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Industriearbeiter protestieren für Zukunft in Nordbayern

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Konjunkturflaute und die E-Mobilität krempelt die Autobranche um. In Schweinfurt gehen Industriebeschäftigte deshalb für ihre Arbeitsplätze auf die Straße.
Patrick Brembs
Patrick Brembs, Qualitätsfacharbeiter, verschraubt Stator und Phasenkabel an einem Elektromotor. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archiv

«Schleichender Arbeitsplatzabbau» - dieser Ausdruck fiel am Donnerstag immer wieder auf dem Schweinfurter Marktplatz. Etwa 5000 Beschäftigte aus großen Industriebetrieben protestierten mit Demonstrationszügen und einer 80-minütigen Kundgebung für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und weitere Investitionen in der Region. Sie befürchten unter anderem Stellenabbau durch den Wechsel zur Elektromobilität und eine Produktionsverlagerung ins Ausland. Ein Teilnehmer hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift «ZF letzte Chance - Made in Germany».

Aufgerufen zu den Protesten hatte die Industriegewerkschaft Metall unter dem Motto «SOS Kugellagerstadt - Zukunft für Industriearbeit in Schweinfurt». Auch aus dem Umland wie Rhön-Grabfeld und den Haßbergen waren Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Bussen angereist.

Angst vor Abwanderung in Billiglohnländer

In Schweinfurt und Umgebung sind besonders viele Autozulieferer angesiedelt, etwa Bosch Rexroth, Schaeffler, SKF, ZF Friedrichshafen und Valeo. Alleine am ZF-Standort in Schweinfurt könne es nach Einschätzung von Betriebsrat und IG Metall zu einem allmählichen Abbau von mehr als 2000 Arbeitsplätzen kommen. Bei SKF seien bereits 500 Arbeitsplätze abgebaut worden, weitere könnten folgen. Der französische Automobilzulieferer Valeo hatte Ende September 2023 angekündigt, sein Elektromotorenwerk in Bad Neustadt an der Saale (Landkreises Rhön-Grabfeld) zu schließen. Das Unternehmen begründete dies mit einem Auftragsschwund.

Reden bei der Kundgebung hielten unter anderem Vertreter von Betriebsräten und der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU). Auch die Schweinfurter Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) hatte zur Teilnahme an der Kundgebung mobilisiert. «Was in Schweinfurt bereits beginnt, deutet sich auch in anderen bayerischen Industrieregionen an. Viele Unternehmen nutzen die Transformation als Vorwand, um Produktion und Arbeitsplätze in Billiglohnländer zu verlagern», sagte Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Kritik kam nicht nur an Verlagerungen nach Asien. Der Betriebsratsvorsitzende von Schaeffler in Schweinfurt, Jürgen Schenk, forderte faire Subventionen in Europa.

Laut Polizei blieb die Kundgebung friedlich. Allerdings seien viermal unerlaubt Rauchtöpfe abgebrannt worden.

Der Gewerkschaft zufolge gibt es in Schweinfurt fast 27.000 Industriearbeitsplätze.

© dpa
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