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«Je lauter, desto besser»: Narren schnellen um die Wette

Tausende Narren und noch mehr Schaulustige haben sich an diesem Wochenende zu einem großen Jubiläumsfest im oberschwäbischen Weingarten getroffen. Auch eine kuriose WM stand auf dem Programm.
Schneller-Weltmeisterschaft
Bei der Schneller-Weltmeisterschaft schwingen zwei Hänseler im Klosterhof der Basilika im Doppel ihre Karbatschen. © Felix Kästle/dpa

Hunderte Narren sind in Weingarten in einer kuriosen Weltmeisterschaft gegeneinander angetreten. Bei einem Narrentreffen am Samstag wurde der Wettbewerb im Schnellen mit der Karbatsche ausgetragen. Bewertet wurden nach Angaben der Veranstalter Peitschenführung, Körperhaltung, Rhythmik und der Takt der sogenannten Schneller.

Die peitschenartigen Karbatschen aus Hanf sollen wie andere von Narren getragene Krachmacher den Winter vertreiben, wie Jurymitglied Pierino Leopardi von der Plätzlerzunft Altdorf-Weingarten 1348 am Samstag erklärte. Um richtig gut beim Schnellen zu sein, müsse man sich mit seiner Karbatsche bewegen.

«Man muss das Ding über den Kopf führen, nach hinten - je mehr ich den Körper einsetze, umso einfacher wird es.» Bewertet werde auch der Effekt, also der Knall. «Je lauter, desto besser», so der 54-Jährige. Mehr als 300 Teilnehmer waren demnach bei der WM dabei. Sie traten in 35 Kategorien gegeneinander an. Leopardi zufolge gab es etwa Kategorien für kurz- und langstielige Karbatschen. Die seilartigen Peitschen seien in der Regel mehr als drei Meter lang.

Anlass für das große dreitägige Narrentreffen am Wochenende war das 100-jährige Bestehen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Bei dem bunten Spektakel waren Zehntausende Narren und Fastnachtsfans erwartet worden. Neben der WM standen auch Narrensprünge, Fackelumzüge und Brauchtumsvorführungen auf dem Programm. «Es ist schön, dass wir die ganzen Narren aus dem Südwesten hier in Weingarten haben», sagte VSAN-Präsident Roland Wehrle. Die vielen Bräuche seien beeindruckend.

Ein eigenes Netz aus Sonderbussen und Zügen wurde für das Event in der 25 000-Einwohner-Stadt eingerichtet. Die Polizei sperrte Straßen ab. Höhepunkt war der große Narrensprung am Sonntag, der auch im Fernsehen übertragen wurde. Bei sonnigem, aber kaltem Wetter zogen viele Narren in buntem Häs durch die Stadt im Landkreis Ravensburg.

Die Fastnacht im Südwesten ist vorwiegend traditionell geprägt. Die Narren verkörpern meist Figuren aus der Dorf- und Stadtgeschichte sowie Fabelwesen und Tiere. Zum «Häs» tragen sie oft kunstvoll geschnitzte Masken. An einigen Orten sind aber auch Einflüsse des rheinischen Karnevals spürbar - mit Figuren wie Prinz und Prinzessin oder Tanzgarde.

© dpa
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