgericht in Kassel gestoppt. Zwei Natur- und Umweltschutzverbände hatten gegen die Ausnahmegenehmigung geklagt.

Der Hessische Bauernverband (HBV) wirft den zuständigen Stellen vor, den Anstieg der Wolfspopulation zu verharmlosen. Nachwuchszahlen würden systematisch ausgeblendet. Ohne Begrenzung der Wolfspopulation habe die Weidehaltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern keine Zukunft.

Nowak zufolge wird in der Öffentlichkeit sehr viel über die problematischen Wölfe geredet, die Schafe reißen. Dabei vergesse man ein wenig die «stille Mehrheit» der Wölfe, die gar keine oder nur sehr selten Schäden anrichteten. Wölfe seien streng territoriale Tiere. Daher wäre es seiner Ansicht nach kontraproduktiv, ausgerechnet diese Tiere zu jagen, da sie dafür sorgten, dass keine Wölfe von außen in das Territorium eindrängen und möglicherweise Schäden anrichteten.

© dpa ⁄ Michael Bauer (Text) und Boris Roessler (Foto)
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