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Drei Länder wollen neue Wege gehen und Ärzte entlasten

Vor allem auf dem Land sind Pflegekräfte und Ärzte rar. In einem Modellversuch in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern übernehmen Pflegekräfte bestimmte ärztliche Aufgaben.
Pflege
Eine Pflegefachkraft zieht einem Klienten einen Kompressionsstrumpf an. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern starten im Sommer ein Projekt zur Entlastung von Hausärzten und zur Stärkung der Pflege von älteren, chronisch kranken Menschen. «Eine immer älter werdende Bevölkerung stellt die Gesundheitsvorsorge nicht nur in unserem Bundesland in den nächsten Jahren vor enorme Herausforderungen», sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher am Freitag bei der Eröffnungsveranstaltung in Berlin. Das Modellprojekt verzahne Medizin und Pflege und trage vor allem in ländlichen Gebieten zur Sicherung einer flächendeckenden Versorgung bei.

In Mecklenburg-Vorpommern sei der demografische Wandel schon besonders weit fortgeschritten, sagte Sozialstaatssekretärin Sylvia Grimm. Zukunftsweisende Projekte seien nötig, um die Gesundheitsversorgung an die veränderten Realitäten anzupassen. «Zugleich tragen sie zu einer besseren Gesundheit und höheren Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten insbesondere in dünner besiedelten, ländlichen Regionen des Landes bei», zeigte sich Grimm überzeugt.

Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer-Krankenkasse in MV, begrüßte, dass über den Innovationsfonds des Bundes neue Versorgungsformen entwickeln und erprobt werden könnten. «Wir hoffen, dass am Ende des Projektes eine Überführung in die Regelversorgung erfolgen kann», sagt er.

Die Versorgung der ersten 100 Patientinnen und Patienten starte am 1. Juli, geplant seien vier Phasen mit insgesamt mehr als 1200 Patientinnen und Patienten. Mit dem Projekt übernehmen erfahrene Pflegekräfte nach ihrer Ausbildung Hausbesuche und die Behandlung von 100 Patientinnen und Patienten mit diagnostizierten Erkrankungen in enger Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzten. Sie können über Videosprechstunden wenn nötig hinzugezogen werden. Das Projekt trägt den Namen «Erwin» (Erweiterte Übertragung von arztentlastenden Tätigkeiten in Arztnetzen).

Das Vorhaben wird vom Bund über dreieinhalb Jahre mit rund 6,7 Millionen Euro gefördert. Es wird in Berlin in den Stadtbezirken Treptow-Köpenick und Neukölln-Tempelhof, in Brandenburg im Raum Elsterwerda und Bad Liebenwerda (Kreis Elbe-Elster) und in den Landkreisen Uckermark und Ostprignitz sowie in Mecklenburg-Vorpommern in den Altkreisen Uecker-Randow und Anklam getestet.

Das Modellprojekt geht los mit neun examinierten Pflegefachkräften mit langjähriger Berufserfahrung, die sechs Monate lang an der Universitätsmedizin Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) in Vollzeit ausgebildet werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Altersmedizin, Schmerzbehandlung, dem Bluthochdruck sowie der Ernährung. Die Ausbildung endet mit einer staatlich anerkannten Prüfung. Eine Übertragung bestimmter Arzttätigkeiten ist innerhalb von Modellprojekten erlaubt.

Als integrativer Bestandteil von Arztnetzen seien spezialisierte Pflegefachkräfte unersetzlich. «Ihre Expertise und ihre leidenschaftliche Fürsorge stärken nicht nur unser Teamgefüge, sondern bringen auch eine deutliche Verbesserung in die Betreuung und Behandlung unserer Patienten», betonte die Ärztin Sabine Meinhold von Mediziner-Netzwerk HaffNet. In der Region Vorpommern hatten sich Fach- und Hausärzte schon 2001 zu diesem freiwilligen Zusammenschluss entschieden.

© dpa
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