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Warner muss sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe wehren

Ende Februar will Augsburg wieder mit einem Festival einen der berühmtesten Söhne der Stadt feiern: Bert Brecht. Doch der Festivalchef gerät nun massiv unter Druck.
Julian Warner
Julian Warner, Leiter des Brechtfestivals in Augsburg, steht neben einem Banner des Brechtfestivals 2023. © Felix Müschen/dpa/Archivbild

Wenige Wochen vor dem diesjährigen Brechtfestival in Augsburg muss sich Festivalleiter Julian Warner gegen Antisemitismus-Vorwürfe verteidigen. Am Montag distanzierte sich Warner von einer Unterschrift, die er im Jahr 2020 unter einem offenen Brief geleistet hatte. In dem Brief, den mehr als 1500 Personen unterzeichnet haben, wurde eine Bundestagsentscheidung zu der umstrittenen Israel-Boykottbewegung BDS kritisiert.

Die Augsburger SPD-Stadtratsfraktion hatte deswegen am Wochenende Aufklärung verlangt. «Antisemitismus hat in Augsburg keinen Platz, dazu gehört auch der Aufruf zum Boykott von Jüdinnen und Juden», sagte Fraktionschef Florian Freund. «Dass der Leiter des Brechtfestivals einen offenen Brief unterzeichnet, in dem die Verurteilung der BDS-Kampagne durch den Bundestag kritisiert wird, wirft Fragen auf.» Zuvor hatte das Internetportal «Die Augsburger Zeitung» über die Unterschrift Warners berichtet.

BDS steht für «Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen». Die Kampagne ruft seit Jahren zum Boykott des Staates Israel und israelischer Produkte wegen des Vorgehens gegen Palästinenser auf. Der Bundestag hatte die BDS-Bewegung in einem Beschluss vom 17. Mai 2019 verurteilt. Deren Argumentationsmuster und Methoden seien antisemitisch.

Der von Warner unterzeichnete offene Brief kritisierte den Parlamentsbeschluss. Die Einschränkung des Rechts auf Boykott sei eine «Verletzung demokratischer Prinzipien», heißt es in dem Dokument. «Seit Verabschiedung dieses Beschlusses wird er als Mittel eingesetzt, um marginalisierte Positionen zu verzerren, zu verleumden und zum Schweigen zu bringen, insbesondere solche, die sich für palästinensische Rechte einsetzen oder kritisch zur israelischen Besatzung äußern.»

Nunmehr äußert sich Warner gegensätzlich: «Ich lehnte damals und lehne heute den Israel-Boykott ab und bin zu keiner Zeit ein Unterstützer des BDS gewesen», erklärte der Festivalchef. «Vor dem Hintergrund des Antisemitismus-Skandals bei der Documenta 15 (2022) sowie des verbrecherischen Angriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 distanziere ich mich ausdrücklich von meiner 2020 getätigten Unterschrift unter genannten Offenen Brief.»

Zuvor hatten städtisches Kulturreferat, Kulturamt und Leitung des Brechtfestivals den Antisemitismus-Vorwurf gegen den Festivalchef als «Hetze und Meinungsmache» bezeichnet. Der Münchner Kulturanthropologe Warner leitet das Festival in Bertolt Brechts Geburtsstadt Augsburg seit dem vergangenen Jahr. Alle drei Jahre wird ein neuer Festivalchef berufen.

Das diesjährige Festival soll vom 23. Februar bis 3. März unter dem Titel «No Future» stattfinden. Brecht (1898-1956) wuchs in Augsburg auf und wurde später in Berlin zu einem der weltweit bekanntesten Theaterschaffenden.

Redaktionshinweis: Die Zuschreibung des Zitats «Hetze und Meinungsmache» im vorletzten Absatz wurde geändert.

© dpa
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