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Hamburger Hafen bietet Landstrom für Schiffe

Als erster Hafen in Europa bietet Hamburg Kreuzfahrt- und Containerschiffen Landstrom an, damit sie während der Liegezeit ihre Motoren abstellen können. Von 2030 an ist das in der EU Pflicht.
Landstromversorgung von Containerschiffen
Zwei Techniker verbinden die Landstromkabel eines Containerschiffs mit einer verfahrbahren Steckdose entlang dem Kai. © Christian Charisius/dpa

Was bislang Kreuzfahrtschiffen vorbehalten war, ist in Hamburg nun auch für Containerriesen möglich. Seit Montag können sie im Hafen Landstrom beziehen und damit alle Maschinen während der Liegezeit abstellen. Den Anfang machte nun am Eurogate-Terminal die knapp 400 Meter lange und maximal fast 18.000 Standardcontainer (TEU) tragende «Vasco de Gama» der französischen Reederei CMA CGM.

Hamburg biete als erster Hafen in Europa eine Landstromversorgung sowohl für Kreuzfahrt- als auch für Containerschiffe an, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Vom kommenden Jahr an sollen dann nicht nur das Eurogate-Terminal, sondern alle großen Container- und Kreuzfahrtterminals über Landstromanschlüsse verfügen. «Das ist wirklich ein ganz großer Schritt nach vorn, auf den wir in Hamburg auch ein bisschen stolz sind.»

Bislang ist die Nutzung von Landstrom in der Europäischen Union freiwillig. Erst von 2030 an müssen sich alle Container- und Kreuzfahrtschiffe mit einer Bruttoraumzahl (BRZ) von mehr als 5000 in den Häfen an Landstromanlagen anschließen lassen, um die CO2-Belastung zu senken. Ab dann sind jegliche Verbrennungsprozesse an der Kaikante untersagt. Die BRZ bezeichnet das Maß für die Gesamtgröße eines Schiffes.

Landstrom ist an sich nicht neu. In Los Angeles beispielsweise gilt die Landstrompflicht nach Angaben der Hamburg Port Authority (HPA) bereits seit 2014 und auch in einigen asiatischen Häfen ist das Umschalten auf Landstrom schon heute vorgeschrieben. Dementsprechend haben auch alle großen Reedereien bereits Erfahrung mit dieser Art der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien.

Eine vorzeitige Anschlusspflicht in Hamburg kommt für Tschentscher jedoch nicht in Frage. Wichtig sei, dass die Voraussetzungen in den Häfen vorhanden seien, damit Reedereien ihre Schiffe überhaupt an Landstrom anschließen können. Außerdem müssten auch die Schiffe selbst umgerüstet werden. Tschentscher setzt daher nach eigenen Angaben auf einen schrittweisen Wechsel. «Es kann keine Verpflichtung geben, ohne die Möglichkeit sie einzuhalten», betonte er.

Seeschiffe brauchen auch im Hafen relativ viel Strom, etwa für den Betrieb der Bordsysteme oder die Kühlung von Containern. Bislang nutzen Schiffe während der Liegezeit meist ihre sogenannten Hilfsdiesel, was die Umwelt und Anwohnerinnen und Anwohner belastet. Großcontainerschiffe benötigen nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder im Hafen etwa 7,5 Megawatt. Das entspricht fast der Antriebsleistung des Hochgeschwindigkeitszugs ICE 3 der Deutschen Bahn. Kreuzfahrtschiffe benötigen sogar bis zu elf Megawatt.

Die Anlage am Eurogate-Terminal bietet den Angaben zufolge pro Anschlusspunkt eine maximale Leistung von 7,5 Megawatt. Da die Containerschiffe alle unterschiedlich groß sind, sind die Steckdosen auf Schienen montiert und können je nach Anleger zwischen 100 und 300 Meter verschoben werden. Die Stecker wiederum befinden sich bei der «Vasco de Gama» am Heck in einem «Alternativ Marine Power»-Container und werden an zwei dicken Kabeln herabgelassen. Der Strom selbst kommt aus dem öffentlichen Netz von den Hamburger Energiewerken.

HPA-Chef Jens Meier sagte, für das gesamte Landstromprojekt habe der Senat rund 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. «Ohne die Mittel der Freien und Hansestadt Hamburg und der Bundesregierung, die das Ganze ja mit 50 Prozent unterstützt hat, wäre das alles so nicht möglich.» Allein in der zweijährigen Entwicklungszeit für die Landstromversorgung am Eurogate-Terminal wurden den Angaben zufolge rund 13 Millionen Euro investiert.

© dpa
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