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Walters Weg beim HSV beendet: Dennoch hinterlässt er Spuren

Der Hamburger SV trennt sich von Trainer Tim Walter. Der Zweitligist sieht das Aufstiegsziel wegen der Leistungsschwankungen in Gefahr. Trotz des plötzlichen Endes hat Walter aber einiges bewirkt.
Tim Walter und Jonas Boldt beim Hamburger SV
HSV-Trainer Tim Walter (l) steht vor Spielbeginn neben Jonas Boldt, Sportvorstand, vor der Bank. © Carmen Jaspersen/dpa

Die Entscheidung kam nicht unerwartet, allenfalls der Zeitpunkt überraschte ein wenig: Drei Tagen nach dem 3:4 im Nordduell gegen Hannover 96 hat sich der Hamburger SV von Trainer Tim Walter getrennt. Die Führung des Fußball-Zweitligisten traute dem 48-Jährigen nicht mehr zu, das Projekt Aufstieg erfolgreich umzusetzen.

«Wir haben nach der enttäuschenden Heimniederlage gegen Hannover 96 eine Situationsanalyse vorgenommen und sind zur Entscheidung gekommen, dass wir eine Veränderung vollziehen müssen, um unsere Saisonziele nicht zu gefährden», sagte Sportvorstand Jonas Boldt laut der Club-Mitteilung vom Montag.

Die Leistungsschwankungen in den zurückliegenden Spielen seien zu groß gewesen, «und uns fehlt die volle Überzeugung, dass wir die nötige Balance und Stabilität in unserem Spiel in dieser Konstellation nachhaltig in den nächsten Wochen erreichen werden», meinte Boldt weiter. Außer Walter wurden auch dessen Assistenten Julian Hübner und Filip Tapalovic mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Das Training beim Tabellendritten übernimmt vorerst Merlin Polzin. Er bereitet die Mannschaft auf das Auswärtsspiel am Samstag (13.00 Uhr/Sky) bei Hansa Rostock vor. Unterstützung erhält er von Loic Favé, der in der Winterpause als Leiter Sport des Nachwuchsleistungszentrums verpflichtet worden war. Zudem ist Torwart-Trainer Sven Höh dabei.

Walter war von Boldt persönlich informiert worden. Der 48 Jahre alte Trainer zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung. «Ich hätte gerne weiter dazu beigetragen, gemeinsam unser Saisonziel zu erreichen», sagte er in der Mitteilung. «Ich bedanke mich beim HSV, bei der Geschäftsstelle und bei den außergewöhnlichen Fans für mehr als zweieinhalb Jahre tolle Zusammenarbeit.»

Der sechsmalige deutsche Meister scheiterte bereits fünfmal bei dem Versuch, in die erste Liga zurückzukehren. Seit 2021 durfte Walter sich versuchen. In den vergangenen beiden Saison blieb er mit der Mannschaft jeweils in der Relegation hängen.

Vor Weihnachten stand er schon einmal infrage. Er erhielt nach einer Analyse der Hinrunde von Sportvorstand Boldt und Sportdirektor Claus Costa aber noch einmal den klaren Auftrag, sein Team in der Defensive zu stabilisieren. Doch acht Gegentore in den ersten beiden Heimspielen des neuen Jahres gegen den Karlsruher SC (3:4) und Hannover 96 (3:4) machten deutlich, dass die Mannschaft eher Rück- statt Fortschritte gemacht hatte.

Auch wenn Walter das große Ziel Aufstieg nicht schaffte, hat er in den zweieinhalb Jahren viel bewirkt. Er identifizierte sich mit dem Verein, der Stadt, den Fans. Für ihn war das Amt beim HSV vor allem Herzensangelegenheit. Das lebte er vor und übertrug dies auf seine Spieler. Gemeinsam mit ihnen bildete Walter eine Einheit. Die Fans nahmen Walter als ihren Trainer und die Spieler als ihre Spieler an. In den sozialen Medien äußerten viele Anhänger Verständnis für die Entscheidung des Vereins, zugleich bedankten sie sich bei Walter.

Regelmäßig war und ist das Volksparkstadion mit 57 000 Zuschauern ausverkauft. Das sorgte mit dafür, dass der Verein aktuell wirtschaftlich besser da steht. Und die Zuschauer konnten sich begeistern an Walters Spielstil, der mit einer für Zweitliga-Verhältnisse überragenden Offensive unter anderem mit Spielern wie Torjäger Robert Glatzel oder Laszlo Benes Spektakel lieferte. Doch zugleich konnten die Fans an der bisweilen naiven Defensivarbeit der Spieler verzweifeln.

«Tim und seine Jungs haben unseren HSV gelebt, sich voll mit der Aufgabe und dem Club identifiziert und den von uns eingeschlagenen Weg maßgeblich mitgestaltet», würdigte Boldt die Arbeit von Walter. «Tim hat mit seiner Energie und seiner Überzeugung zudem weit mehr Aufgaben als für einen Cheftrainer üblich übernommen.»

Nun beginnt die Suche nach demjenigen, der Walters Arbeit vollenden soll. Denn als Tabellendritter ist der HSV noch mitten im Aufstiegsrennen dabei. Hauptaufgabe für den Walter-Nachfolger wird sein, Konstanz in die Auftritte des Teams zu bringen. Mehr Stabilität und weniger Spektakel.

Als ein Kandidat wird Steffen Baumgart gehandelt. Der 52-Jährige war im Dezember beim Bundesligisten 1. FC Köln freigestellt worden. 2019 war er mit dem SC Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat noch keine Kontaktaufnahme des HSV mit dem aktuell vereinslosen Steffen Baumgart gegeben. Er hatte zuletzt gesagt, dass er für eine Stelle bereit wäre. Möglicherweise ein Pluspunkt für ihn: Baumgart ist bekennender HSV-Fan. Eine Identifikation mit dem Verein, wie sie Walter gelebt hat, ist sicher hilfreich.

© dpa ⁄ Claas Hennig, Sebastian Stiekel und Felix Schröder, dpa
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